Vaihingen (ub). Die über 60 Zuhörer im Sitzungssaal des Vaihinger Rathauses mussten am Donnerstag bis kurz vor 20 Uhr warten: Die einen konnten zufrieden nach Hause gehen, die anderen schüttelten den Kopf. Letztendlich gab es an diesem Abend im Gemeinderat eine deutliche Mehrheit für die wohnortnahe Werkrealschule. 15 Stadträte und der OB stimmten für die vertikale Lösung, zehn dagegen.
Das Thema sorgte in den letzten Tagen für kommunalpolitischen Zündstoff: horizontal oder vertikal, diese Frage spaltete Eltern, Lehrer, Schüler und die gewählten Entscheidungsträger. Keinen Dissens gab es zwar über die Standorte der Stammschulen in Enzweihingen und Vaihingen, heftig diskutiert wurde aber darüber, wo die Klassen 5 bis 7 unterrichtet werden. Alle in der Außenstelle Kleinglattbach – so die horizontale Lösung oder jeweils in Vaihingen und Kleinglattbach – so die vertikale Lösung. Der von Krankheit reduzierte Gemeinderat sprach sich jetzt für das vertikale Modell aus und revidierte damit die Entscheidung des Sozial- und Kulturausschusses von Montagabend. Die vertikale Teilung am Schulstandort Enzweihingen (mit Außenstelle Hochdorf) passierte den Gemeinderat am Donnerstagabend einstimmig.
Im Vorfeld der Abstimmung machte der Vaihinger Oberbürgemeister Gerd Maisch noch einmal Werbung für den ursprünglichen Verwaltungsvorschlag und stellte auch einen dementsprechenden Änderungsantrag. „Aus meiner Sicht ist der Vorschlag des Sozial- und Kulturausschusses nicht die beste Lösung für die Einführung der Werkrealschule in unserer Stadt.“
Die Werkrealschule, eine Vorgabe des Landes, soll die Akzeptanz der Hauptschule erhöhen. Allein in den letzten sechs Jahren ist die Schülerzahl an den Hauptschulen in Vaihingen, Kleinglattbach und Enzweihingen um rund ein Drittel gesunken, obwohl die Gesamtschülerzahl zunahm. Die künftigen Werkrealschulen sollen mindestens zweizügig geführt werden, damit ab Klasse 8 verschiedene Wahlpflichtfächer angeboten werden können. Möglich ist es, dass bis Klasse 7 die Schule an unterschiedlichen Standorten geführt wird. Dieses vertikale Modell ist in dem Zusammenschluss zwischen der Enzweihinger und der Hochdorfer Schule unumstritten.
Die Schulkonferenzen der Schlossbergschule in Vaihingen und der Bartenbergschule in Kleinglattbach konnten sich nicht auf ein Modell einigen. Während die Kleinglattbacher das horizontale Modell (Unterricht der Klassen 5 bis 7 insgesamt in Kleinglattbach) favorisierten, setzte die Schlossbergschule auf die Aufteilung. Maisch: „Bei der von der Verwaltung vorgeschlagenen Variante mit zwei vertikal geteilten Werkrealschulen würde sich für 90 Prozent der bisherigen Hauptschüler am Schulort nicht ändern. Ich bin stolz darauf, dass wir angesichts der Veränderungen, die eine neue Schulart zwangsläufig mit sich bringt, eine solche Lösung möglich wäre.“ Bei der vom Sozial- und Kulturausschuss vorgeschlagenen Variante ändere sich für derzeit 84 Schüler der Klassenstufen 5 bis 7 in Vaihingen der Schulort. Auch werde die mögliche wohnortnahe Schule nicht genutzt. Dazu komme noch der Eigenanteil für den Bus auf mehr Eltern zu. OB Maisch: „Und ich gehe davon aus, dass etliche darunter sind, die mit jedem Euro rechnen müssen.“
In der Diskussion zeichnete sich eine Koalition aus Freien Wählern, FDP und Grünen für die vertikale Lösung und eine Koalition zwischen CDU und SPD für die horizontale Lösung ab. Eberhard Zucker (FW, Vaihingen): „Die horizontale Lösung bedeutet ohne Not eine Veränderung für die Schüler. Außerdem entstehen Kosten, die nicht notwendig sind.“ Helga Eberle (FDP, Aurich): „Ausschlaggebend für die vertikale Lösung ist, dass 80 Schüler nicht unnötigerweise zu Fahrschülern werden und dass es keine Wanderklassen gibt.“ Susanne Schwarz-Zeeb (Grüne, Vaihingen): „Es gibt genügend Gründe, die Vaihinger Schüler in Vaihingen zu lassen. Hier gibt es gewachsene Strukturen, die die Schüler auffangen können.“ Kurt Erhardt (Bürgerinitiative B10-Umgehung, Enzweihingen): „Es ist doch ideal für das Kind, wenn es am Wohnort unterrichtet werden kann.“
Eberhard Berg (SPD, Kleinglattbach): „Die horizontale Lösung ist besser für die Kinder, die Bildung und die Lehrer. Vor einem Jahr wären noch alle Schüler nach Kleinglattbach geschickt worden. Da spielten kurze Beine und die Raumaufteilung keine Rolle.“ Auch das Kultusministerium habe sich für die Parallelklassenlösung an einem Ort ausgesprochen. Er, Berg, sehe die Fahrerei nicht als dramatisch an. Werner Rohloff (SPD, Ensingen). „Die Zweizügigkeit an einem Standort ist die bessere Möglichkeit, sonst sind die Klassen in Kleinglattbach nur ein Anhängsel.“ Matthias Siewert (CDU, Kleinglattbach): „Wichtig ist ein guter pädagogischer Unterricht und nicht der Ort der Schule.“
Und was sagt OB Maisch zur empfohlenen Zweizügigkeit des Ministeriums: „Lassen Sie uns doch einmal renitent gegen das Land sein.“

