Donnerstag, 24. Mai 2012

Begeisterndes Konzert






Das Jugendsinfonieorchester Vaihingen. Foto: Arning
Das Jugendsinfonieorchester Vaihingen. Foto: Arning

Vaihingen (sf). Es war eine echte Premiere: Beim Chor- und Orchesterkonzert der CJD Jugendmusikschule standen am Samstagabend ausnahmsweise nicht nur die jungen Musiker im Blickpunkt des Interesses, sondern auch die Stühle in der Stadthalle.
„Es ist toll, dass wir die ersten sein dürfen, die die neuen Stühle in der Stadthalle Probe sitzen“, witzelte Jugendmusikschulleiter Peter Kopp bei seiner Begrüßung. Und weil der Oberbürgermeister im Publikum saß, riet er den Zuschauern in der nicht ganz gefüllten Halle denn auch gleich: „Beschweren Sie sich bitte bei Herr Maisch“ – sollte die Sitzqualität beanstandenswert sein. Noch ist Garantie drauf.“
Ob sich tatsächlich einer der Besucher auf der frisch erneuerten Bestuhlung unwohl fühlte, ist ebenso unwahrscheinlich, wie unbekannt, zumal es ganz abgesehen von der Frage der Sitztauglichkeit ohnehin vor allem die jungen Musiker von Juniororchester, Jungem Chor und Jugendsinfonieorchester waren, die das Publikum – darunter viele Eltern, Freunde, Bekannte und Unterstützer der Jugendmusikschule – am Samstagabend begeisterten.
Am angekündigten Programm hatte sich dabei nichts geändert. „Ihnen bleibt heute Abend nichts vorenthalten“, versprach Kopp: Eine kleine Änderung gab es lediglich in der Besetzung. Weil die Leiterin des das Konzert eröffnenden Streichensembles des Juniororchesters, Christine Wrase, krankheitsbedingt absagen musste, übernahm ihr Kollege Frank Heinz den Dirigentenstab etwas früher als geplant. Aus „Suite and Light“ (Tony Osborne) stellten sich die jungen Streicher mit „Thoroughly Modern Vanish“ vor und vermittelten bereits einen guten Eindruck von dem Engagement und der hohen Konzentration, mit dem sich der Nachwuchs der Jugendmusikschule der Aufgabe des gemeinsamen Musizierens stellt. Selbiges galt gleich im Anschluss daran natürlich auch für das Juniororchester, das sich – mit den Solisten Franziska Marx (Flöte), Michael Scharpf und Laurin Kratel (beide Trompete) - ein einfühlsames Thema aus dem Film „Der Eisbärkönig“ ausgesucht hatte.
An den kürzlich verstorbenen King of Pop, Michael Jackson, erinnerte wenig später der Junge Chor unter der Leitung von Elvira Lessle: Der „Earth Song“ war einer von drei Titeln, die die Sänger für ihren Auftritt am Samstagabend vorbereitet hatten. Dazu reihten sie sich gelungenermaßen mit ihrer Interpretation „Fly me to the moon“ in die Riege so bekannter Künstler, wie Frank Sinatra, Judy Garland oder Shirley Bassey ein, die den Jazzklassiker berühmte gemacht haben, und gaben zum Ausklang des ersten Konzertteils – gemeinsam mit dem Juniororchester und seinen Solisten Christina Nicolaou und Luise Wanner (beide Oboe) - in einem munteren Arrangement von Frank Heinz einige intime Einblicke in das Leben der amerikanischen Filmmetropole: „Talking about Hollywood“. Eine kleiner Werbeblock für den Förderverein durfte bei dieser Gelegenheit nicht fehlen.
Den kompletten zweiten Teil des Abends bestritten nach der Pause die Instrumentalisten des Jugendsinfonieorchesters, das in den zurückliegenden Konzerten bereits mehrfach mit seiner hohen Qualität zu überzeugen wusste. An diese Tradition knüpfte das Ensemble unter seinem Dirigenten Peter Kopp auch am Samstagabend an. Im Vorfeld des Konzerts hatten Kopp und Tilman Aupperle intensiv mit den jungen Musikern geprobt. Das hat sich ausgezahlt – gerade bei einem durchaus anspruchsvollen Programm, das das Jugendsinfonieorchester mit der „L´Arlésienne-Suite Nummer eins“ (Georges Bizet) eröffnete: ein sensibler vielschichtiger Ausflug in die mediterrane Welt rund um das französische Arles – geprägt von zarter Übermut und gefühlvoller Zärtlichkeit, die sich mit bedrohlichen Einwürfen auseinanderzusetzen hatten. Ein fesselnder Auftakt und eine gute Einstimmung auf die berühmten „Bilder einer Ausstellung“ von Modest Mussorgsky, die das Ensemble – ursprünglich für Klavier komponiert - in einer Fassung für Orchester präsentierte. Die umfangreichen Soloparts übernahmen dabei Tobias Eichinger (Klavier) und Carolin Kirschner (Altsaxofon).
Geleitet von einer mehrfach auftauchenden „Promenade“, die in leichten Modifikationen den Charakter der zu betrachtenden Bildern erklären soll, entführte das Jugendsinfonieorchester seine Zuhörer auf einen fantasievollen Spaziergang beginnend bei einem „Gnomus“, der zwergenhaft auf seinen missgestalteten Beinen durch die Gegend hüpft, vorbei an einem romantischen alten Schloss, einem kraftvoll polternden Ochenkarren, schreienden und sich zankenden Marktweibern, dem düsteren Gang durch die Pariser Katakomben bis hin zum großen Tor von Kiew, das Motive der russischen Liturgie aufgreift und verarbeitet.
Es war ein anspruchsvolles, weil gewaltiges, facettenreiches Klanggebilde, das das Jugendsinfonieorchester da in die Stadthalle zauberte, ehe es schließlich, begleitet von rauschendem Beifall der Zuhörer, mit Ausschnitten aus dem Lloyd-Webber-Musical „Jesus Christ Superstar“ das große Finale des Chor- und Orchesterkonzerts einläutete.


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