Horrheim (ub) – Tagsüber trocken, nachts kühl – die optimale Kombination für fruchtig-frische Weine. Die Vertreter der acht Weingüter und drei Genossenschaften, die im Arbeitskreis Vaihinger Weinbaubetriebe zusammengeschlossen sind, sind mit dem neuen Jahrgang zufrieden. Allerdings drohen weniger Erträge und Mehrausgaben durch gestiegene Energie- und Glaskosten. Diese Aufschläge können allerdings kaum an die Verbraucher weiter gegeben werden.
Die Vegetation war 2008 für einen edlen Tropfen viel versprechend: guter Austrieb, hervorragende Blütezeit, wunderbares Wachstum. „Im Juni war schon die Rede von einem Jahrhundertwein, doch dann hat uns einfach der Spätsommer gefehlt“, so die Analyse von Andrea Zimmermann vom gleichnamigen Weingut in Roßwag.
Mit der Lese haben mittlerweile alle Wengerter im Stromberg und Enztal begonnen. Beim Weingut Sonnenhof in Gündelbach war am 22. September Start. „Bis Dienstag hatten wir schon 20 Prozent unserer Fläche durch“, sagt Albrecht Fischer, auch Vorsitzender des Weinbaubezirks Stromberg-Enztal. Und die Mostgewichte beim zweitgrößten Privatgut in Württemberg von den bisher neun gelesenen Sorten hören sich beachtlich an: Acolon 88 Grad Oechsle, Müller-Thurgau 85 Grad, die Vorlese beim Riesling 77 bis 82 Grad, Grauburgunder 88 Grad, Samtrot 90 Grad, Schwarzriesling 86 bis 91 Grad. Ab dem 15. September registrierten die Sonnenhof-Wengerter trotz der kühlen Temperaturen einen „erstaunlichen Qualitätszuwachs“.
Ulrich Allmendinger von der Genossenschaftskellerei Roßwag-Mühlhausen erwartet für 2008 ähnliche Oechslegrade wie 2007. „Von der Traubenqualität gibt es aber schöne, fruchtige Weine.“ Alfred Weiberle von den Horrheimer Weingärtnern meldet beim Schwarzriesling 83 Grad Oechsle, bei der Spätburgunder Vorlese 88 Grad. Dornfelder und Portugieser seien bereits komplett gelesen. Weiberle: „Ende der nächsten Woche fangen wir mit dem Trollinger an, der Lemberger ist aber noch kein Thema.“ Auch Dieter Faigle vom gleichnamigen Horrheimer Weingut will mit den Frühgewächsen in dieser Woche noch fertig werden. Die Lese des Gewürztraminers am Dienstag brachte 91 Grad Oechsle (der Stadtwein vom Lehrpfad hatte in der letzten Woche übrigens 81 Grad).
Ulrich Eißler vom Weingut Steinbachhof in Gündelbach stellt eine deutlich weitere Reifeentwicklung bei seinen Lagen im Enztal bei Mühlhausen fest. „Da ist der Stromberg noch weit entfernt.“
Doch neben der Witterung müssen die Weingärtner noch andere Faktoren berücksichtigen. So machen vor allem im Stromberg in diesem Jahr die Stare zu schaffen – Bezirksvorsitzender Albrecht Fischer: „Sie sind in diesem Jahr aggressiver als im Vorjahr.“ Auch schlagen Preissteigerungen zu Buche. Martin Fischer: „Beim Glas ist von rund 25 Prozent im nächsten Jahr die Rede.“ So werde der Sonnenhof punktuell seine Produkte teurer machen müssen.
Von einem „härter werdenden Weinmarkt“ spricht auch Ulrich Allmendinger, Vorstandsvorsitzender der Genossenschaftskellerei in Roßwag. „Im bestehenden Segment sind aber keine Preiserhöhungen machbar.“ Die moderaten Erhöhungen der örtlichen Wengerter macht Dieter Faigle deutlich: Vor der Umstellung auf Euro habe eine bestimmte Flasche Wein bei ihm 7,90 Mark gekostet, heute verlange er für das gleiche Produkt 4,90 Euro.
Kritik übte Allmendinger beim Pressegespräch des Arbeitskreises Vaihinger Weinbaubetriebe am Dienstagabend in der Probierstube des Horrheimer Weinmuseums an den Plagiatabfüllungen. So kaufen bestimmte Kellereien aus Großlagen wie dem Stromberg dazu und bringen den Wein dann beispielsweise als „Roßwager Stromberg“ auf den Markt. Der Preis: weit unter drei Euro. Allmendinger: „Dass diese Weine dann auch noch bei uns im Vaihinger Gebiet erhältlich sind, ist ein Schlag ins Gesicht der Wengerter.“
