Eberdingen (sf). Die Tage der Hauptschule mit Werkrealschule in Hochdorf scheinen gezählt: Die Schülerzahlen liegen nur noch im Bereich zwischen 15 bis 20 Schülern in Klasse 5. Zu wenig, um „Stammsitz“ einer neuen Werkrealschule zu werden, wie sie vom Kultusministerium empfohlen wird.
Angestrebt ist deshalb eine Zusammenarbeit mit Enzweihingen. Hochdorf soll Außenstelle bleiben. Eine endgültige Entscheidung steht noch aus. Sie soll in zwei Wochen fallen.
„Kaum ein anderes Thema hat in den vergangenen Wochen und Monaten diese Bedeutung gehabt, wie die Veränderung der Schullandschaft“, betonte Eberdingens Bürgermeister Peter Schäfer im Hinblick auf die Reformbemühungen der Landesregierung, die die reine Hauptschule perspektivisch durch eine neue Werkrealschule ersetzen will. Betroffen davon ist auch die Hauptschule im Ortsteil Hochdorf. „Wir müssen dort eine Lösung finden“, betonte Schäfer am Donnerstagabend im Rahmen einer Gemeinderatssitzung. Diskussionen über die Sinnhaftigkeit der neuen Werkrealschule ständen dabei nicht an. „Sie ist Gesetzeslage und daran haben wir uns zu orientieren. Es gilt, die Gesetzeslage entsprechend auszuführen.“ Problem ist dabei, dass es in Hochdorf mit den prognostiziert deutlich zu geringen Schülerzahlen auf Sicht nicht gelingen wird, eine Zweizügigkeit zu erreichen. Folglich ist nur eine Zusammenarbeit mit benachbarten Schulen möglich – allerdings nicht als Kooperation, wie auf Eberdinger Seite angedacht, sondern, so Schulamtsleiterin Gabriele Traub, lediglich als komplett neue, eigenständige Schule.
Eltern, wie Pädagogen bewegt das Thema nachhaltig. Auch am Donnerstagabend platzte der Ratsaal deswegen fast aus allen Nähten. Anfang des Jahres bereits hat das Kollegium der Hochdorfer Schule „erste Informationen erhalten, dass sich etwas bewegen wird“, erklärte Schulleiter Traugott Ruske, der sein Amt wohl aufgeben muss. „Es kann keine Modelle geben, bei denen eine Schule durch zwei Schulleiter geführt wird“, hatte Traub zuvor die Konsequenz einer gemeinsamen neuen Werkrealschule skizziert. In Hochdorf haben sich die Kollegen zwischenzeitlich Gedanken gemacht, „wie es an unserer Schule weitergehen kann, an der wir alle sehr hängen“, so Ruske.
Gespräche mit den Kollegen aus Hemmingen und Schwieberdingen sind aufgenommen worden. Letztlich tendieren Schulleitung und Verwaltung aber für eine Zusammenarbeit mit Enzweihingen. „Es besteht eine seit vielen Jahren gewachsene Bindung dorthin“, erklärte Ruske. Im Blickpunkt der Überlegungen sei die Frage gestanden, was für die Schüler die beste Lösung ist. „Nichts zu tun“ – auch diese Möglichkeit bestünde theoretisch – ist laut Ruske „nie eine Option gewesen“ . Als reine Hauptschule würde die Hochdorfer Schule schließlich früher oder später ausbluten. Zu gering sind die nachkommenden Schülerzahlen.
Räumlich getrennt, aber dennoch zusammengehörend soll die neue Werkrealschule sein. Die Pädagogen brauchen sich um ihren Job nicht zu fürchten. Alle sollen weiterbeschäftigt werden, versicherte Traub, brauchen aber mehr Flexibilität. Die Organisation würde zukünftig über Enzweihingen als Stammschule laufen. Hochdorf wäre die Außenstelle. Bis einschließlich der siebten Klasse können Schüler dann noch nach Hochdorf gehen. Danach müssen sie wechseln. „Die Hauptschule am Ort aufzugeben, ist keine leichte Entscheidung“, räumte Gemeinderat Bernd Hasenmaier (CDU) angesichts der gegebenen Situation ein und lobte die „sehr gute Arbeit“, die bislang an der Hauptschule geleistet wurde. Das bisherige Modell beibehalten ist dennoch keine ernstliche Option – nicht nur aus Kostengründen. „Wir haben die Wahl zwischen Pest und Cholera“, wurde Gemeinderat Otto Elser (FWE) deutlich. Die alte Hauptschule wird keine Zukunft haben. Die neue Werkrealschule, deren Bedingungen in einem öffentlich-rechtlichen Vertrag noch ausgehandelt werden müssen (Schäfer: „Wir werden versuchen, unsere Interesse zu wahren“), ist praktisch unumgänglich.
„Wir werden der Schule manche Träne nachweinen“, prognostizierte Brigitte Keuerleber (SPD) und kritisierte die Reform des Landes. „Ich denke aber, dass die Schulleiter hier Schadensbegrenzung betrieben haben.“ Am Ende der fast zweistündigen Diskussion brachte es Ruske auf den Punkt: „Uns allen tut es natürlich in der Seele weh, was da passiert. Wir müssen aber annehmen, was der Gesetzgeber vorschreibt und müssen uns dem Thema stellen.“ Protestaktionen schloss der Schulleiter jedenfalls aus.