Donnerstag, 24. Mai 2012

Wie viele Schüler sollen Bus fahren?




Vor einem Jahr wurde in Vaihingen für den Erhalt der Hauptschule demonstriert. Jetzt steht die Standortentscheidung wieder an. Foto: VKZ-Archiv
Vor einem Jahr wurde in Vaihingen für den Erhalt der Hauptschule demonstriert. Jetzt steht die Standortentscheidung wieder an. Foto: VKZ-Archiv

Vaihingen (rkü). Die Überlegung, mehrere Hauptschulen im Stadtgebiet von Vaihingen zusammenzulegen und in diesem Zug die Schule in der Kernstadt aufzulösen, hat vor einem Jahr Wellen geschlagen. Jetzt bastelt die Stadt als Schulträger an einem neuen Konzept, was zukunftsfähige Werkrealschulen angeht.

Morgen berät der Ortschaftsrat Kleinglattbach über die vorgeschlagenen Planungsvarianten. Kommende Woche folgen weitere Beratungen in Enzweihingen und Vaihingen sowie die Beschlussfassung im Gemeinderat. Auch im Eberdinger Gemeinderat steht das Thema auf der Tagesordnung, denn es wird eine Zusammenarbeit zwischen den Schulen in Hochdorf und Enzweihingen angestrebt.

Hauptschulen sollen sich zu Werkrealschulen weiterentwickeln, künftig aber mindestens zweizügig sein, also zwei Klassen pro Jahrgangsstufe haben. Das bedeutet, dass kleinere Hauptschulen entweder mit anderen kooperieren oder zusammengelegt werden müssen. In Vaihingen gibt es vier verschiedene Vorschläge, wie die Kapazitäten der Schlossbergschule Vaihingen und der Grund- und Hauptschulen in Kleinglattbach und Enzweihingen optimal genutzt werden könnten.

Pläne zur Auflösung der Vaihinger Hauptschule stießen auf Protest
Die ursprüngliche Idee, die Hauptschule in der Kernstadt aufzugeben und dafür die Schulen in Kleinglattbach und Enzweihingen zu stärken, hatte vor einem Jahr für einen Proteststurm gesorgt. Unter anderem bei einer Demonstration in der Innenstadt machten Schüler und Eltern klar, dass die mittlerweile in Schlossbergschule umbenannte Bildungseinrichtung in Vaihingen als Hauptschule erhalten bleiben und möglichst sogar aufgewertet werden solle. Eines der vielen Argumente war damals, dass nicht auch noch die Schüler aus der Kernstadt gezwungen werden sollten, mit dem Bus zur Schule zu fahren.

Jetzt stehen im wesentlichen noch zwei Varianten zur Debatte, was die Aufteilung der Haupt- und Werkrealschule zwischen Vaihingen und Kleinglattbach angeht. Die Klassenstufen fünf bis sieben können an verschiedenen Schulen unterrichtet werden, während die achte bis zehnte Klasse für alle Schüler in einer der beiden Schulen zentral angeboten werden sollten. Das liegt an den weiter gehenden Ansprüchen, was Fachlehrer und Fachräume angeht.

Beide aktuellen Vorschläge sehen vor, dass die Klassenstufen acht bis zehn an der Schlossbergschule in Vaihingen angesiedelt werden. Die Fünft- bis Siebtklässler könnten teils in Kleinglattbach und teils in Vaihingen unterrichtet werden – oder alle in Kleinglattbach. Das Einzugsgebiet für die Kleinglattbacher Schule umfasst bislang schon Gündelbach, Ensingen und Horrheim, insgesamt pendeln nach einer aktuellen Schätzung künftig 26 Schüler jeden Tag nach Kleinglattbach. Sollten die Vaihinger ebenfalls nach Kleinglattbach fahren müssen, um dort den Unterricht der Klassen fünf bis sieben zu besuchen, gäbe es in der Stadt 88 zusätzliche Fahrschüler.

Inwieweit dieser Wert als Entscheidungsgrundlage dient, ist Sache des Gemeinderats. Stadtkämmerer Jürgen Liegmann erläutert, dass man die Auslastung der Schulbusse ohnehin ständig im Blick behalten und die Kapazitäten insbesondere zu Schuljahresbeginn neu planen müsse. Für den Besuch der achten bis zehnten Klasse müssten zusätzlich zu den erwarteten 26 Schülern aus den nördlichen Stadtteilen auch 32 weitere aus Kleinglattbach nach Vaihingen fahren.

Für die Versorgung im Süden von Vaihingen ist vorgesehen, die Hauptschule in Enzweihingen zur Werkrealschule auszubauen. Diese soll dann als Stammschule gelten, der die Eberdinger Hauptschule im Ortsteil Hochdorf als Außenstelle zugeordnet wird. Die Schätzung besagt, dass jeweils 18 Schüler aus Eberdingen und Nussdorf ohnehin nach Hochdorf fahren müssen, um die Klassen fünf bis sieben zu besuchen. Von der achten Klassenstufe an müssten sie dann gemeinsam mit 29 Schülern aus Hochdorf nach Enzweihingen fahren, wo die letzten Schuljahre der Werkrealschule gemeinsam unterrichtet würden. Eine Beschlussfassung im Eberdinger Gemeinderat ist ebenso für den 19. November vorgesehen wie in Vaihingen.

Bei der Planung für die Vaihinger Schulen geht der Blick auch in den anderen Himmelsrichtungen über die Stadtgrenzen hinaus. In Sersheim hat sich der Gemeinderat für eine Kooperation mit der Grund-, Haupt- und Werkrealschule Sachsenheim ausgesprochen. Ein Spezialfall sei Illingen, erklärt der dortige Schulleiter Andreas Petermann. „Wir haben hier schon den Verbund aus Grund-, Haupt- und Realschule mit insgesamt 620 Schülern.“ Für die knapp 90 Hauptschüler stünden in Illingen ohnehin qualitativ hochwertige Fachräume und Unterrichtsangebote mit den Realschülern zur Verfügung – etwa in den Fächern Musik, Sport und Religion, aber auch in Förderkursen für die Hauptfächer. Die Durchlässigkeit zwischen Haupt- und Realschule sei relativ groß. Bislang wechseln nur wenige Illinger von der Hauptschule auf eine der Werkrealschulen in Mühlacker. „Null bis zwei im Jahr“, meint Petermann. Illingens Bürgermeister Harald Eiberger hat nach eigenem Bekunden dennoch die Fühler in Richtung Vaihingen ausgestreckt. Denn bevor in Illingen konkrete Planungen erfolgen, wünscht man sich erst einmal das Signal, dass die Schüler in Vaihingen willkommen wären.




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