Vaihingen (ub). Seit gestern ist ein Großhersteller aus Kehl dabei, das Containerdorf zwischen der Realschule und der Stadthalle aufzuschlagen. Am Freitag und Samstag beginnt der erste Teil des Umzugs durch den Bauhof. In der nächsten Woche kommen die restlichen Unterkünfte – einschließlich des Sanitärcontainers.
Für sechs Monate kostet das Provisorium rund 100000 Euro Miete. Doch wahrscheinlich ist, dass der Unterricht in den 32 Containerelementen, die zweistöckig aufgebaut werden, bis zu den Sommerferien 2010 dauert.
Die Aktion ist die Folge eines Brandes am 14. Oktober, den mutmaßlich ein 13-jähriger Schüler in der Toilette gelegt hat. Noch immer können viele Räume in der Ferdinand-Steinbeis-Realschule (FSR) nur mit einer Atemmaske betreten werden. Schwarze Partikel sind an dem Mundschutz deutlich zu erkennen. Durch die abgehängten Decken und das Lüftungssystem ist der Rauch des vergleichsweise kleinen Brandes durch einen Großteil des Gebäudes gezogen. Neumann: „Dieser Tage wollte ein Kollege aus einem Schrank in einem leer stehenden Klassenzimmer ein Buch holen. Der Schrank war innen total schwarz. Der Rauch muss durch alle Ritzen gezogen sein.“
Deshalb wird die Sanierung des Gebäudes mehr als ein halbes Jahr in Anspruch nehmen. Nur durch das Aufstellen der Container – Neumann: „Es ist zwar nicht der Traum, aber die beste Lösung“ – kann ein „normaler“ Unterricht gewährleistet werden. In den letzten drei Wochen wurde nach einem Notstundenplan unterrichtet: Im Durchschnitt hatten die Schüler 17 bis 20 Wochenstunden anstatt 30 bis 32. Der reduzierte Unterricht um mindestens ein Drittel löste in den letzten Tagen bei einigen Eltern Proteste aus. Neumann beruhigt: „Was für die Versetzung relevant ist, haben wir durchziehen können.“
Durch den Unterricht in den Containern, der am Montag, 23. November, offiziell starten soll, entspannt sich die Situation: Für 23 Klassen stehen dann 20 Klassenräume zur Verfügung. „Und drei Wanderklassen sind problemlos machbar“ ist sich der stellvertretende Schulleiter Neumann sicher. Weil dann aber trotzdem weniger Fachräume benutzt werden können, wird aktuell auch der Stundenplan neu aufgestellt. „Wir müssen alles ineinander verschachteln“, sagt Neumann, der in der „Notsituation“ den Rückhalt des Kollegiums lobt. Auch am Nachmittag müssen die Realschüler die provisorische Schulbank drücken. „Der Unterrichtsablauf ändert sich. Das ist klar“, so Neumann.
Die anstehende Projektwoche wird genutzt, um Unterrichtsstoff nachzuholen. „Es ist aufholbar“, ist sich der Konrektor sicher. Man werde mit der Situation fertig. „Wenn wir wegen der Schweinegrippe-Epidemie die Schule schließen müssten, wäre das noch schlimmer.“ Nicht gefährdet ist der mündliche Teil der Englischprüfung der Zehntklässler in der nächsten Woche. Die Logik der Schulleitung: „Durch den Notstundenplan haben die Schüler noch mehr Zeit zur Übung gehabt.“
Die Stadt als Schulträger hat bereits einen Großauftrag in Höhe von 190000 Euro für die Sanierung der Schule vergeben. Diese Kosten übernimmt die Versicherung. Bei den Kosten von 100000 Euro für die Container bleiben 40000 Euro bei der Stadt hängen.
