Donnerstag, 24. Mai 2012

Mehr Lärm durch die Lärmschutzwand?




Schluckt eine absorbierende Lärmschutzwand den Schall oder nicht? Illinger Bürger haben Angst, dass der Zuglärm für sie künftig lauter wird. Foto: Elsässer
Schluckt eine absorbierende Lärmschutzwand den Schall oder nicht? Illinger Bürger haben Angst, dass der Zuglärm für sie künftig lauter wird. Foto: Elsässer

Illingen (elf) – Eine Lärmschutzwand entlang der Bahnlinie in Illingen im Rahmen der Bebauung des Luig-Areals erregt die Gemüter. Anwohner der anderen Seite befürchten dadurch eine Zunahme des Zuglärms. Bei einer Informationsveranstaltung konnten sie am Mittwochabend im Rathaus ihre Befürchtungen äußern. Anschließend beauftragte der Gemeinderat ein Ingenieurbüro zur Realisierung der Wand.
Die Befürchtungen der Anwohner nördlich der Bahnlinie in Illingen sind verständlich. Wenn entlang der Gleise eine Lärmschutzwand errichtet wird, um die künftige Bebauung auf dem gegenüberliegenden Luig-Areal vor Zuglärm zu schützen, gibt ihnen niemand die Garantie, dass für sie der Lärm dann nicht lauter wird. Die Anwohner haben Angst, dass die 400 Meter lange Wand die andere Seite schützt, den Lärm aber auf die eigene Seite reflektiert und dadurch verstärkt.
Bauamtsleiterin Ottilie Läkemäker wies darauf hin, dass ohne die Lärmschutzwand eine Wohnbebauung auf dem Luig-Areal nicht möglich sein wird und unterstrich damit die dringende Notwendigkeit dieser Maßnahme. Manfred Spinner vom Ingenieurbüro für Schallimmissionsschutz (Isis) in Riedlingen erklärte den rund 25 Zuhörern, dass auf dem Luig-Areal – zumindest da, wo Wohnbebauung entsteht – schalltechnische Orientierungswerte von 55 dBA bei Tag und 45 dBA bei Nacht eingehalten werden müssen. Zudem werde prognostiziert, dass der Zugverkehr bis 2015 zunehme, was zu einer verstärkten Lärmeinwirkung führe. In seiner Untersuchung sei Spinner deshalb von einer Lärmschutzwand ausgegangen, die 400 Meter lang und 2,50 Meter hoch ist. Seine Berechnungen führten dazu, dass im Planungsgebiet die Werte eingehalten werden. Sein Rat allerdings: „Nach Norden ist es sinnvoll, die Häuser gegen Lärm abzuschotten.“ Er regte an, dass die Schlafzimmer in den Wohnhäusern auf dem Luig-Areal in südliche Richtung geplant werden sollen. Auf der Nordseite empfehle er fensterunabhängige Lüftungseinrichtungen. Die nach Norden gerichtete Seite der Lärmschutzwand sei hochabsorbierend und schallschluckend. Die Situation der Anwohner nördlich der Bahnlinie werde sich daher nicht verschlechtern. „Auf der gegenüberliegenden Seite gibt es keine Beeinträchtigung“, sagte Manfred Spinner.
Doch die Anwohner trauten der Aussage des Experten nicht. „Geben Sie uns eine schriftliche Garantie, dass es bei uns nicht lauter wird“, forderte ein Besucher. Dem konnte Ingenieur Spinner nicht Folge leisten. Er wies darauf hin, dass es vorgeschriebene Berechnungsmodelle und -verfahren gebe, die man nicht anzweifeln brauche. Bürgermeister Harald Eiberger ergänzte: „Das Verfahren ist korrekt. Wir wären als Verwaltung schlecht beraten, wenn wir die Rechte Dritter beschneiden würden. Das hätte schließlich Schadensersatzansprüche zur Folge.“
Eine Lärmschutzwand kostet
mindestens 400000 Euro
Der Anregung, auf der Nordseite der Bahn eine zweite Lärmschutzwand zu errichten, erteilten Spinner und Bauamtsleiterin Läkemäker eine Absage. Für eine Wand würden mindestens 400000 Euro fällig. Eine zweite Wand falle nicht mehr ins Sanierungsgebiet und müsste folglich komplett finanziert werden. Eine Anwohnerin befürchtete, dass die Fähigkeit der Wand, den Lärm auf Dauer zu absorbieren wegen äußerer Einflüsse wie Witterung nachlasse. Spinner entgegnete, dass es Wände gibt, die man nur äußerst selten warten muss.
Ein Bewohner wollte wissen, welche Immissionspunkte auf der Nordseite für das Gutachten berücksichtigt wurden. Der Ingenieur wies darauf hin, dass die Zeppelinstraße 8 der einzige Punkt auf dieser Seite war, wobei er übertragbar auf jede andere Stelle in dem Bereich sei. „Das Haus liegt am nächsten zur Bahnlinie. Lauter ist es an anderer Stelle nicht“, sagte Spinner. Darauf forderten die Anwohner zwei Messungen an gleicher Stelle – eine vor der Installation der Lärmschutzwand und eine danach. Dann müsste man feststellen können, ob der Lärm mit der Wand zunehme oder nicht. Manfred Spinner erklärte, dass dies nicht möglich sei, dass er nie zweimal die gleiche Situation vorfinden würde. Die äußeren Einflüsse seien zu verschieden, kein Zug sei wie der andere.
Bürgermeister Eiberger informierte im Rahmen der Veranstaltung darüber, dass die Bahn Lärmuntersuchungen entlang der Bahnlinie in Illingen durchführen wolle. Das Ergebnis werde noch im ersten Quartal 2010 vorliegen. Sollte die Bahn zu dem Ergebnis kommen, dass zusätzliche Lärmschutzmaßnahmen zu ergreifen sind, werde dies von der Bahn und vom Bund finanziert. Daran knüpfte Gemeinderat Winfried Scheuermann (CDU) in der anschließenden Sitzung seine Hoffnung. Vielleicht komme die Bahn ja zu dem Ergebnis, dass eine zweite Lärmschutzwand an der Stelle erforderlich sei. „Wir sollten uns mit der Bahn abstimmen, damit eine optimale Lärmberuhigung erfolgt“, so Scheuermann. Darauf beschloss der Rat, die Realisierung der Lärmschutzwand in Auftrag zu geben. Gemeinderat Peter Pförsich (Grüne) regte unterdessen an, im Frühjahr eine allgemeine Informationsveranstaltung zum Luig-Areal zu machen, was von der Verwaltung bejaht wurde. Ottilie Läkemäker regte als Zeitpunkt die Offenlage des Bebauungsplans an.




Seitenanfang