Donnerstag, 24. Mai 2012

Stadt will Touristen anlocken


Das Vaihinger Aushängeschild: Schloss Kaltenstein. Foto: VKZ-Archiv

Vaihingen – Die Stadtverwaltung denkt über ein neues Tourismuskonzept nach. Eine Studie soll klären, wie mehr Besucher in die Stadt gelockt werden können. Zwei Unternehmen haben dafür Angebote vorgelegt – der Gemeinderat soll morgen entscheiden, welches den Zuschlag erhält.

Steigende Lebenskosten lassen auch Urlaube teurer werden. Deshalb entscheiden sich immer mehr Menschen für Reiseziele im eigenen Land. Deutschland ist mittlerweile das beliebteste Urlaubsland der Deutschen geworden – etwa ein Drittel der Bundesbürger verzichtet mittlerweile auf Reisen ins Ausland. Diese Tatsache will sich auch die Stadt Vaihingen zunutze machen: Anhand einer Studie will die Verwaltung herausfinden, wie Vaihingen für Urlauber attraktiver werden kann. Ziel ist es unter anderem, die Übernachtungszahlen weiter zu steigern. Im Jahr 2007 übernachteten 24591 Gäste in der Stadt. Im Jahr 1998 waren es nur 13886 Personen.

„Für ein neues Konzept brauchen wir Hilfe von außen“, sagt Stadtkämmerer Jürgen Liegmann. Die Verwaltung wolle sich die Stärken und die Schwächen der Stadt aufzeigen lassen. „Und das können zur Profis.“ Zwei Institute haben sich der Stadtverwaltung in dieser Sache Angeboten – mit unterschiedlichen Konzepten.

Die AMW Instituts GmbH aus München schlägt eine wissenschaftlich methodische Untersuchung an. Das Institut schlägt vor, sich an der Nachfrage zu orientieren und „empirisch begründete und kreative Vorschläge für das weitere Vorgehen“ zu erarbeiten. Es wurden Kosten in Höhe von 13685 Euro veranschlagt.

Damit hat das Münchner Unternehmen, das von einem Hochschulprofessor geleitet wird, den Sozial- und Kulturausschuss der Stadt jedoch nicht überzeugt. In nichtöffentlicher Sitzung beschloss das Gremium, dem Gemeinderat vorzuschlagen, das Unternehmen Projekt M GmbH mit Büros in Berlin, Lüneburg und Stuttgart zu beauftragen. In der Sitzungsvorlage für die Vaihinger Kommunalpolitiker heißt es, dass dieses Konzept sich mehr auf die Angebotsseite beziehe. Im Gegensatz zur Konkurrenz habe die Projekt M GmbH zudem die Punkte Produktentwicklung und Marketing, Infrastruktur und Erlebnisraumdesign, Neuorganisation des Tourismusmanagements und das Abstimmungsmanagement mit Dokumentation im Portfolio. „Dementsprechend wird das Ergebnis dieser Studie tiefgründigere und praxisorientiertere Ergebnisse zeitigen können“, heißt es in dem Papier.

Die tiefgründigeren Ergebnisse haben jedoch ihren Preis. Unterm Strich steht im Angebot des Unternehmens eine stolze Summe: 34153 Euro. Auf einmal möchte das die Verwaltung nicht investieren: „Wir würden zuerst einen Teil in Anspruch nehmen, um dann zu sehen, ob die Ergebnisse sinnvoll sind und uns weiter bringen“, sagt Liegmann. Dieser erste Teil würde 13685 Euro kosten.

Das Projekt des Stuttgarter Büros sieht zum Beispiel einen Ziele-Workshop mit allen relevanten Anbietern vor. Denn zwar gebe es bisher Werbemaßnahmen für die Stadt, es fehle jedoch ein wirkliches Konzept, dass die komplexen Zusammenhänge der einzelnen Branchen berücksichtige. In dem Workshop sollen sich deshalb Vaihinger Gastronomen, Winzer, Hotelbetreiber und andere Gewerbetreibende an einen Tisch setzen und danach vor allem an einem Strang ziehen.

Die Projekt M GmbH kann in Sachen Tourismuskonzept auf jahrelange Erfahrung zurückgreifen: Die rund 30 Mitarbeiter haben bereits Konzepte für die Regionen Odenwald, Nordhessen, Thüringer Wald und die Lüneburger Heide entworfen. Außerdem erarbeitet das Unternehmen das neue Tourismuskonzept für das Land Baden-Württemberg und für den Naturpark Stromberg-Heuchelberg.

Philipp-Marc Schmid


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