Donnerstag, 24. Mai 2012

Damit der Fluss im Bett bleibt


In Rumänbien haben 27 Jugendliche aus Eberdingen ein Flussufer befestigt.

Eberdingen/Rasnov – Zum zweiten Mal sind die Mitglieder der Eberdinger Jugendkreise nach Rumänien gefahren. Dort unterstützen sie den Bau eines Jugendzentrums. Anfang des Jahres wollten sie dafür 10000 Euro mit kleineren Arbeitsdiensten sammeln. Durch Spenden wurden es aber 5000 Euro mehr.

Schützend hält Swen Seemann aus Eberdingen ein Stück Metall mit einer eingearbeiteten Glasschicht vor sein Gesicht. Funken sprühen und tanzen durch die Luft. „Das ist anstrengend“, sagt er und wischt sich die Stirn ab. Zusammen mit 26 anderen Jugendlichen aus der Dreiergemeinde hilft er in der Nähe der rumänischen Stadt Rasnov beim Bau eines Jugendhauses. Bereits zum zweiten Mal. Diesmal schweißen sie Körbe, die befüllt mit Steinen das Flussufer am Rand des Geländes stützen sollen.

Vor wenigen Wochen sind die Mitglieder der Eberdinger Jugendkreise zum zweiten Mal nach Rumänien gefahren. Bei ihrem ersten Besuch im Jahr 2007 haben die 14- bis 32-Jährigen das Dach einer Scheune eingedeckt. Damals waren 18 der Eberdinger in Rasnov. Mit 27 Personen hatten sie bei ihrem diesjährigen Besuch nicht nur mehr Muskelkraft im Gepäck, sondern auch eine großzügige Spende: Etwa 15000 Euro hat die Jugendgruppe gesammelt.

In Rasnov baut die internationale und überkonfessionelle christliche Bewegung der Fackelträger seit dem Jahr 2005 ein Zentrum für Jugendliche. Spätestens im Jahr 2009 sollten dort eigentlich Freizeiten stattfinden, eine Bibelschule ihren Betrieb aufnehmen und Ausbildungswerkstätten für junge Menschen aus sozial schwachen Familien entstanden sein. Wegen des engen finanziellen Rahmens verschiebt sich die Eröffnung jedoch bis ins Jahr 2011.

Da kam die Spende aus Eberdingen gerade recht: „Die Fackelträger haben damit einen eigenen Stromanschluss für das zukünftige Jugendzentrum am Rand des Karpaten-Hochgebirges finanziert“, sagt Swen Seemann. Ein wichtiger Schritt in Richtung Fertigstellung. Denn bisher mussten sich die Jugendgruppen, die am Bau beteiligt sind, darauf verlassen, dass der Nachbar den Strom zur Verfügung stellte. Und der steckte die Leitungen ab und zu einfach aus.

„Jetzt gibt es eine Stichleitung zum Gelände“, freut sich Seemann, der das Geld mit den anderen Eberdinger Jugendlichen mittels kleiner Hilfsdienste gesammelt hat. Sie pflegten Gärten, mähten Wiesen, verkauften Gebäck und sammelten Altpapier. Dabei sollten ursprünglich 10000 Euro zusammen kommen. „Am Ende hatten wir dann aber 5000 Euro mehr“, sagt Seemann. Die Eberdinger seien von dem Projekt so begeistert gewesen, dass sie gerne gespendet hätten.

25 Tonnen Steine wurden bewegt

Ihre Muskeln haben die jungen Bauhelfer dieses Mal am Flussufer spielen lassen. Die Körbe, die sie schweißten, mussten mit 25 Tonnen Steinen aus dem Flussbett gefüllt und mit Maschendraht ummantelt werden. „Der Fluss fließt wie eine Schlaufe um das Gelände“, erzählt Swen Seemann. Das Gelände in der Mitte der Schlaufe ist etwa 1000 Quadratmeter groß.

„Wenn Hochwasser ist, dann wird die Fläche abgetragen“, erläutert er. Deshalb mussten die Eberdinger das Ufer befestigen. Hätte das Ufer niemand befestigt, wäre der Fluss in etwa 15 Jahren gerade geflossen. In zehn Tagen haben die Eberdinger es geschafft, von 80 Ufermetern 35 zu befestigen.

Mit der Sicherung der Landfläche haben die Jugendlichen übrigens auch ihre eigene Spende gesichert. Denn der neue Strommast steht in der Schlaufenmitte.

Philipp-Marc Schmid


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