Donnerstag, 24. Mai 2012

Bäume müssen Containern weichen






Vaihingen (aa). Die Folgen des Brandes in der Ferdinand-Steinbeis-Realschule am 14. Oktober sind immer noch nicht exakt zu definieren. Es muss davon ausgegangen werden, dass sich die Sanierung ein halbes Jahr hinziehen wird. Der Unterricht soll in Containern stattfinden. Folge: Auf dem Schulhof müssen die Birken gefällt werden.
 „Müssen die Container unbedingt direkt bei der Schule aufgestellt werden?“, war am Mittwochabend in der Sitzung des Sozial- und Kulturausschusses die Frage von Stadtrat Hans-Martin Gutjahr (Freie Wähler, Kleinglattbach), dem die Abholzaktion zwischen Schule und Stadthalle offenbar nicht schmeckte. Die Frage habe man sich auch gestellt, doch es führe kein Weg an dieser Lösung vorbei, war von der Verwaltung zu hören. Genutzt werden könne das Untergeschoss, die Mensa und der Neubau der Schule.
Containermiete für
rund 100000 Euro
Im Ausschuss berichtete Detlef Fischer, Leiter des Liegenschafts- und Gebäudeverwaltungsamtes, über den Stand der Dinge. „Aber das ist bestimmt noch nicht die letzte Information.“ In den vergangenen drei Wochen habe es ständig Gespräche und Termine vor Ort mit Schule, Planern, Gutachtern und Versicherung gegeben. Ein erster Großauftrag mit einem Umfang von 190000 Euro sei vergeben worden. Fischer: „Diese Kosten übernimmt die Versicherung.“ In den nächsten fünf bis sechs Monaten sei in den betroffenen Räumen kein Schulbetrieb möglich. Man plane deshalb, 16 bis 18 Klassenzimmer in Container auszulagern (die VKZ hat berichtet). Dadurch entstehen Kosten von rund 100000 Euro, die zur Hälfte bei der Stadt hängen bleiben. Folge der Containerlösung: Der Schulhof muss von allen Hindernissen befreit werden. Bäume und Pflanzrabatte sind im Weg. Geplant ist ein zweigeschossiges Container-Dorf (mit Sanitärcontainer). Jeder Container hat eine Grundfläche von rund 57 Quadratmetern. Bei der Stadtverwaltung liegen drei Angebote vor. Eine Vergabe ist noch in dieser Woche geplant. Das Gelände soll in der kommenden Woche geräumt werden. Die ersten Container sollen gleich anschließend aufgebaut werden.
Können in anderen Schulen Ersatzräume zur Verfügung gestellt werden? Das wird derzeit noch ausgelotet. Gestern fand dazu eine Besprechung statt, doch macht man sich da bei der Stadtverwaltung keine große Hoffnung. Man sei nicht so üppig ausgestattet, um mindestens 16 Klassen unterbringen zu können, ist die Einschätzung von Oberbürgermeister Gerd Maisch. Eine Variante wäre die Nutzung der Mensa in der Schlossbergschule, um die eigene Mensa durchgängig als Klassenzimmer nutzen zu können. Aber das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein.
Im Zuge der Sanierungsarbeiten soll das Gebäude natürlich an die inzwischen fortgeschriebenen Anforderungen an den Brandschutz angepasst werden. „Optimierung“, nennt das Oberbürgermeister Gerd Maisch. Die Holzdecken werden zum Beispiel verschwinden; dafür werden Brandschutzdecken eingebaut.
Frage an den stellvertretenden Schulleiter Christoph Neumann, der für den erkrankten Schulleiter Olaf Büscher die Stellung hält: „Wie läuft’s?“ Knappe Antwort: „Schlecht!“ Die rund 600 Schüler hätten im Schnitt 18 bis 20 Stunden Unterricht pro Woche (normal sind 33). Es gebe immer wieder Probleme. Dass sich die Suche nach Übergangslösungen so lange hinzieht, beklagt er. „Wir brauchen dringend die Ersatzräume, ab 16. November haben wir zum Beispiel Profilwoche.“ Wenn die Stadt nach sparsamen Lösungen mit Ausweichräumen suche, sei das ja zu verstehen, aber die Schüler über Land zum Beispiel nach Enzweihingen oder Kleinglattbach zu schicken, sei nicht sinnvoll. Allenfalls die benachbarte Schlossbergschule könne für Ausweichräume in Frage kommen, betont Neumann.
Auf eines muss man sich in der FSR auf jeden Fall einstellen: Ein regulärer Unterricht im Schulgebäude wird bis zu den Sommerferien 2010 nicht mehr möglich sein. Und das alles wegen eines vergleichsweise kleinen Brandes in einer Toilette. Laut Polizei gibt es einen Tatverdächtigen, einen 13-jährigen Schüler. „Weitergehende Informationen zu unserer Pressemitteilung vom 29. Oktober gibt es jedoch derzeit nicht“, ist von der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit der Polizeidirektion Ludwigsburg zu hören. Und OB Maisch zur Tätersuche: „Für uns wird allerdings am Ende die Haftung eine spannendere Sache als die strafrechtliche Verfolgung sein.“


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