Nussdorf (ub). Nussdorf verfügt nicht nur über Bebauungsplangebiete, sondern hat auch im Innenbereich ein „maßgebliches Potenzial“ aktivierbarer Baumöglichkeiten. Zu diesem Fazit kommt das Architekturbüro Voegele und Gerhardt aus Karlsruhe, das jetzt eine Untersuchung zur städtebaulichen Entwicklung des Eberdinger Ortsteiles vorlegte.
Heute Abend diskutiert der Gemeinderat (19.30 Uhr im Eberdinger Rathaus) über die Untersuchung und berät das weitere Vorgehen. Erklärtes Ziel von Verwaltung und Gemeinderat ist es, den Flächenverbrauch zur Bereitstellung von Wohnraum zu senken und vorhandene innerörtliche Bauflächen besser zu nutzen. Wenn die Vorschläge in Nussdorf greifen, soll das Projekt auch auf die anderen Ortsteile ausgedehnt werden.
So ermittelten die Karlsruher Architekten die innerörtlichen Potenziale als „Flächenangebot für dorfgerechtes Wohnen und Arbeiten, Grundversorgung sowie Gemeinschaftseinrichtungen“. Um eine Bestandsaufnahme zu machen, wurden die Gemarkungsflächen und die Bevölkerungsprognose mit eingearbeitet.
So hat Nussdorf eine Siedlungsfläche von knapp 60 Hektar, dem gegenüber steht eine Gesamtfläche von 290 Hektar. In allen Ortsteilen zusammen beträgt die Siedlungsfläche 211 Hektar, die Gesamtfläche ist rund 2600 Hektar. Die Einwohnerzahl in Nussdorf (aktuell 1943) ist in den Jahren 2001 bis 2006 nahezu konstant geblieben; ab 2007 ist ein Rückgang von etwa vier Prozent zu verzeichnen. Im Gesamtort Eberdingen mit allen Ortsteilen war die Bevölkerungsentwicklung 2008 ebenfalls rückläufig.
Wenn die weitere Entwicklung entsprechend einer Modellrechnung eintritt, ist von einer Abnahme der Gesamtbevölkerungszahl Eberdingens in einer Größenordnung von acht Prozent auszugehen. Der Anteil der über 65-Jährigen wird um 6,3 Prozent steigen, während der Anteil der 18- bis 25-Jährigen um 0,4 Prozent sinkt.
Von 1998 bis 2008 sind in Nussdorf insgesamt 84 Baugenehmigungen für Wohnungen und Arbeitsstätten erteilt worden. Dabei wurden 86 neue Wohnungen auf insgesamt 12719 Quadratmetern geschaffen. Zudem entstand 9323 Quadratmeter Gewerbefläche. Bei einer Begehung Anfang dieses Jahres gab es 32 Baulücken in den Wohnbaugebieten. Im Ortskern befinden sich dazuhin acht leerstehende oder untergenutzte Gebäude.
In ihrer Untersuchung schlagen die Architekten folgende Maßnahmenschwerpunkte vor:
Ortseingang Iptinger Straße: Der östliche Ortseingang zeigt Mängel in Bezug auf die Bausubstanz, die Fassadengestaltung und hat keinen einladenden, repräsentativen Charakter. Es bestehen ebenso Einschränkungen in Bezug auf Besonnung, Belichtung und Belüftung in diesem Bereich. Für die weitere Entwicklung wird eine punktuelle Neuordnung zur Verbesserung der Wohnverhältnisse vorgeschlagen, eine Umnutzung von untergenutzten Nebengebäuden zu Wohnraum oder Abbruch und Neubebauung sowie die Schaffung eines attraktiven Ortseingangs durch Modernisierung der vorhandenen Bausubstanz.
Ortsmitte Pfalzstraße: Im Kreuzungsbereich von Martinstraße, Pfalzstraße und Vaihinger Straße – also in der unmittelbaren Ortsmitte von Nussdorf – fehlt es an Gestaltung und Aufenthaltsqualität. Hier bedarf es gestalterischer Maßnahmen für eine Stärkung des Ortskerns, auch in Bezug auf seine Unverwechselbarkeit. Entlang der Pfalzstraße stehen in zweiter Reihe viele ehemals landwirtschaftlich genutzte Nebengebäude, die sich häufig in schlechtem baulichen Zustand befinden und einer dringenden Umnutzung und Modernisierung bedürfen. Ebenso wäre in Bereichen – in denen die Bausubstanz für eine Modernisierung zu schlecht ist – eine Neuordnung mit anschließender Neubebauung an gleicher Stelle möglich, um die ortstypische Gebäudestruktur zu erhalten. Wo es zu Einschränkungen in Bezug auf Besonnung, Belichtung und Belüftung kommt, wird eine punktuelle Neuordnung vorgeschlagen.
Areal Sackgasse: Das Areal umfasst die Gebäude entlang der Schulstraße, der Kelterstraße, der Martinstraße und der Karlstraße. Hier besteht die Chance für eine neue bauliche Struktur durch umfassende Neuordnung, um die vorhandenen Mängel wie Einschränkungen in Bezug auf die Besonnung, Belichtung und Belüftung sowie die Gebäude mit schlechter Bausubstanz und die Mängel im Erschließungsbereich zu beseitigen. Ziel ist die Steigerung der Wohnqualität mit einer Gestaltung und Begrünung des Innenbereichs.
Areal östlich der Martinstraße: An dieser Stelle gilt es, die wichtigen ortsbildprägenden Gebäude und Gebäudestrukturen zu erhalten. Dies kann geschehen durch Maßnahmen zur Erneuerung der Gebäude und Fassaden in schlechtem Zustand, Neuordnungsmaßnahmen an den Stellen, an denen sich eine Modernisierung nicht mehr rechnet und es dringender Verbesserungen in der Wohnqualität bedarf. Chancen für eine neue bauliche Entwicklung bestehen im südlichen Bereich, an der Wittumstraße. Hier kann durch Neuordnung eine Fläche freigemacht werden für seniorengerechtes Wohnen, integriert in den Ortskern. Zu beachten ist die vorhandene kleinteilige Struktur in diesem Bereich. Durch diese Maßnahme kann auch die Wittumstraße durchgängig gestaltet werden, um so die neueren Wohngebiete mit dem Ortskern zu verbinden. Für die geplanten Maßnahmen existiert schon der Bebauungsplan „Nussdorf-Ortsmitte 4. Änderung“, der den Weg bereitet für eine Neuordnung und anschließende Neubebauung sowie die Verbindung der beiden Zweige der Wittumstraße.
