Vaihingen – Die kleinen Busbetriebe im Kreis bangen um ihre Existenz. Aufgrund einer EU-Verordnung muss der Landkreis seine Buslinien öffentlich vergeben, damit ein Wettbewerb unter den Betreibern entsteht. Die Busunternehmer fürchten nun, dass sie von großen Unternehmen vom Markt verdrängt werden könnten.
Die Europäische Union hat eine neue Nahverkehrsverordnung beschlossen. Das Papier sieht unter anderem vor, dass unter den Verkehrsbetrieben ein Wettbewerb entstehen soll. Ziel ist es, den Nahverkehr wirtschaftlicher zu organisieren. Damit es zum gewünschten Wettbewerb kommt, muss am Vergabeverfahren der Buslinien einiges geändert werden – auch im Kreis Ludwigsburg.
Bisher hatten die Busunternehmer im Kreis ein recht sicheres Standbein. Wer einmal eine Konzession für eine Buslinie bekommen hat, hat die in der Regel nicht mehr so schnell verloren. „Viele Konzessionen wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts erteilt“, sagt Jürgen Vogt, Verkehrsdezernent beim Landratsamt Ludwigsburg. Eine solche Genehmigung erlaubt es einem Busunternehmer, acht Jahre lang eine bestimmte Buslinie zu betreiben. Läuft die Konzession aus, wurde sie bisher in der Regel verlängert. „Vorausgesetzt, dass das Unternehmen zuverlässig war.“ Die Konzessionen wurden so von Generation zu Generation weitergereicht.
Doch dieses sichere Standbein der kleinen Busunternehmer scheint jetzt zu bröckeln. Ein Wettbewerb unter den Nahverkehrsbetrieben, wie ihn sich die EU wünscht, kann nämlich nur entstehen, wenn die Vergabe der Linien geöffnet wird. Wenn in Zukunft ein Streckenteil frei wird, weil zum Beispiel eine Konzession ausgelaufen ist, muss europaweit ausgeschrieben werden. Zum Zug kommen dann unter Umständen nicht mehr die alteingesessenen Busbetriebe, sondern die, die das günstigste Angebot abgeben. Das öffnet Tür für Konzerne aus dem Ausland.
Im Kreis Ludwigsburg greift diese Regelung allerdings erst im Jahr 2014, da die Verordnung eine Übergangszeit zulässt. Damit der Verwaltungsaufwand in sechs Jahren überschaubar bleibt und nicht jede Buslinie einzeln vergeben werden muss, wird jetzt das Busnetz neu strukturiert. Nach und nach entstehen 15 Teilnetze im Kreis. Jedes dieser Netze soll ab 2014 von einem Unternehmen betrieben werden. Die Stadt Vaihingen wird dann von vier dieser Teilnetze erreicht.
„Ob wir die neue Regelung überleben, oder ob sie unser Ende bedeutet, wissen wir noch nicht“, sagt ein Busunternehmer, dessen Fahrzeuge hauptsächlich rund um Vaihingen verkehren. Die Angst vor den großen Konzernen sei jedoch da. „Die können unter Umständen günstigere Angebote machen.“
Im Landratsamt ist man von der Existenzangst der kleinen Busunternehmer überrascht. „Wir haben die meisten Teilnetze extra klein gestaltet“, sagt Jürgen Vogt. Damit wolle man sicherstellen, dass auch die lokalen Betriebe eine Chance hätten und das die Teilstücke für große Unternehmen unattraktiv seien. „Wegen so kleinen Gebieten kommt keiner aus dem Ausland“, ist sich Vogt sicher.
Anders sehe es hingegen im Stadtbereich Ludwigsburg aus. In diesem Verkehrsraum legen die Busse etwa 3,6 Millionen Kilometer zurück. „Das ist schon etwas attraktiver, als rund 536500 Kilometer in Vaihingen“, sagt Vogt. Zudem ermögliche die EU-Verordnung auch Direktvergaben an Betriebe. Das komme den kleinen Unternehmen zugute.
Das Teilnetz Vaihingen umfasst die Linien zwischen Vaihingen und Hohenhaslach, Gündelbach und Eberdingen sowie zwischen Vaihingen und Hochdorf. Das Netz Vaihingen-Oberriexingen umfasst die Linien von Sersheim nach Vaihingen und von Oberriexingen nach Ensingen. Außerdem werden die Linien von und nach Feuerbach zum Teilnetz Strohgäu West zusammengefasst. Der Verkehrsraum Nord umfasst die Verbindungen rund um Bietigheim – mit einer Linie, die bis nach Vaihingen reicht.
Philipp-Marc Schmid
