Donnerstag, 24. Mai 2012

Ballettzauber in der Stadthalle






Ballettspektakel in der Stadthalle. Foto: Lämmle
Ballettspektakel in der Stadthalle. Foto: Lämmle

Vaihingen (pcn) - Die englische Queen bezeichnet die königliche Familie bekanntermaßen gerne als „die Firma“. Wenn in der Dance School Stuttgart/Vaihingen eine Aufführung ansteht, wird aus dem Unternehmen ein eingespielter Familienbetrieb, in dem Groß und Klein, Alt und Jung in der Schneiderei, der Requisite, der Bühnenwerkstatt und bei der Technik tatkräftig mithelfen.
 Seit vielen Jahren kann die Leiterin der Ballettschule, Lia Nagy, hier auf ein bewährtes Team, darunter viele „Ehemalige“, deren Kinder nun zur Schülerschaft zählen, und die Unterstützung des Fördervereins für Kinder- und Jugendtanz, zurückgreifen. Vom Ergebnis dieses Zusammenspiels, aber auch der Vielfalt und der Qualität des Unterrichtsangebots konnte sich das Publikum am Samstag in der Vaihinger Stadthalle überzeugen.
In einer Ballettgala waren 150 Tänzerinnen und Tänzer der Dance School Stuttgart/Vaihingen in insgesamt 284 Rollen zu sehen. Im ersten Teil des Abends standen klassische Choreographien sowie Charaktertänze aus traditionellen Balletten wie „Der Nussknacker“ und „Schwanensee“ im Mittelpunkt. Nach dem farbenfrohen Blumenwalzer hielten unter anderem stolze Spanierinnen, feurige Ungarinnen und bunt gewandete Italienerinnen vor einem professionell gestalteten Bühnenbild Einzug. Zuckersüß wirbelten die Jüngsten als Schneeflöckchen über die Bühne, dass den Zuschauern bei dieser Winterimpression warm ums Herz wurde. Wiener Schmäh und einen Touch von K. u. K. verströmten die Akteure der zackigen Feuerwehrpolka, die – ebenso wie eine humoristische Akrobatikeinlage der Buben-Klasse – viel Beifall erntete.
Als Höhepunkt des ersten Akts präsentierte Lia Nagy ihren fortgeschrittenen Ballerinen-Nachwuchs in einem Ausschnitt der Oper „Lakmé“, die hierzulande kaum aufgeführt wird, in Frankreich aber selbstverständlich zum Repertoire großer Bühnen gehört. Anmutige Tempeltänzerinnen, die der sechsarmigen Shiva huldigten, ließen an der Seite göttlicher Solisten (Jana Surjadi, Lars Baumgärtner, Rebekka Rauschopf) eine poetische Szene entstehen, bei der die Jugendlichen ein hohes tänzerisches Niveau unter Beweis stellten.
Dass die Dance School Kindern und Jugendlichen ermöglicht, über das klassische Ballett hinaus eine Vielzahl an Tanzstilen kennen zu lernen und auszuprobieren, wurde im zweiten und dritten Teil der Gala deutlich. Hier zeigten die Kinder und Jugendlichen, was sie in den Ergänzungsfächern der Ballettschule – Musical, Stepp und Hip-Hop – gelernt haben. „Let me entertain you“ war das Motto des Musical-Blocks, in dem die Tanzschülerinnen mit vielseitigen Choreographien von Tressa Rose Schreiber mittels vollem Körper- und Stimmeinsatz Broadway-Atmosphäre in der Stadthalle aufkommen ließen.
Unter der Leitung von Mariangela Rizov zollten die jungen Tänzerinnen und Tänzer gekonnt „Tribute to Michael Jackson“. Rhythmus und 10000 Volt Temperament in den klackernden Sohlen, ließen es überdies Melanie Osters Stepptanz-Klassen auf der Bühne buchstäblich „richtig krachen“. In Kooperation mit der Musik-Schule Slapstick entstand bei „Taps and Drums“ ein Funken sprühendes Duett von Georgie Hockers Percussion-Besetzung und den Stepptänzerinnen aus dem Hause Nagy.
Das Finale war indes der Ballettchefin höchstpersönlich gewidmet. Mit der Bearbeitung des Queen-Songs, der kurzerhand zu „she will rock you“ umgedichtet worden war, nahmen die Akteure des Abends Lia Nagys mütterliche Strenge liebevoll aufs Korn. Denn am Ende bestätigte der tosende Applaus der Zuschauer wieder einmal, dass sich schweißtreibende Trainingseinheiten, stundenlange Proben und der enorme organisatorische Aufwand im Vorfeld der Aufführung für alle wieder gelohnt haben.


Seitenanfang