Vaihingen (ub). „Die Werkrealschulen sind das bessere Bildungsangebot. Deshalb wollen wir dies in Vaihingen zum frühest möglichen Zeitpunkt anbieten“, so Oberbürgermeister Gerd Maisch. Bis 15. Dezember müssen die entsprechenden Anträge beim Regierungspräsidium liegen, damit die neue Schulform im kommenden Sommer starten kann. Deshalb gab es am Montagabend eine Sondersitzung im Rathaus, am Donnerstag hat der Gemeinderat das letzte Wort.
Dichtes Gedränge im Sitzungssaal des Vaihinger Rathauses: Gleichzeitig tagten der Stadtteilausschuss, der Sozial- und Kulturausschuss, der Jugendgemeinderat und der Ortschaftsrat Enzweihingen. Dementsprechend umfangreich auch das Abstimmungsprozedere (siehe Info-Kasten), das dem Gemeinderat als Empfehlung vorgelegt wird. Vier schulische „Berater“ unterstützten dabei am Montagabend die Kommunalpolitiker in der Entscheidungsfindung: Gabriele Traub, die Leiterin des Staatlichen Schulamtes Ludwigsburg, Thomas Schmolck, Konrektor der Bartenbergschule Kleinglattbach, Kathrin Lang, Rektorin der Schlossbergschule Vaihingen, und Heinz Albrecht, Rektor der Grund-, Haupt- mit Werkrealschule Enzweihingen.
„Wir haben ewig diskutiert,
aber das ist klar die
bessere Lösung“
Konrektor Thomas Schmolck
Unumstritten ist dabei die Einführung der Werkrealschule. Auch die Standorte der Stammschulen – Enzweihingen und Vaihingen – ist kein Thema. Noch offen ist allerdings, ob es zwischen Vaihingen und Kleinglattbach zu der vertikalen oder horizontalen Teilung kommt. So favorisieren die Gremien der Schlossbergschule (wie auch Enzweihingen) sowie die Stadtverwaltung das vertikale Modell, bei dem die Schüler der Klassen 5 bis 7 jeweils in Kleinglattbach und Vaihingen unterrichtet werden, die Schüler der Klassen 8 bis 10 gemeinsam in Vaihingen. Die Bartenbergschule und der Ortschaftsrat Kleinglattbach verständigten sich dagegen auf das horizontale Modell, bei dem die Schüler der Klassen 5 bis 7 komplett in Kleinglattbach zur Schule gehen, die Klassenstufen 8 bis 10 in Vaihingen unterrichtet werden. „Wir haben ewig diskutiert, aber es ist klar die bessere Lösung“, sagte der kommissarische Schulleiter der Bartenbergschule, Thomas Schmolck, gegenüber der VKZ.
Im Vorfeld der Diskussion informierte Oberbürgermeister Gerd Maisch über die Entwicklung der neuen Werkrealschulen. Mit der derzeitigen Situation der einzügigen Hauptschule in Kleinglattbach, der einzügigen Hauptschule in Enzweihingen und der zweizügigen Hauptschule in Vaihingen könne keine der drei Schulen auf Dauer eine Werkrealschule sein, die mindestens zwei Klassen pro Jahrgangsstufe fordert. Als wichtigen Gesichtspunkt bei der Entscheidung über die vertikale oder horizontale Lösung führte Maisch die „möglichst kurzen Wege zur Schule“ an. Im Moment gibt es 400 Hauptschüler in Vaihingen und den Stadtteilen. Bei dem vertikalen Modell würde sich für 360 von 400 Schülern nichts ändern – Maisch: „Das ist ein sehr, sehr gutes Ergebnis.“ Ab der Klasse 8 würde sich für 40 Schüler der Schulstandort ändern, davon 20 aus Ensingen, Gündelbach und Horrheim, „die nur eine Station weiter nach Vaihingen fahren müssten“, und 20 aus Kleinglattbach. Bei der horizontalen Variante müssten nach Angaben der Verwaltung die 88 Schüler der Klassenstufen 5 bis 7 aus Vaihingen nach Kleinglattbach fahren.
