Donnerstag, 24. Mai 2012

Neues von der Umfahrung?






Das malerische Enztal bei Enzweihingen. Die Umgehung findet nicht nur Befürworter. Foto: VKZ-Archiv
Das malerische Enztal bei Enzweihingen. Die Umgehung findet nicht nur Befürworter. Foto: VKZ-Archiv

Enzweihingen (sr) – Wie steht es eigentlich um die Ortsumfahrung Enzweihingen? Mitte Februar zitierte die VKZ den Regierungspräsidenten Johannes Schmalzl mit den Worten: „In einem halben Jahr soll das Planfeststellungsverfahren eingeleitet werden.“ Das halbe Jahr ist um, was ist passiert?
 Da lacht Bürgermeister Wilfried Nestle lauthals ins Telefon. Die Frage, ob es Neues von der Ortsumfahrung Enzweihingen gibt, war Anlass des Gefühlsausbruchs. Das Lachen ist in diesem Fall wohl eher ein Ausdruck der Verzweiflung – „weil ich das Thema schon 30 Jahre lang begleite“, sagt Nestle. Neues konnte Vaihingens Bürgermeister hierzu nicht vermelden. Das Regierungspräsidium Stuttgart (RP) sei immer noch dabei, die Unterlagen für das Planfeststellungsverfahren zusammenzustellen.
Zur Erinnerung: Nachdem eine Untertunnelung der Ortsdurchfahrt Enzweihingen verworfen wurde (2006) kamen mehrere Umfahrungsvarianten, die zwischen Enzweihingen und der Enz verlaufen, auf den Tisch. Zunächst galt die Variante A als Favorit. Sie hätte zwei Bahnen, also für zwei Fahrtrichtungen, und drei Streifen, im Volksmund als Fahrbahn bezeichnet, umfasst. Wegen der Problematik des Flora-Fauna-Habitat-Schutzgebiets wurde die Variante A zweistreifig weiterverfolgt und erhielt den Namen Variante Amod.
Clemens Homoth-Kuhs, Pressesprecher beim RP, wiederholt die bekannten Daten: „Die Kosten der nun vorliegenden Planung belaufen sich auf 32 Millionen Euro.“ Die Trasse ist 2,6 Kilometer lang, zwei Brücken und zwei Überführungsbauwerke liegen in der Strecke. Die Anbindung der neuen B10 an die Kreisstraßen erfolgt mit so genannten planfreien Knotenpunkten, „die Luxusvariante“, wie der Pressesprecher bemerkt, bei der ohne Kreuzungen und Ampelanlagen ein Einfädeln oder Ausfahren möglich ist.
Wie sieht das Schicksal des Vorentwurfs aus? Die Pläne haben eine gewisse Odyssee zu absolvieren. Zunächst müsse das Innenministerium des Landes Baden-Württemberg grünes Licht geben, was vor einigen Monaten passiert sei. Der vom Innenministerium genehmigte Vorentwurf liege nun beim Bundesverkehrsministerium. Homoth-Kuhs: „Wir warten jeden Tag auf Rückantwort.“ Sobald sich der Vorentwurf wieder im Hause befinde, würden im RP umgehend die Vorbereitungen für das Planfeststellungsverfahren anlaufen. Dieses entspreche „dem Baugenehmigungsverfahren beim Häuslebauer“. Die Planfeststellungsbehörde innerhalb des RP leite dieses Verfahren ein.
Zu Beginn des Planfeststellungsverfahrens werden die Pläne öffentlich ausgelegt und es erfolgt die Einbeziehung der Träger öffentlicher Belange. Innerhalb eines Monats könne „jeder, der glaubt, dass er betroffen ist, Einwände erheben“, so Homoth-Kuhs weiter. Diese Einwendungen würde schließlich gesammelt, ausgewertet und gegebenenfalls öffentlich erörtert, „falls die Einwendungen eine bestimmte Zahl überschreiten“. Anschließend wird das RP den Planfeststellungsbeschluss erlassen, womit die Planung rechtskräftig wird und mit der Bauausführung begonnen werden könnte. Von der Einleitung eines Planfeststellungsverfahrens bis zur Erlassung des rechtskräftigen Beschlusses vergehe im Durchschnitt ein Jahr, sagt der Pressesprecher. Im Übrigen verfolge Regierungspräsident Johannes Schmalzl die Maßnahme mit großem Interesse und behalte das Verfahren im Auge.
Generationen von Studenten der Uni Stuttgart mit fiktiver Planung beschäftigt
Mit dem Abschluss der Planungsphase, das könnte man wohl behaupten, geht eine Ära zu Ende – in gewisser Weise auch an der Universität Stuttgart. Im Institut für Straßen- und Verkehrswesen raffen sich nämlich Jahr für Jahr im Oktober fünf bis 20 Studenten zu einer Exkursion ins B-10-Gebiet bei Vaihingen auf.
Diplom-Ingenieur Markus Weise betreut mittlerweile als Dozent die Projektstudie „Straßenplanung und Straßenbau“, mit der er sich schon als Student herumschlug. Ausschließlich für Lehrzwecke zerbrechen sich dabei die angehenden Ingenieure über eine Ortsumgehung von Enzweihingen den Kopf.
Von Pulverdingen bis Illingen werden bei diesen fiktiven Ausarbeitungen großräumige Umfahrungen in Form von drei Varianten durchgespielt. Einem händischen Linienentwurf im Wintersemester folgt die CAD-gestützte Ausarbeitung im Sommersemester. „Nach erfolgreicher Teilnahme an der Projektstudie haben Sie erste Einblicke in die heute gängige und in der Praxis von Ingenieuren geforderte Arbeit mit computergestützten Entwurfsprogrammen bekommen“, schreibt die Uni. Wenn die reale Trasse steht, macht das fiktive Planen vermutlich keinen Sinn und auch keinen Spaß mehr.




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