Tausende Hennen gackern zur Begrüßung
Ochsenbach (rkü) – Ein vielstimmiges Gackern hat gestern Landwirtschaftsminister Peter Hauk begrüßt, als er in Ochsenbach eintraf. Dort auf dem Bromberghof stellten Landwirte einer Erzeugergemeinschaft ihre Weise der Legehennenhaltung vor.
Der Bromberghof von Matthias Kurz ist ein Bio-Legebetrieb und wurde erst vor einem Jahr in Betrieb genommen. Vier Herden von jeweils 3000 Hennen sind auf den Wiesen rund um den Hof unterwegs. Die Nächte verbringen sie im Stall, gut geschützt vor Fuchs und Marder. Die Eier, etwa 10000 pro Tag, werden zu einem guten Teil im Hofladen und auf Wochenmärkten verkauft. Damit war der Hof ideal geeignet für die „Gemeinschaft 08“, die den Welt-Ei-Tag gestern zum Anlass nahm, über Eier aus Baden-Württemberg zu informieren.
Alle Eier, die im Ländle gelegt und von dort aus zum Verkauf angeboten werden, tragen die 08 als Länderkennung im Stempel (siehe Stichwort). Diese Ziffernfolge brachte einige Landwirte auf die Idee, ihre Marketingkampagne darauf aufzubauen. So lautet einer ihrer leicht zu merkenden Sprüche: „Drauf 08ten – Eier aus Baden-Württemberg.“ Weit über die gesetzlichen Bestimmungen hinaus gehend, haben sich diese Erzeuger darauf verständigt, ausschließlich Eier aus Bio-, Freiland- oder zumindest Bodenhaltung anzubieten. Außerdem legen sie Wert auf die regionale Vermarktung. „Nur ein Drittel der Eier, die in Baden-Württemberg verbraucht werden, kommen auch aus dem Land“, stellte Christoph Hönig fest. Er ist Sprecher der Erzeugergemeinschaft. „In Deutschland liegt die Selbstversorgungsquote insgesamt bei 70 Prozent, die übrigen Eier werden aus dem Ausland importiert.“ Dort gelten für die Betriebe andere Rahmenbedingungen, so dass dort die Kosten wesentlich günstiger sind. „Die größten Konkurrenten kommen aus Polen“, stellte Landwirtschaftsminister Peter Hauk gestern fest. „Die rüsten derzeit auf, es wird erheblich investiert in den Bau von ausgestalteten Käfigen.“ Diese sollen nach einer EU-Richtlinie die bisher weit verbreiteten Legebatterien ablösen.
Den baden-württembergischen Erzeugern rief der Minister zu: „Wir müssen alles dafür tun, dass wir uns qualitativ von den anderen abheben und das auch vom Marketing her unterstützen.“ So werde das Qualitätssiegel mit den drei Löwen nur noch vergeben, wenn Eier aus Bio-, Freiland- oder Bodenhaltung stammen. Christph Hönig ergänzte: „Ein Käfig bleibt ein Käfig, auch wenn jedes Huhn künftig ein paar Quadratzentimeter mehr Platz bekommen muss.“ Darum sei es für die Mitglieder der Erzeugergemeinschaft wichtig, sich von diesem Image abzuheben. „Das Ei ist immer mit schlimmen Bildern in Verbindung gebracht worden, das Gute am Ei wurde gar nicht mehr richtig wahrgenommen.“ Dabei stehen Eier weit oben auf der Liste der beliebtesten Nahrungsmittel. Mehr als 200 Eier pro Jahr verbraucht jeder Deutsche im Durchschnitt. Die wenigsten davon in Form von Frühstücks- oder Ostereiern, meist gehört Ei zu den Zutaten von anderen Speisen. Peter Hauk stellte gestern klar: „Ich liebe alle Eierspeisen.“
Auch wenn Eier aus möglichst artgerechter Haltung stammen, ist dies noch keine Garantie für eine gute Ökobilanz. Das verdeutlichte Christoph Hönig an einem Beispiel. Zu Demonstrationszwecken hatte er zwei Schachteln Eier bei einem Discounter gekauft. Der Inhalt der einen Schachtel stammte aus Spanien, die übrigen kamen aus Italien. Verpackt wurden die Eier jeweils in den Niederlanden und von dort aus nach Süddeutschland ausgeliefert. Jeweils rund 2000 Kilometer hatte die zerbrechliche Ware hinter sich, bis sie im Laden angeboten wurde. Das ist einer der Punkte, an denen die organisierten Legebetriebe aus Baden-Württemberg ansetzen wollen. Sie achten darauf, dass die Eier jeweils im Erzeugerbetrieb sortiert und verpackt werden. Das spart Zeit und Fahrtkosten, erhöht aber den Aufwand für den jeweiligen Betrieb.
Die Nachfrage der Verbraucher, denen dieser Aufwand ein paar Cent mehr pro Ei wert ist, ist offenbar vorhanden. Darum sind Eier mit dem Qualitätszeichen Baden-Württemberg künftig auch vermehrt im Lebensmittel-Einzelhandel zu finden. Vorbei ist ihr Dasein als Nischenprodukt von Hofläden und Wochenmärkten. Hühnerhaltung auf dem Boden ausgedehnter Ställe oder im Freien soll künftig wieder Standard sein.
