Vaihingen (aa). „Das 1:1 in Sevilla war ganz ordentlich. Aber heute gewinnen Sie!“ Oberbürgermeister Gerd Maisch war sich sicher, dass Erwin Staudt, Präsident des VfB Stuttgart, beim Wirtschaftsgespräch der Stadt Vaihingen drei Punkte einfahren würde.
Gestern Sevilla, heute das Rieter Tal. Erwin Staudt kommt herum. Er ließ die versammelten Firmenvertreter zwar eine halbe Stunde warten, doch dafür entschädigte er am Donnerstag mit einem kurzweiligen Vortrag unter dem Titel „Parallelen zwischen Wirtschaft und Sport – was können wir voneinander lernen?“ Er habe keine Chance gehabt, die Einladung abzulehnen, meinte Staudt, der seit 2003 erster hauptamtlicher Präsident des VfB Stuttgart ist. Zuvor war er Vorsitzender der Geschäftsführung der IBM Deutschland GmbH (siehe auch Interview in der VKZ vom 4. November). Warum keine Chance? Es gebe seit vielen Jahren vom VfB her intensive Beziehungen in diesen Wirtschaftsraum: „Wir dopen uns mit Ensinger Mineralwasser.“ Ensinger Geschäftsführer Thomas Fritz hörte es gerne und verschmerzte es sicher auch, dass bei Sika Teinacher-Sprudel auf dem Tisch stand.
Es gebe zwischen Unternehmen und Profifußballvereinen keine großen Unterschiede, meinte der 61-jährige Leonberger: Beiden gehe es um den Erfolg. Doch bei den Fußballern gehöre das Produkt allen Leuten: „Wir verwalten ein öffentliches Gut.“
„Setzen Sie Akzente“, rief Staudt den rund 60 Gästen zu. „Es gibt Stellschrauben, an denen man durchaus drehen kann. Denken Sie zum Beispiel einfach mal darüber nach, wie Ihr Nachfolger die Arbeit machen würde.“ Das habe er auch VfB-Trainer Babbel gesagt.
Staudt erzählte von Management Instrumenten wie „Balance Scorecard“ (mit 33 Kennziffern beim VfB), „Sports Planer“ (Erwartungen für die Saison), CRM (Customer Relationship Management, deutsch Kundenbeziehungsmanagement) und „Knowledge Miner“ (Wissensmanagement): „Sie müssen wissen, was der Kunde von Ihnen will. Sie müssen in der Firma eine einheitlich Stellung beziehen und mit einer Stimme sprechen.“ Natürlich habe man sich die Saison beim VfB anders vorgestellt, nicht auf der Rechnung gehabt, dass man schon so bald aus dem Pokalwettbewerb fliege.
„Wir müssen aus den Leuten ein Team machen“, war die Botschaft des Präsidenten, „im Verein und in der Firma. Und Störfaktoren müssen raus.“ Dass Ansatz und Wirklichkeit ab und zu nicht übereinstimmen, musste Staudt zuletzt in Sevilla erfahren. Eine „grottenschlechte“ erste Halbzeit hätten seine Mitarbeiter abgeliefert. Da habe der Trainer keine andere Chance gehabt, als den Rauch reinzulassen.
„Wenn wir im Fußball so gut wären wie die Wirtschaft in unserer Region, dann wären wir unschlagbar“, meinte Staudt. Die Region Stuttgart sei eine der stärksten auf der Welt. Und der VfB – mit 46000 Mitgliedern einer der ganz großen Clubs ins Deutschland – pflege seine Partner in der Region: „Das sind keine Eintagsfliegen.“ Den Werbeeffekt durch die ständige Medienpräsenz bezifferte Staudt auf 53 Millionen Euro im Jahr. Und der VfB werde in keiner Weise von der Stadt Stuttgart gesponsert, im Gegenteil: „Wir entlasten den Haushalt der Stadt, zahlen auch noch 800000 Euro Erbpachtzins.“
Noch ein Rückblick auf die Meisterschaftssaison mit 250000 Menschen in der Stuttgarter Innenstadt. Wann wird man das wieder erleben? Bei allen Planungssystem ist auch Erwin Staudt da machtlos: „Wir sind halt letztlich doch abhängig von Menschen.“ Bei Sika war Staudt nur von sich abhängig. Alle Gäste waren sich am Ende einig: Er hat im Rieter Tal gewonnen. Ganz wie es der OB vorhergesagt hatte.
Jetzt sind die VfB-Kicker mal wieder am Zug.

