Großsachsenheim (elf) – Einen großen Bahnhof hat es gegeben, als Anfang Mai 2007 die Biogasanlage in Großsachsenheim im Betrieb genommen wurde. Jetzt soll die Anlage erweitert werden – mit Rückendeckung des Umweltministeriums. Allein im Gemeinderat stoßen die Erweiterungswünsche nicht auf Gegenliebe.
„Diese Konzeption hat Vorbildcharakter“, sang Ministerpräsident Günther Oettinger vor zweieinhalb Jahren bei der Einweihung der Biogasanlage Großsachsenheim ein Loblied auf den Ausbau der erneuerbaren Energien. Jetzt wollen die Betreiber die elektrische Leistung der Anlage um 1,5 auf zwei Megawatt erweitern. Allerdings stehen die Chancen für das Vorhaben äußerst schlecht. Der Technische Ausschuss des Sachsenheimer Gemeinderats hat bereits in nichtöffentlicher Sitzung den Stadträten empfohlen, den Antrag abzulehnen. Städtebauliche Gründe wurden angeführt, da die geplante Großanlage zu nah an der bestehenden und der geplanten Großsachsenheimer Wohnbebauung stehen würde. Gestern Abend stimmte der Gemeinderat darüber ab – das Ergebnis lag bei Redaktionsschluss noch nicht vor.
„Da spielt der Faktor Neid mit“, sagt Armin Schmid, Geschäftsführer der Bioenergie Oberriexingen GmbH & Co. KG. Die städtebauliche Argumentation der Stadträte könne er nicht nachvollziehen. Mit Beschwerden über Geruchsbelästigungen könne die Haltung der Kommunalpolitiker ebenso wenig begründet werden. Schließlich würden alle zulässigen Werte eingehalten, außerdem gebe es in unmittelbarer Nähe „andere Emmissionsquellen“ als die Biogasanlage. Schmid vermutet, dass bei der Entscheidung persönliche Interessen einzelner Ratsmitglieder im Vordergrund stehen. Immerhin habe die Stadtverwaltung den Beschlussvorschlag für das Sechs-Millionen-Projekt positiv formuliert.
„70 Prozent der Großsachsenheimer Bevölkerung steht hinter der Erweiterung“, vermutet Armin Schmid. Nicht eine einzige negative Stimme habe es gegeben, als die Betreibergesellschaft bei Anliegern nachgefragt hat, ob sie sich durch den Betrieb der Biogasanlage belästigt fühlen.
Eine Erweiterung der Anlage macht für Armin Schmid gleich in doppelter Hinsicht Sinn. Die Stadtwerke Bietigheim-Bissingen verwertet die Bioenergie aus Großsachsenheim in ihrem Blockheizkraftwerk in den Kreuzäckern. Künftig soll auch das Wohngebiet Buch mit Biogas aus der Großsachsenheimer Anlage beheizt werden. Ein weiterer Grund liege in der Landwirtschaft. Die Preise für Getreide sind im Keller, die Zuckerrübenernte war ebenso wie die Braugerstenernte in Qualität und Quantität hervorragend. Das hat zur Folge, dass hier der Anbau zurückgefahren werden kann, weil die Abnehmer ausreichend versorgt sind. „Was sollen die Landwirte jetzt noch mit ihren Flächen anstellen?“, fragt Schmid. Da sei es eine willkommene Alternative, die Biogasanlage mit entsprechendem Material zu beliefern.
Sollte der Sachsenheimer Gemeinderat seine Zustimmung gestern Abend nicht gegeben haben, werde die Betreibergesellschaft die Investition nach Bietigheim – 500 Meter vom jetzigen Standort entfernt – verlegen. Über das Abstimmungsergebnis gestern Abend im Sachsenheimer Gemeinderat berichten wir in unserer nächsten Ausgabe.
Keine Probleme gibt es mit dem Betrieb der Vaihinger Biogasanlage im Stadtteil Ensingen. Sie liefert 370 Kilowatt in der Stunde. Eine Erweiterung der Anlage, die im Oktober 2007 in Betrieb ging, ist nicht geplant. Die Betreiber sind Thomas Dillmann, Frank Wilhelm und Rainer Herold.
Nach anfänglichen Beschwerden über Geruchsbelästigungen und zunehmenden Verkehr genießt auch die Biogasanlage in Nussdorf Akzeptanz bei der Bevölkerung. Die Anlage, die im April 2006 in Betrieb genommen wurde und 500 Kilowatt in der Stunden liefert, wird von Horst Dertinger und Robert Bauz betrieben.
