Donnerstag, 24. Mai 2012

Arbeitgeberpreis fürs Lichtenstern-Gymnasium






Freude über den Bildungspreis. Foto: Arning
Freude über den Bildungspreis. Foto: Arning

Sachsenheim (aa). Party im Lichtenstern-Gymnasium von Großsachsenheim. Da dröhnt am Mittwochvormittag „Hush“ von Deep Purple durch die Aula. Die Schulband Deep Six beweist per Song, dass sie Rock’n’Roll liebt. Und die Schüler tanzen mit den Lehrern. „Das hat es zu meiner Zeit nicht gegeben“, wundert sich SWR-Mann Matthias Holtmann am Mikrofon. Doch am Lichtenstern-Gymnasium ist an diesem Mittwoch alles anders.
Grund für die ausgelassene Feier ist die Verleihung des deutschen Arbeitgeberpreises für Bildung 2009, der mit immerhin 10000 Euro dotiert ist und in den Bereichen Schule, Berufsschule und Hochschule vergeben wird. Schulleiter Reinhart Gronbach und Nadine Ilschner aus der Klasse 12 nahmen die Auszeichnung für die Kategorie Schule am Dienstag im Rahmen der Arbeitgebertagung in Berlin entgegen. In der Hauptstadt wurde das Gymnasium als „Leuchtturm der Bildungslandschaft“ dargestellt. Am Tag drauf sollte natürlich die ganze Schule etwas davon haben. Deshalb war Party angesagt.
„Ökonomische Bildung ist unverzichtbarer Teil der Allgemeinbildung“, sagt Dr. Gerhard Braun, BDA-Vizepräsident (BDA = Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände). „Junge Menschen brauchen wirtschaftliche Kompetenzen, um sich innerhalb unseres Wirtschaftssystems zu bewegen. Und Unternehmen bilden ein spannendes Arbeitsumfeld.“
Unter einer großen Anzahl von Bewerbungen hat das Lichtenstern-Gymnasium deshalb den Preis gewonnen, weil es in Deutschland die einzige Schule ist, die ein eigenes Profilfach Ökonomie von der Klasse 5 bis zum Abitur anbietet, den Bildungsplan hierfür eigenständig entwickelt und diesen handlungsorientiert im Schulalltag verankert hat. Beachtung fand auch, dass die christliche Schule nicht nur ökonomisches Fachwissen facettenreich vermittelt, sondern sich auch wirtschaftsethischen Herausforderungen stellt, so dass unternehmerisches Handeln und gelebte Verantwortung erfahrbar werden.
Die Orientierungsstufe in den Klassen 5 und 6 geht von lebenspraktischen Beispielen aus, so werden Angebot und Nachfrage anhand eines Flohmarktes konkretisiert. Durch den ländlichen Raum Sachsenheims bedingt werden verstärkt agrarwirtschaftliche Themenstellungen behandelt. Das Fach widmet sich in der siebten Klasse (nach der Festlegung als dreistündiges Profilfach) dem Wirtschaftsstandort Sachsenheim mit seinen unterschiedlichen Facetten. Danach rückt die Industrialisierung des mittleren Neckarraumes in den Unterricht. Mit allen Siebtklässlern wird die Industrialisierung im wahrsten Wortsinne auf einer viertägigen erlebnispädagogischen Radltour „erfahren“.
„Betriebswirtschaftlicher geht es ab der achten Klasse zu, wo erworbenes Wissen in Schülerfirmenprojekten praktisch angewendet wird“, sagt Helmut Dinkel, stellvertretender Schulleiter und Fachlehrer Ökonomie. Dinkel: „Mit Ökonomie gelingt die Öffnung in das wirtschaftliche Umfeld. Besonders liegen uns hier frühe und kontinuierliche Einblicke in die Berufs- und Arbeitswelt für unsere Schüler am Herzen, um diesen ihren Neigungen und Leistungen entsprechend Orientierung für die Berufswahl mit auf den Weg zu geben.“ Unabdingbar sind dabei die Partner aus der Wirtschaft, die sich intensiv in der Schule einbringen (zum Beispiel Bund der Selbstständigen Sachsenheim, die Firmen Dürr, Hofmeister, Kumpf sowie Volksbanken und Kreissparkassen...) und dies nicht als Belastung empfinden. „Wir sehen da eher eine Win-win-Situation“, sagt die Vertreterin von Hofmeister. Der Kumpf-Seniorchef findet es toll, jungen Menschen einen Einblick geben zu können.
Der allgemeinen Hochstimmung kann sich auch Michael Sohn, pädagogischer Geschäftsführer der Schulstiftung, nicht entziehen. In Sachsenheim schaffe die Schule nicht nur Abschlüsse, sondern auch Anschlüsse. Durch Bildung gebe man Orientierung. Das kann zum Beispiel Nadine Ilschner, die mit in Berlin war, bestätigen: Sie hat beim Studientag in Tübingen erlebt, „dass wir viel von dem schon hatten, was dort als Lehrstoff vorgestellt wurde“.
Was geschieht mit dem Preisgeld? Da gibt es an der Schule durchaus Visionen. Zum Beispiel hätte man gerne Büros für Schülerfirmen oder auch Experimentierräume.
„Ihr seid die beste Schule Deutschlands!“, ruft Radiomann Matthias Holtmann den Schülern in der Aula zu. Als Beweis werden der Spendenscheck und die Urkunde in die Luft gehalten. Und da ist noch die Frage, wie das Lichtenstern-Gymnasium zur Ehre gekommen ist, einen so prominenten Moderator für die Feier zu gewinnen. Ganz einfach. Holtmanns Sohn besucht die Sachsenheimer Schule. Papa Holtmann war ganz einfach im ehrenamtlichen Eltern-Einsatz.


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