Donnerstag, 24. Mai 2012

Vogelschau in Illingen


Exotische Vögel in Illingen. Foto: Bögel
Exotische Vögel in Illingen. Foto: Bögel

Illingen (ub) – Einträchtig sitzt das Rosakakadu-Pärchen auf der Stange. Neugierig blicken sie aus der Voliere heraus. In ihrer australischen Heimat, aus der seit 60 Jahren keine Vögel mehr ausgeführt werden dürfen, hätten sie kein so beschauliches Leben. Hier gibt es Abschussprämien für diese Kakadus – „sie sind dort quasi Ungeziefer“, wie Frank Behre, Vorsitzender der Illinger Vogelfreunde weiß.
Bei der großen Vogelschau im Vereinsheim der Illinger Kleintierzüchter in der Wilhelmstraße wurden am Wochenende von den 15 aktiven Züchtern Vögel aus der ganzen Welt in dekorierten Volieren ausgestellt. 200 verschiedene Vögel in vielen bunten Farben präsentierten sich den Besuchern – und die „Südamerikaner“ noch dazu mit erhöhter Dezibelzahl. „Die können in keinem Haus gehalten werden. Da braucht die Voliere eine Lärmschutzwand oder muss im Außenbereich stehen“, sagt Behre.
Die Zahl der Züchter bei der Illinger Vereinigung für Artenschutz, Vogelhaltung und Vogelzucht hält sich in Grenzen. Kein Wunder, denn die Aufzucht und Haltung der Krummschnäbel – der Oberbegriff für Papageien und Großsittiche – ist mit viel Bürokratie verbunden. Ohne Zuchtgenehmigung gibt es keine Ringe, ohne Zuchtbuch, ein amtliches Dokument, fällt das Hobby in die Illegalität.
Bei der Schau in Illingen reihen sich die Schönheiten der Vogelwelt aneinander. Bei den „Australiern“ besticht der Pennantsittich durch sein dunkles Rot, der Rosakakadu mit seiner stoischen Gelassenheit. Die bekanntesten Vertreter der Vögel aus Australien sind die Wellensittiche, von denen es rund 600 Farbschläge gibt. Behre: „Die Wellensittiche sind schon eine Wissenschaft für sich.“ Die grünen und blauen Vertreter, die am Samstag und Sonntag in Illingen zu sehen sind, haben mit dem Ur-Wellensittich wenig gemein. Der original Wellensittich ist mit höchstens 15 Zentimetern Gesamtlänge eher klein und kann bis zu 4000 Euro kosten.
Der prächtige Chinasittich, ein Vertreter der „Asiaten“, sollte auf jeden Fall nicht in Holzvolieren gehalten werden. „Die macht er innerhalb kürzester Zeit klein. Er ist ein richtiger Holzvernichter“, sagt Vereinschef Behre. Der Chinasittich braucht viel Platz – und eine Metallvoliere.
Als typische Papageienart – plumper Körper, kurzer Schwanz – gelten die Schwarzköpfchen aus Afrika. Sie sind auch die „Unzertrennlichen“, denn sie suchen die Nähe zueinander. Behre: „Die sind ständig am gegenseitigen Kraulen.“
Einige Schritte weiter präsentieren sich bei der Gerhard Hutzler Gedächtnis-Schau (Erinnerung an den langjährigen Ausstellungsleiter, der überraschend Anfang des Jahres verstorben ist) „absolute“ Raritäten: Goldbugpapageien oder die Rüppells-Papageien. Der bekannteste „Afrikaner“ dürfte der Graupapagei sein, der als besonders sprachbegabt gilt. Behre: „Da muss man aber schon viel Zeit investieren.“
Die lautesten Vertreter der exotischen Vögel sind die „Südamerikaner“. Mit ihrem bunten Gefieder sind sie aber ein wahrer Augenschmaus: die Rotmaskensittiche oder die Sonnensittiche, die Grünzügelpapageien oder die Rostkappenpapageien.
Und was fressen diese Krummschnäbel? Behre: „Da muss der Züchter einfach durchprobieren.“ Die einen bevorzugen neben den Körnern Gurken, die anderen Feuerdorn oder den vitaminreichen Holunder. Behre: „Das ist allemal besser als irendwelche Vitamindrinks.“


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