Erfahrungspotenzial der Älteren wird geschätzt
Hochdorf (ub) – Die Zahlen der Arbeitsagentur sind glänzend. Im Bereich Vaihingen ging die Zahl der Arbeitslosen deutlich unter die Drei-Prozent-Marke. Betrachtet man aber die Bilanz im Detail, gibt es auch Schattenseiten in der Statistik. So sind beispielsweise 23,5 Prozent der Arbeitslosen in Vaihingen 50 Jahre und älter.
Bei der Firma Schober in Hochdorf, Werkzeug- und Maschinenbau, setzt das Management dagegen bewusst auf die Erfahrung der älteren Arbeitnehmer.
„Wir haben noch nie eine aggressive Mitarbeiterpolitik verfolgt und gesagt, alle über 56 müssen raus“, sagt in einem VKZ-Gespräch Klaus Wittmaier, der zusammen mit Bettina Schober geschäftsführender Gesellschafter des 1949 gegründeten Unternehmens mit Hauptsitz in Hochdorf ist. Thema Frühverrentung – „diese Politik ist Schober nie gefahren.“
Von den 130 Mitarbeitern, die in der Industriestraße beschäftigt sind, sind 31 Prozent zwischen 50 und 65 Jahre. Dabei macht der Anteil der 55- bis 65-Jährigen gar 21 Prozent aus. Parallel dazu setzt Schober, weltweit agierender Spezialist für die Entwicklung und Herstellung von rotativen Präzisionswerkzeugen, Einbauaggregaten und Spezialmaschinen, auf die konsequente Ausbildung. Wittmaier: „Fünf bis zehn Prozent unserer Belegschaft sind im Schnitt Auszubildende.“
Die älteren Mitarbeiter verfügen über ein hohes Erfahrungspotenzial, das den Großteil der Mehrkosten für das Unternehmen aufwiege, so die Philosophie der Hochdorfer Firma, die eine Exportquote von 70 Prozent hat und einen Jahresumsatz von 20 Millionen Euro erwirtschaftet. Wittmaier: „Vor einigen Jahren haben wir noch Leute im Alter zwischen 52 und 55 Jahren eingestellt. Das haben andere Unternehmen schon längst nicht mehr gemacht“, beschreibt der Geschäftsführer die weit blickende Personalpolitik. Dadurch unterscheide sich der Mittelstand von den Großunternehmen. „Uns war schon vor Jahren klar, dass der Fachkräftemangel auf uns zukommen wird.“
Wirken sich ältere Mitarbeiter negativ auf die Bilanz der Krankheitstage aus? Das Schober-Management winkt ab: „Im Prinzip sind ältere Arbeitnehmer nicht öfter krank als junge Mitarbeiter. Zwar werden von den über 50-Jährigen mehr Kuren in Anspruch genommen, dagegen erleiden die Jüngeren eher Sport- oder Skiunfälle.“ Und: „Ein älterer Mitarbeiter geht auch mit seinem Zipperle ins Geschäft.“
Derzeit besteht bei dem Hochdorfer Unternehmen, das noch eine Tochterfirma in den USA hat, kein zusätzlicher Personalbedarf. So werden Mitarbeiter, die altersbedingt ausscheiden von Personen, die von der hauseigenen Ausbildung kommen, ersetzt. Wittmaier: „Da haben wir aber noch die Vorhaltezeit eingebaut.“ So wird für den Know-how-Übergang eine Zeitspanne von vier bis fünf Jahren einkalkuliert.
Schober setzt dabei auf eine überschaubare und langfristige Personalpolitik. „Wir drücken nicht wie bei der Großindustrie die Leute mit 56 raus.“ Das mache kein verantwortungsbewusster Mittelständler.
