Vaihingen (elf) – „Es ist möglich, den Frieden dauerhaft zu bewahren, wenn wir für ihn eintreten und ihn verteidigen mit allen Mitteln und Kräften, zu denen wir fähig sind“, sagte gestern Oberbürgermeister Gerd Maisch anlässlich einer Feierstunde zum Volkstrauertag auf dem Vaihinger Friedhof.
In sämtlichen Vaihinger Stadtteilen, aber auch in den Kommunen der Region wurde gestern der Opfer von Krieg und Gewalt sowie der Toten der beiden Weltkriege gedacht. In Vaihingen genießt es Tradition, dass auch Schüler ihre Gedanken zum Volkstrauertag einbringen. Gestern waren es Oberstufenschüler des Friedrich-Abel-Gymnasiums. Musikalisch umrahmt wurde die Feierstunde vom Vaihinger Musikverein sowie vom Vaihinger Männerchor.
„Wäre es nicht besser, einen Volksfreudentag, statt einen Volkstrauertag zu begehen“, fragte eine Schülerin und beantwortete die Frage für die zahlreichen Gäste auf dem Friedhof. „Wenn wir gemeinsam an die Kriege und die Toten denken, kann aus der Trauer auch Trost für die Hinterbliebenen und Angehörigen werden.“ So lange Menschen trauern, könnten sie nicht die Augen vor dem Geschehenen verschließen. Der Volkstrauertag verbinde die Menschen, die Anteil nehmen am Leid der Opfer von Gewalt und Krieg.
Der vorletzte Sonntag im Kirchenjahr gebe der Trauer Raum, sagte Oberbürgermeister Gerd Maisch. „Er ist zu einem Tag der Mahnung zu Versöhnung, Verständigung und Frieden geworden.“ Das Vaihinger Stadtoberhaupt erinnerte an den 20. Jahrestag des Mauerfalls und die Freude des deutschen Volks über die wiedergefundene Einheit. Gleichzeitig erinnerte er auch an die dunklen Tage in der Geschichte der Deutschen, die es niemals zu vergessen gelte. „Erinnern tut Not“ sagte der OB.
Für alle, denen die Gnade der späten Geburt zuteil wurde und daher die Schrecken des Krieges, der Gewaltherrschaft und Vertreibung nicht erleben mussten, sei die Erinnerung an diese Zeit kaum fassbar. „Doch Krieg und Gewaltherrschaft haben mit blutiger Tinte in unsere Familiengeschichten geschrieben.“ Viele Väter, Großväter, Urgroßväter, Brüder und Onkel hätten wie zig Millionen andere deutsche Soldaten auf den Schlachtfeldern der Weltkriege ihr Leben gelassen. „Jedes einzelne Schicksal verdient es, nicht vergessen zu werden“, mahnte der Verwaltungschef.
Mehr als 60 Jahre nach Kriegsende drohten die Schicksale in Vergessenheit zu geraten. Um so mehr sei der Volkstrauertag vor allem ein Tag des Innehaltens und des Erinnerns. Aus dem Geschehenen in der Vergangenheit leitete Maisch eine dauerhafte Verpflichtung ab: Die Verpflichtung für Frieden, Freiheit, Demokratie und Menschlichkeit. Der Frieden in Europa sei das Ergebnis eines langen Prozesses. „Heute leben wir in einem Europa, das friedliche Nachbarschaft und immer mehr Gemeinsamkeit anstrebt“, machte der Oberbürgermeister deutlich, dass nicht nur Mauern aus Stein, sondern auch Mauern in den Köpfen eingerissen wurden.
