Vaihingen (vg) – Es gibt im Landkreis zahlreiche Bildungseinrichtungen, die aufgrund ihrer Arbeit und interessanten Projekte immer wieder positiv von sich reden machen. Daneben gibt es aber auch einige, die zwar ebenfalls Herausragendes leisten und sogar eine Vorreiterrolle spielen, dies jedoch in aller Stille und überwiegend unbemerkt von der Öffentlichkeit tun. Ein Beispiel dafür ist die Kooperation zweier Vaihinger Kindergärten.
So haben der städtische Kindergarten „Am Wolfsberg“ und der Schulkindergarten „Regenbogen“ der „Lebenshilfe für Menschen mit Behinderung Vaihingen-Mühlacker e.V.“ freilich unterschiedliche Träger, sie sind allerdings im gleichen Gebäude beheimatet. Während letzterer bereits vor 29 Jahren in Vaihingen gegründet wurde, zog der Regelkindergarten erst 1990 in die ehemalige Sonderschule im Tannenweg hinzu. Beide teilen sich seitdem nicht nur den großzügigen Eingangs- und Spielbereich, sondern beide sind nach dem Motto „Es ist normal, verschieden zu sein“ ausgesprochen engagiert in der wechselseitigen Integration von behinderten und nicht behinderten Kindern.
Denn während in anderen Regeleinrichtungen Kinder mit körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen immer noch die Ausnahme bilden und eine Einbindung in die normale Gruppe mit Hilfe von eigens zur Seite gestellten Integrationsfachkräften oft nur einseitig und ansatzweise gelingt, begegnet man sich hier im Kindergartenalltag partnerschaftlich und völlig ungezwungen.
Dies beginnt für Besucher mit dem barrierefreien Eintreten, das Berührungsängste abbaut, setzt sich für die Kinder im gemeinsamen Bällchenbad, auf der wöchentlichen „Bewegungsbaustelle“ oder bei angeleiteten Kleingruppenangeboten fort und macht selbstverständlich vor privaten gemeinschaftlichen Unternehmungen am Nachmittag ebenfalls nicht halt. Auch die Erzieherinnen tauschen sich bei Partnerprojekten und durch gegenseitige Hospitationen regelmäßig aus. Damit werden spezielle Integrationskonzepte überflüssig und Grenzen nicht nur räumlich, sondern auch im Kopf aufgehoben. „Hier muss niemand in eine Gruppe eingegliedert werden, sondern alle sind gleichberechtigt“, lobt deshalb Kindergartenfachberaterin Heidelinde Finkbeiner-Knapp, das Zusammenwirken beider Institutionen.
Ein nachahmenswertes Konzept, wie die beiden Leiterinnen Anja Werkmeister und Nadine Weyand bestätigen, das im Landkreis Ludwigsburg noch die große Ausnahme darstellt, in Lebenshilfe-Kindergärten anderer Bundesländer durch Gruppenmischung mit Nichtbehinderten jedoch schon längst praktiziert wird und bei den Vaihinger Eltern ebenfalls sehr gut ankommt. So profitieren zum Beispiel die „Regenbogen“-Kinder sehr von der Vorbildfunktion ihrer „normalen“ Freunde und auch deren Eltern freuen sich über die regelmäßigen, gemeinsamen Treffen und Feste mit den „Wolfsberg“-Familien. Gerade nimmt ein Lebenshilfe-Schützling an den Vorschulaktivitäten des Regelkindergartens teil, was ihm ganz neue Perspektiven eröffnet, ohne allzu früh Leistungsdruck zu erzeugen. Denn es besteht jederzeit die Rückzugsmöglichkeit in den Schutz der beiden Kleingruppen, wo der Personalschlüssel auf die besonderen Bedürfnisse der insgesamt 16 Kinder ausgelegt ist und so beste Bedingungen für deren ganzheitliche Förderung bietet.
Aber auch die andere Seite gewinnt durch die beständigen Kontakte und diejenigen, die sich bei freier Kindergartenwahl eigens für die Einrichtung im Tannenweg 25 entscheiden, tun dies sehr bewusst, um ihrem Nachwuchs einen ungezwungenen Umgang mit Kameraden, die anders sind, zu ermöglichen. So ist der wöchentliche „Tauschtag“ sehr beliebt, wo sich einzelne Kinder aus den verschiedenen Gruppen im Freispiel oder beim gemeinsamen Basteln, Musizieren und Spielen treffen. Hierbei lernen sie auf ganz natürliche Weise soziale Kompetenz wie Rücksichtnahme, Hilfsbereitschaft, Toleranz oder klare Artikulation.
Ein sichtbares Ergebnis dieser fruchtbaren Kooperation stellt nun eine Sammlung von Kinder-Kunstwerken beider Einrichtungen dar, die am Samstag (11. Oktober) von 10.30 bis 14.30 Uhr in der Vaihinger Peterskirche unter dem Motto „Gemeinsam kreativ“ gezeigt wird. Ein Jahr lang haben die jungen Künstler dabei passend zu den Bildungsfeldern des Orientierungsplans verschiedenste Werke geschaffen, die sie nun zum vierzigjährigen Jubiläum des „Lebenshilfe“-Vereins der Öffentlichkeit präsentieren und zum Kauf anbieten.
