Donnerstag, 24. Mai 2012

Widerstand gegen Schließung der Hauptschule


Elternvertreterinnen wehren sich gegen die Schließung der Vaihinger Hauptschule. Foto: Elsässer
Elternvertreterinnen wehren sich gegen die Schließung der Vaihinger Hauptschule. Foto: Elsässer

Vaihingen (elf) – Nachdem Pläne der Vaihinger Stadtverwaltung öffentlich wurden, die eine Schließung der Hauptschule in der Kernstadt beinhalten, regt sich seitens der Schüler- und Elternschaft der Widerstand. Mit Infoständen und Unterschriftenlisten wollen die Eltern in den nächsten Wochen um den Erhalt der sogenannten Brennpunktschule kämpfen.
„Wie kann eine Schulstadt wie Vaihingen plötzlich keine Hauptschule mehr haben?“, fragen sich Dagmar Resch und Jutta Jantzen, beides Elternbeirätinnen an der Schlossbergschule. Sie haben offiziell am vergangenen Mittwoch bei einer außerordentlichen Elternbeiratssitzung von den Plänen der Stadt erfahren, die bei den Eltern auf Unverständnis stoßen. Wichtigstes Argument der Elternvertreter für die Erhaltung der Hauptschule ist deren besonderes Profil. Bei ihr handelt es sich um eine Brennpunktschule, womit ihr 50 zusätzliche Lehrerstunden zustehen. Diese Stunden seien bei einer eventuellen Schließung nicht auf eine andere Schule übertragbar. „Die 50 zusätzlichen Lehrerstunden sind teilweise als zusätzliche Pflichtstunden im Unterricht enthalten und dienen der intensiven Förderung und Vorbereitung der Schüler auf weiterführende Schulen oder die Berufsausbildung“, sagt Jutta Jantzen, Elternbeirätin an der Grundschule. Mit den verbleibenden Lehrerstunden würden freiwillige Zusatzangebote nach dem Unterricht bestritten, wie Hausaufgabenbetreuung sowie kreative und sportliche Angebote.
„Die Hauptschule hat durch das Profil der Brennpunktschule und den damit zur Verfügung stehenden zusätzlichen Pflichtstunden und freiwilligen Angeboten hervorragende Möglichkeiten, die Schüler individuell zu fördern“, so Jutta Jantzen. Gerade in den zusätzlichen Stunden könnten die oftmals ohnehin benachteiligten Schüler für sie wichtige Qualifikationen erwerben. Mit der Schließung der Hauptschule würden auch die Schülerlotsen sowie die Pausenpaten für die Grundschüler wegfallen. Der Elternbeirat habe sich zum Ziel gesetzt, in den nächsten Wochen auf das besondere Profil der Vaihinger Hauptschule aufmerksam zu machen. Mit der Beibehaltung der Vaihinger Hauptschule könnten künftig Schüler aus Enzweihingen oder Kleinglattbach von diesem Profil profitieren. In den nächsten Wochen wird der Elternbeirat durch verschiedene Aktionen wie Informationsstände und Unterschriftenlisten in der Öffentlichkeit auf sein Anliegen hinweisen.
Oberbürgermeister Gerd Maisch sagte auf Nachfrage unserer Zeitung, dass es nicht Ziel der Stadt sei, eine Brennpunktschule zu erhalten. Durch eine Zusammenlegung der Schulen würden ohnehin ein Drittel Mehrstunden entstehen. Wenn bei einer Schließung der Vaihinger Hauptschule die Voraussetzungen für ein Brennpunktprofil immer noch gegeben wären, könne er sich unterdessen „nicht vorstellen, dass das Land die Augen davor verschließt“.
Derzeit gebe es an drei Schulen vier Klassen. Die Stadtverwaltung folge der Meinung des Kultusministeriums, dass der Zweizügigkeit die Zukunft gehöre. „Die werden wir auch unterstützen“, so der OB. Bei der Frage, welche Schule es treffen würde, seien viele Aspekte in die Überlegungen miteinbezogen worden: Wie können wo die Räume genutzt werden? Wie sehen die Kapazitäten in den Sporthallen aus? Wie können freiwerdende Räume genutzt werden? Wie kann die Schülerbeförderung geregelt werden?
Im Moment baue das Land noch darauf, dass sich die Kommunen freiwillig an die Zusammenlegung von Schulen machen. Später entscheide das Land über die Lehrerversorgung. „Darauf möchte ich nicht warten“, sagte Oberbürgermeister Gerd Maisch. Vielmehr wolle er so früh wie möglich die beste Schulsituation erreichen. „Und das ist die zweizügige Hauptschule.“
Derzeit seien die Schulen zu einer Stellungnahme aufgefordert. Ziel sei es, im Januar im Gemeinderat über das Thema debattieren zu lassen. Die Schließung der Vaihinger Hauptschule – oder einer anderen – könne frühestens zum Schuljahr 2010/11 kommen. Doch egal ob 2010 oder 2015: „Es wird so kommen“, sagte der OB.


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