Horrheim (aa) – Alternativen zur Führung der Ethylen-Pipeline im Mettertal sollen in dieser Woche in den Ortschaftsräten von Gündelbach (heute) und Horrheim (Donnerstag) vorgestellt werden. Ob die Kompromisse jedoch zum Tragen kommen, ist fraglich. Siegfried Setzer, Obmann der Horrheimer Landwirte, will sich auf jeden Fall mit allen rechtlichen Mitteln gegen die Trasse wehren und hat Klage beim Verwaltungsgericht Stuttgart eingereicht, was übrigens auch die Stadt Vaihingen getan hat.
Der 56-Jährige ist seit 25 Jahren Obmann der Horrheimer Landwirte. Die Berufskollegen sind zwar inzwischen an einer Hand abzuzählen, doch Setzer sieht eine Vielzahl von Grundstücksbesitzern hinter sich, wenn er gegen die Ethylen-Pipeline Süd (EPS), die von Münchsmünster in Bayern nach Ludwigshafen verlaufen soll (360 Kilometer), zu Felde zieht.
Ein Dorn im Auge des Demeter-Bauern ist vor allem auch die Verlegung der Leitung durch das Nasswiesenbiotop Nördlicher Rotenberg (parallel zur Straße Horrheim – Gündelbach zwischen dem ehemaligen Mühlkanal und der Metter). „Das ist ein FFH-Gebiet, ein Biotop nach § 32 des Naturschutzgesetzes und Landschaftsschutzgebiet“, argumentiert Setzer in seiner ruhigen Art.
„Eingriffe in diesem Bereich können nicht mehr ausgeglichen werden“, ist seine Ansicht. Und er wagt es sich nicht vorzustellen, was wäre, „wenn ich hier eine Wiese umackern würde“. Was ihm natürlich nie in den Sinn käme. Einst habe der Herr Heckhausen in seiner Funktion als Erster Landesbeamter beim Landratsamt Ludwigsburg hier den Landwirten die Schutzgebiete aufs Auge gedrückt, bei der EPS gelte das wohl alles nicht mehr (Rainer Heckhausen ist inzwischen als Leitender Regierungsdirektor bei der Rechtsabteilung im Regierungspräsidium Stuttgart mit Genehmigungsfragen befasst).
Setzer sieht die in den Feuchtwiesen wachsenden Orchideen in Gefahr, befürchtet, dass Brutstätten im Ufergehölz des Mühlkanals verschwinden und sieht den Bewuchs insgesamt in Gefahr. „Die Wurzeln der Bäume reichen weit in die nassen Wiesen und würden von der Leitung gekappt.“ Auch Gründe des Hochwasserschutzes hat der Landwirt, der seit 20 Jahren biologisch wirtschaftet, angeführt: „Die Metter müsste im Bereich Sersheim – Horrheim dreimal gequert werden.“ Und durch die Verdichtung des Untergrunds mit großen Baumaschinen werde im Stromberggebiet der Boden hart wie Beton: „Das mindert die Erträge.“ Und Setzer sieht zudem die Gefahr, dass Banken bei der Bewertung von tangierten Grundstücken nach Basel-2-Kriterien ein nicht einschätzbares Risiko eingehen.
Das grüne Licht für die Ethylen-Pipeline sieht der vierfache Vater noch lange nicht am Horizont. Ein bayerischer Bauer habe ihn dringend abgeraten zu verkaufen. Der Kollege habe verkauft und dann gemeint, „dass das, was da kaputtgemacht wird, mit Geld nicht auszugleichen ist“.
„Wenn das Gas schon so ungefährlich ist, wie es immer dargestellt wird, dann kann die Pipeline ja in die Straße gelegt werden“, meint Setzer, der grundsätzlich gegen die Trasse ist. „Der Bau sorgt doch nur dafür, dass noch mehr Plastikmüll produziert wird“, sagt er und zeigt als „Beweis“ auf eine Seite aus der VKZ vom 20. September („Die Meere ersticken im Plastikmüll“).Deshalb interessiert sich Siegfried Setzer auch nicht dafür, was es an Entschädigung gibt: „Ich will kein Geld, ich will die Leitung nicht.“ Da es in Baden-Württemberg keine Enteignungshandhabe gibt (die Pipeline ist ein „privates“ Vorhaben), rechnet sich der streitbare Landwirt durchaus Chancen aus, mit seinen Argumenten Erfolg zu haben.
