Donnerstag, 24. Mai 2012

Geldspritze rettet Safthersteller Kumpf


Albrecht und Martin Kumpf (v.l.) sind froh über die Rettung. Foto: Schmid

Unterriexingen – Das Traditionsunternehmen Kumpf ist nur knapp an der Insolvenz vorbei geschrammt. Nachdem die Hausbanken des Unternehmens die Erntefinanzierung in Millionenhöhe verweigert hatten, sprang die Hassia-Gruppe als Geldgeber ein. Der Standort Unterriexingen ist gesichert. Ein Personalabbau ist hingegen nicht ausgeschlossen.

Ende September hat der Unterriexinger Safthersteller Kumpf für Verwirrung gesorgt: Vier Tage lang bekamen Privatpersonen, die ihre Mostäpfel zu einer der rund 200 Annahmestellen von Kumpf brachten, keinen Cent. Stattdessen wurde ein Tauschgeschäft angeboten. Äpfel gegen Most. Davor gab’s für den 100 Kilogramm schweren Doppelzentner Mostäpfel noch sechs Euro bar auf die Hand, Anfang Oktober waren es dann immerhin wieder vier Euro.

Schnell machten Insolvenzgerüchte die Runde. Und tatsächlich: Das Unternehmen, das seit seiner Gründung im Jahr 1898 der Familie Kumpf gehört, ist nur knapp am Insolvenzantrag vorbei geschrammt. Die Hausbanken hatten die Finanzierung der Apfelernte in diesem Jahr abgelehnt. Und die kostet das Unternehmen zwischen fünf und sechs Millionen Euro jährlich. „Deshalb haben wir die Notbremse gezogen und nur noch Tauschmost angeboten“, sagt Geschäftsführer Martin Kumpf.

Unerwartete Ereignisse machen Kumpf zu schaffen

Dass Mostäpfel angenommen werden, ohne dass die Erntefinanzierung steht, sei in der Branche üblich. Seit dem Beginn der Ernte Mitte August seien bereits 24000 Tonnen Obst abgegeben worden. „Die Banken machen normalerweise keinen Rückzieher und finanzieren das Geschäft zuverlässig“, heißt es aus dem Hause Kumpf.

Doch in diesem Jahr war alles anders. Durch den Tod eines Gesellschafters kam die Struktur des Unternehmens ins Wanken. Eckart Kumpf starb im vergangenen Jahr, er hatte 35 Prozent des Unternehmens in seinem Besitz. Martin, Bernhard und Albrecht Kumpf kauften 16 Prozent. Für mehr reichten die finanziellen Mittel nicht. Die restlichen 19 Prozent am Unternehmen geht somit an die Erben von Eckart Kumpf. Die leben in der Schweiz und haben sechs Monate Bedenkzeit, ob sie beim Safthersteller einsteigen wollen oder nicht. „Den Banken hat die unsichere Gesellschafterstruktur nicht gefallen“, sagt Gesellschafter Albrecht Kumpf.

Dazu kam ein Problem bei der Inventur, dass sich die Kumpf-Leitung nicht so recht erklären kann. Es fehlen beachtliche Summen. Wie viel genau, wollen sie nicht verraten. Darüber, wie das Loch bei der Inventur entstehen konnte, könne nur spekuliert werden: „Wir gehen nicht davon aus, dass unsere Mitarbeiter uns im großen Stil bestohlen haben. Dafür lege ich meine Hand ins Feuer“, sagt Martin Kumpf. Sein Bruder Albrecht Kumpf vermutet, dass beim Geschäft mit Fruchtsaftkonzentrat etwas schief gelaufen ist. „Wir sind im vergangenen Jahr groß in den Konzentrathandel eingestiegen und haben die Mengen mangels Erfahrung vielleicht falsch kalkuliert.“ Es sei möglich, dass mehr Saftkonzentrat ausgeliefert wurde als geplant. Das würde zumindest das Loch im Lager des Unternehmens erklären.

Diese beiden Punkte haben die Hausbanken des Saftherstellers Kumpf dazu gebracht, die nötigen Kredite nur dann zu gewähren, wenn die L-Bank als Bürge auftritt. Die L-Bank ist ein Kreditinstitut des Landes Baden-Württemberg. Deshalb wendete sich die Dreierspitze des Unternehmens an die Landespolitik. Ministerpräsident Günther Oettinger und Landwirtschaftsminister Peter Hauk bekamen Post aus Unterriexingen. Doch weder der Ministerpräsident, noch das Ressort von Hauk meldeten sich zurück. „Dabei ging es nicht um ein Problem der Firma Kumpf, sondern um eines das viel mehr Menschen trifft“, sagt Albrecht Kumpf. Wenn einer der größten Safthersteller Deutschlands vom Markt verschwinde, dann treffe das vor allem die Annahmestellen für Mostäpfel und die privaten Lieferanten.

Weil das Land nicht bereit war, über die L-Bank für Kredite zu bürgen, wurde nach anderen Möglichkeiten gesucht. Ein Geschäft mit der Hassia-Gruppe, einem Getränkeproduzenten aus Bad Vilbel, verhinderte das Insolvenzverfahren in letzter Minute. „Die Gruppe kauft uns Fruchtsaftkonzentrate im großen Stil ab und sorgt so dafür, dass wir wieder liquide sind“, verkündet Martin Kumpf gestern im Gespräch mit der Vaihinger Kreiszeitung. Damit ist das Unternehmen erst einmal gerettet. Die Ernte kann bis zum Ende finanziert werden. Darüber, wie viel Geld bei dem Geschäft im Spiel war, schweigen sich die Verantwortlichen aus. Es muss jedoch ein Millionenbetrag gewesen sein.

Bisher ist die Hassia-Gruppe nur als Geschäftspartner von Kumpf aufgetreten. Doch es steht auch im Raum, dass die Gruppe bei dem Unternehmen einsteigen könnte. „Wir stehen allem offen gegenüber, was den Standort Unterriexingen sichert“, sagt Martin Kumpf dazu. Gespräche würden jedoch in viele Richtungen geführt. Auch andere Partner kämen infrage.

Sicher ist jedoch, dass einige der knapp 80 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verlieren könnten. Vor allem die Abfüllung könnte betroffen sein. „Wir haben eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben und erwarten das Ergebnis in etwa zwei Wochen“, heißt es aus der Chefetage. Genaue Zahlen könne man noch nicht nennen.

Gute Nachrichten gibt es hingegen für Mostäpfel-Lieferanten. „Wir bezahlen weiterhin vier Euro, aber mit steigender Tendenz“, sagt Martin Kumpf.

Philipp-Marc Schmid


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