Donnerstag, 24. Mai 2012

5. Vaihinger Wirtschaftsgespräch


Die Besucher des Vaihinger Wirtschaftsgesprächs.Foto: Bögel
Die Besucher des Vaihinger Wirtschaftsgesprächs.Foto: Bögel

Vaihingen (ub) – „Wir unterstreichen die Verbundenheit der Verwaltung zu den Unternehmen“, sagt Oberbürgermeister Gerd Maisch. Knapp 70 Vertreter von Firmen, Banken und Behörden kamen am Donnerstagabend auf Einladung der Stadt Vaihingen zum fünften Wirtschaftsgespräch. Und mit der Firma Burkhardt im Gewerbegebiet „perfekter Standort“ war der Veranstaltungsort nicht zufällig gewählt: In dem Areal wird der Aufschwung sichtbar.
„Es gibt bei uns vermehrt Nachfragen nach gewerblichen Grundstücken. Das ist eine gute Situation für uns alle“, so Maisch. Vor den einheimischen Unternehmern berichtete Maisch nicht nur von dem anstehenden Verkauf von neun Hektar Fläche auf dem „perfekten Standort“ (die VKZ berichtete), sondern auch von einem Grundstücksverkauf in Horrheim. „Es ist wichtig, Arbeitsplätze in die Stadt zu holen, damit die Wohnattraktivität bestehen bleibt.“
Allerdings, so der Vaihinger OB beim Wirtschaftsgespräch, wirke sich die konjunkturelle Lage noch nicht auf das Gewerbesteueraufkommen der Stadt aus. 2005 flossen 8,5 Millionen Euro in die Kasse, 2006 waren es nur 6,7 Millionen und für 2007 wird mit 7,6 Millionen Euro gerechnet. Maisch: „Auch für 2008 werden wir vorsichtig rechnen.“
Wie sich ein Unternehmen erfolgreich am Markt behaupten kann, demonstrierte Bernd Burkhardt, Geschäftsführer des gleichnamigen Unternehmens. 1972 in Ensingen gegründet, produziert die Firma heute mit knapp 300 Mitarbeitern auf 12400 Quadratmetern Kunststoffspritzgussteile und Systembaugruppen. Allein im Sogenring auf dem „perfekten Standort“ belegt das Unternehmen, dessen Kunden unter anderen Alcatel, Behr, Bosch, Magna, Siemens VDO sind, 9000 Quadratmeter Fläche. Die 52 Spritzgießmaschinen erstellen beispielsweise Frontblenden für Klimaanlagen in Personenwagen.
Und wie können sich die Unternehmen weiter am Standort Deutschland halten und entwickeln? Um diese Frage zu beantworten, wurde beim fünften Vaihinger Wirtschaftsgespräch ein Fachmann eingeladen. „Nur Innovationen schaffen Wert und ermöglichen nachhaltiges Wachstum. Entscheidend ist die Umsetzung der Ideen in erfolgreiche Produkte und Dienstleistungen“, sagte am Donnerstagabend Prof. Dr. Peter Kern vom Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation in Stuttgart. Die wichtigste Voraussetzung für die Standortsicherung in Deutschland seien qualifizierte Fachkräfte. „Deutschland ist nur als kreative, innovative Gesellschaft überlebensfähig.“
Zwar gehöre Baden-Württemberg zu den innovativsten EU-Regionen (gefolgt von Berlin, Ile de France, Schweden und Bayern), aber trotz dieses Spitzen-Niveaus fehle die Dynamik. Eine Voraussetzung für mehr Innovation seien die Finanzmittel. 50 Milliarden Euro gibt die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr für Forschung und Entwicklung aus. Deutlich bescheidener, so Kern, seien die Ausgaben auf diesem Sektor beim Bund. Nur rund 2,5 Prozent des Bruttoinlandproduktes fließen als Ausgaben in die Forschung und Entwicklung; die Schweiz, die USA, Japan, Finnland und Schweden geben da deutlich mehr Geld aus.
Ganz wichtig für Kern, studierter Maschinenbauer, sind aber qualifizierte Menschen für das Erreichen von mehr Innovation. Nach den Berechnungen des Fraunhofer Instituts stehen nur zwölf Prozent der Einwohner als hochqualifizierte Wissensarbeiter zur Verfügung. Kern: „Das ist deutlich zu wenig.“ Ein Grund dafür sei die mangelnde Anziehungskraft technischer Studiengänge: Mathematik, Natur- und Ingenieurwissenschaften bilden nur rund ein Drittel der Studierenden. Kern in Vaihingen: „Wir brauchen in Deutschland deutlich mehr Ingenieure. Dafür müssen wir massiv werben.“
Eine Voraussetzung für mehr Innovation sei auch die Unternehmenskultur und die Begeisterung. Die Fraunhofer Gesellschaft hat beispielsweise ermittelt, wo Ideen eigentlich entstehen. Innerhalb der Firma liegt das kreative Potenzial nur bei 24 Prozent, bei Meetings und am Arbeitsplatz entstehen wohl nicht die leuchtenden Einfälle. Ganz anders außerhalb des Unternehmens: Zuhause, in der Natur, in den Ferien und bei Reisen entwickeln die Mitarbeiter innovative Gedanken.
Voraussetzung für mehr Innovation sei auch ein bisher vernachlässigter Aspekt: die Qualität der Arbeit. Hier die wichtigsten Aspekte guter Arbeit aus der Sicht von Beschäftigten in Büroberufen: verlässliches Einkommen, Sicherheit des Arbeitsplatzes, unbefristetes Arbeitsverhältnis, Behandlung „als Mensch“ durch Vorgesetzte, Arbeit soll als sinnvoll empfunden werden, auf Arbeit stolz sein können, verantwortungsvolle Arbeitsaufgaben, Vorgesetzte vermitteln Lob und Anerkennung, Weiterqualifizierungsmaßnahmen, Mitspracherechte bezüglich Arbeitsplatz.


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