Donnerstag, 24. Mai 2012

Luftballon-Demo im Enztal


Informationen zur Umgeuzngsplanung. Foto: Arning
Informationen zur Umgehungsplanung. Foto: Arning

Enzweihingen (aa) – „Wo sind denn die Ballone?“ Die Frage eines Kollegen war durchaus berechtigt. Die Luftballon-Demonstration der Schutzgemeinschaft Mittleres Enztal hatte insgesamt nicht ganz den gewünschten Effekt. Der Westwind drückte gestern die Ballone im Enztal fast bis auf den Boden runter. Mit ihnen sollte eigentlich eine „unverantwortliche Landschaftsverschandlung“ dokumentiert werden.
Im Juli hatte sich die Schutzgemeinschaft gegründet, die sich nachdrücklich gegen einen Ausbau der Bundesstraße 10 als Umgehungsstraße durch das Enztal wehrt und gegen eine weitere Flächenversiegelung in der Enzaue durch Siedlungen und Straßen protestiert. „Wir wollen eine umweltverträgliche Lösung der Verkehrsprobleme des Enztals, insbesondre durch einen Tunnel oder alternative Varianten der B10 in Enzweihingen“, sagt ihr Sprecher Elmar Schelkle.
„Vielen fällt es schwer, sich die Planung in der Landschaft vorzustellen“, begründet die Vaihinger Grünen-Stadträtin Ulrike Schmidt-Hitschler die gestrige Luftballon-Aktion. Die Hilfestellung kam zum Leidwesen der Macher nur unvollständig an. Doch ab und zu stiegen die mit Helium gefüllten Ballone nahezu so hoch, wie die Straße durch das Enztal geführt werden soll. Die Straßenebene auf rund acht Metern Höhe sollte durch rote Ballone gekennzeichnet werden, die gelben Ballon die Höhe der Lärmschutzwände, zwei bis vier Meter höher als die Straße.
„Schade“, kommentierte Thomas Hitschler gestern Mittag das muntere Flattern der Ballone auf den Wiesen und an den Bäumen. „Jetzt war es tagelang windstill.“ Doch mit etwas Fantasie konnten sich die Spaziergänger im Enztal die Dimensionen der Umgehung durchaus vorstellen. „Wir wollen auch zeigen, dass nicht alle Enzweihinger hurra schreien“, meint Elmar Schelkle. „Viele vermissen echte Alternativen zur Umgehung.“ Die Schutzgemeinschaft strebt eine offene Diskussion an, will vor allem auch innerorts Lösungen suchen. Schelkle: „Alle sind inzwischen auf die Umgehung fokussiert, dabei ist auf der alten Trasse auch Platz vorhanden, mindestens 25 Meter.“
Die Schutzgemeinschaft sieht durch den Bau einer Umgehungsstraße keine gravierende Verbesserung der Lärmschutzsituation im Ort: durch Enzweihingen würden weiterhin mehr als 10000 Autos fahren. Die Umgehung schaffe eine zusätzliche Lärmbelastung, landwirtschaftliche Flächen und Überflutungsräume für Hochwasser würden tangiert, das Enztal verliere seinen Wert für Naherholungssuchende.
Mindestens 1000 Unterschriten sollen gegen die Umgehungsstraße gesammelt werden. Gestern kamen rund 200 zusammen, zwei Drittel aus Enzweihingen. Selbst bei Schmuddelwetter wollte der Strom der Interessenten kaum abreißen.
Nach dem Informationsstand von Anfang Oktober wird am Vorentwurf für die modifizierte Variante A der Umgehung, der eigentlich im Sommer fertig sein sollte, immer noch beim Regierungspräsidium gearbeitet. Vielleicht hat sich in den letzten Wochen etwas getan…


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