Gabriele Traub vom Schulamt bezeichnete das horizontale oder vertikale Modell als „Abwägungsgeschichte“. Beim Kultusministerium werde das horizontale Modell gern gesehen, weil hier die Zweizügigkeit gewährleistet sei. Die vertikale Lösung mache insofern Sinn, weil die Schüler am Ort bleiben können. Während die Schulleiter Albrecht und Lang für die vertikale Lösung plädierten, weil hier die Schüler an ihrem Heimatort bleiben könnten, machte sich Konrektor Schmolck für das horizontale Modell stark. Die Frage der Fahrschüler sei dabei unbedeutend, zumal die meisten Realschüler und Gymnasiasten fahren müssten, ebenso die Hauptschüler ab Klasse 5 aus Ensingen, Horrheim, Gündelbach, Riet und Aurich. Außerdem sei das Busfahren als Erlebnis zu sehen, so ein Vertreter des Jugendgemeinderats. Auch Eberhard Berg (SPD, Kleinglattbach) wollte die „Fahrerei“ nicht überbewerten: „Das ist ein hochgezogenes Argument.“
Auf Nachfrage sicherte OB Maisch zu, dass sowohl das vertikale als auch das horizontale Modell zu keinen räumlichen Engpässen führen werde.
In der Diskussion bei der Sondersitzung wurde unterstrichen, dass das horizontale Modell den Vorteil hätte, dass die Schüler von Klasse 5 an bis Klasse 9 oder 10 gemeinsam „ihre“ Klasse besuchen könnten. So bleibe die Klassengemeinschaft erhalten, während nach dem vertikalen Konzept die Zusammensetzung ab Klasse 8 neu gemischt werde. Auch wurde der Vorteil der „Schule im Grünen“ für die jüngeren Schüler in Kleinglattbach unterstrichen. „Das ist ein nicht zu vernachlässigender Aspekt“, so ein Jugendgemeinderat. Stadtrat Eberhard Zucker (FW, Vaihingen) winkte ab: „Wir wollen doch nicht unsere Vaihinger Schüler in Kleinglattbach resozialisieren.“
Ein weiterer Gesichtspunkt: Durch die Aufhebung der Schulbezirke wäre es – je nach Entscheidung des Gemeinderats – interessant, zwei Modelle (vertikal in Enzweihingen, horizontal in Vaihingen) zu haben.
Der Ortschaftsrat Enzweihingen hat sich einstimmig für die Umsetzungsvariante 2b ausgesprochen: Schulstandort ist Enzweihingen (Stammschule) mit der Außenstelle Hochdorf; die Klassenstufe 5 bis 7 wird vertikal geteilt.
Der Stadtteilausschuss Vaihingen votierte mit neun Ja- und drei Neinstimmen für die Umsetzungsvariante 2c: Schulstandort Vaihingen-Kernstadt (Stammschule) mit Außenstelle Kleinglattbach für die Klassenstufe 5 bis 7, vertikal geteilt.
Der Vaihinger Jugendgemeinderat stimmte nach einem Änderungsantrag mit neun Ja-Stimmen und einer Nein-Stimme für die Umsetzungsvariante 2d: Schulstandort Vaihingen-Kernstadt, Stammschule (Klassenstufe 8 bis 10) mit Außenstelle Kleinglattbach Klassenstufe 5 bis 7, horizontal geteilt.
Der Ortschaftsrat Kleinglattbach hat sich bereits in der letzten Woche einstimmig für die Variante 2d mit der horizontalen Teilung ausgesprochen.
Der Sozial- und Kulturausschuss des Vaihinger Gemeinderats hat sich nach einem Änderungsantrag am Montagabend mit neun Ja-Stimmen und vier Nein-Stimmen für die Umsetzungsvariante 2d entschieden und damit die horizontale Teilung befürwortet, nach der die Klassen 5 bis 7 komplett in Kleinglattbach unterrichtet werden.
Am Donnerstag (19. November) um 18 Uhr entscheidet der Vaihinger Gemeinderat endgültig über die Umsetzungsvarianten. Der Tagesordnungspunkt „Bildung neuer Werkrealschulen in Vaihingen“ steht an fünfter Stelle. Zuvor wählt der Gemeinderat noch eine Planungsalternative für den Neubau der Feuerwache aus und diskutiert den Betriebsplan für das Forstwirtschaftsjahr 2010. Nach dem Punkt „Bekanntgaben“ gibt es noch eine Bürgerfragestunde im Sitzungssaal des Rathauses. (ub)
