Donnerstag, 24. Mai 2012

Einschnitte durch geplanten Stellenabbau bei der Polizei


Auch im Vaihinger Revier wird es Einschnitte geben. Foto: Elsässer
Auch im Vaihinger Revier wird es Einschnitte geben. Foto: Elsässer

Ludwigsburg/Vaihingen (elf) – Mit Sorge betrachten die Beschäftigten innerhalb der Polizeidirektion Ludwigsburg die Pläne der Landesregierung, von 2008 an 613 Stellen im Vollzugsdienst zu streichen. Auch Beamte des Vaihinger Polizeireviers haben am Donnerstag auf dem Schlossplatz in Stuttgart gegen den drohenden Stellenabbau demonstriert.

Rund 850 Polizeibeamte (Schutzpolizei und Kriminalpolizei) arbeiten im Bereich der Polizeidirektion Ludwigsburg im Vollzugsdienst. Wie sich der geplante Stellenabbau auf die PD auswirken wird, steht derzeit noch in den Sternen. „Wir werden unseren Teil dazu beitragen müssen“, sagt Polizeipressesprecher Rainer Daffner. Zwar würden noch keine konkreten Zahlen vorliegen, doch auch bei den Revieren innerhalb der PD Ludwigsburg werde es zu Einsparungen beim Personal kommen. Wie sich der Stellenabbau letztlich bei den Revieren auswirkt, müsse „mit dem Führungszirkel“ besprochen werden. Es sei dann sicherlich vonnöten, einige Kräfte nach Bedarf umzuverteilen. Es werden aber nicht nur die sieben Polizeireviere (Bietigheim-Bissingen, Ditzingen, Kornwestheim, Ludwigsburg, Marbach, Vaihingen und das Autobahnpolizeirevier Ditzingen) betroffen sein, sondern auch die Kriminalpolizei, die Hundestaffel und die Verkehrspolizei.

Frank Rebholz, Leiter der Polizeidirektion Ludwigsburg, vermisst die Einsicht der Landesregierung, dass der personelle Einschnitt auch direkte Konsequenzen in der Polizeiarbeit hat. Der Bekämpfung von Straftaten werde man zwar weiterhin nachkommen. Doch stelle sich unweigerlich die Frage, was die Polizei künftig nicht mehr leisten kann. So werde es im Bereich der Prävention zu Einschnitten kommen. Fußstreifen durch Grünanlagen werde es eventuell genauso nicht mehr geben wie den Transport eines verletzten Schwans ins Tierheim. „Der Bürger wird das zu spüren bekommen“, bedauert Rebholz. Bereits jetzt hätten viele Anrufer lange Wartezeiten zu erdulden, wenn sie eine Polizeistreife anfordern. „Wir bedauern dies“, sagt Rebholz, „denn der Bürger hat einen Anspruch darauf.“

Trotz zu erwartenden Stellenabbaus sei der Aufgabenbereich der Polizei größer geworden. Internetkriminalität, Islamismus, zunehmende Einwohnerzahl – „das darf keinen Abzug der Kräfte mit sich bringen“, sagt der Leitende Polizeidirektor. Bereits jetzt stünde die Polizei im Landkreis an der Grenze der Leistungsfähigkeit. Durch Krankheit, Fortbildung und Mutterschutz hätten beispielsweise im August 12,5 Prozent der Kräfte gefehlt. Im laufenden Oktober seien es über 15 Prozent. Bei dem geplanten Stellenabbau in 2008 würden bis zu 20 Prozent der Sollstärke fehlen. „Dann sind auch unsere interne Steuerungsmöglichkeiten ausgereizt“, weiß Rebholz. Ein weiteres Problem, mit dem der Polizeichef zu kämpfen hat: Bis heute weiß er noch nicht, wie viele Stellen im Landkreis Ludwigsburg abgebaut werden sollen. Gespräche diesbezüglich werde es Anfang/Mitte November geben. Erst dann könne der Stellenabbau innerhalb der Polizeidirektion Ludwigsburg mit den Revierleiter abgestimmt werden.

Klar, dass auch Gerd Esenwein, Leiter des Polizeireviers Vaihingen, noch keine Zahlen vorliegen. Der gegenwärtige Zustand: Rund 70 Einsatzkräfte, davon 13 Beamtinnen, der Schutzpolizei arbeiten im Vaihinger Revier in fünf Dienstgruppen im Drei-Schicht-System. Mit den geplanten Stellenstreichungen verschlechtere sich die Situation in Vaihingen dramatisch, so Esenwein. Aufgrund von Krankheit und dergleichen würden ihm momentan zehn Kräfte fehlen.

Esenwein selbst steht dem Revier noch genau ein Jahr zur Verfügung. Ende Oktober 2008 wird er mit 60 Jahren in den Ruhestand gehen. So viel scheint derzeit klar zu sein: Esenweins Stelle wird wohl nicht abgebaut werden können…


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