Ludwigsburg/Eberdingen (aa) – Wer hätte das gedacht? Eberdingen steht bei den Steuereinnahmen pro Einwohner an der Spitze im Landkreis Ludwigsburg und rangiert deutlich vor Ditzingen. Mit Sersheim hat sich eine weitere Gemeinde aus dem Raum Vaihingen Platz drei geholt. Gewerbesteuernachzahlungen haben es möglich gemacht. Vaihingen ist dagegen lediglich auf Position 30 zu finden. Oberriexingen auf Platz 33.
Der Haushalt des Landkreises wird derzeit in den Ausschüssen beraten (am Montag zum Beispiel im Verwaltungsausschuss). 506 Millionen Euro umfasst der Kernhaushalt, 448 Millionen im Verwaltungshaushalt, 58 Millionen Euro im Vermögenshaushalt. Alleine die Umlage, die bei den Städten und Gemeinden erhoben wird, liegt bei 182,7 Millionen Euro.
Selbst bei der geplanten Senkung der Kreisumlage auf 32,5 Punkte wird der Landkreis im kommenden Jahr mehr Geld in die Kassen bekommen als bei der aktuellen Quote von 34,5 Prozent. 2008 sind 174,6 Millionen Euro veranschlagt. Basis für die Kreisumlage sind die Steuereinnahmen der Kommunen aus dem vorvergangenen Jahr. Für 2009 wird also 2007 zugrunde gelegt. Insgesamt nahmen die Städte und Gemeinden in diesem Vergleichsjahr 562,1 Millionen Euro ein, 56 Millionen mehr als 2006.
Zum Spitzenreiter. Woran liegt es, dass sich Eberdingen von Rang 21 auf Position eins schoss? Es war ganz einfach eine dicke Nachzahlung einer einzigen Firma. Die 6500 Einwohner zählende Dreier-Gemeinde konnte statt der in normalen Jahren üblichen 2,5 bis 3 Millionen Euro Gewerbesteuer im vergangenen Jahr um die zehn Millionen einnehmen. Von Nachhaltigkeit könne da keine Rede sein, wird im Rathaus gesagt; man rutsche sicher wieder ins Mittelfeld ab. Auch in Sersheim, wo man sich von Platz 22 auf den Bronze-Rang schob, ist die Lage nicht anders: Eine fette Nachzahlung besorgte das Plus.
Vaihingen im
hinteren Drittel
Die Kehrseite der Medaille: Von den guten Einnahmen des Jahres 2007 partizipieren durch den zweijährigen Versatz zum Beispiel das Land, die Region und der Kreis. Die Eberdinger Umlage an den Landkreis steigt immerhin auf 3,9 Millionen Euro an (das entspricht 601 Euro/Einwohner). Im laufenden Jahr sind es nur 1,9 Millionen Euro (293 Euro/Einwohner). Sersheim muss 2,5 Millionen (447) an die Kreiskasse überweisen, was rund eine Million mehr ist als 2008. In Oberriexingen ist die Steuerkraftsumme auf 2,6 Millionen Euro angestiegen. Die Kreisumlage beträgt 2009 rund 854000 Euro (2008: 773000). Die Große Kreisstadt Vaihingen bleibt bei der Steuerkraftsumme im hinteren Drittel der insgesamt 39 Gemeinden. Mit 26,4 Millionen Euro ist der Wert ermittelt worden (915 Euro/Einwohner). Das macht bei der Kreisumlage 8,6 Millionen Euro aus (297 Euro/Einwohner). Im aktuellen Rechnungsjahr sind es 8,2 Millionen Euro (287 Euro/Einwohner). Auch in Sachsenheim hat sich wenig getan: 4,9 Millionen Euro muss die Stadt an Gewerbesteuer berappen, was dem Satz von 2008 entspricht. Schlusslicht in der Rangfolge ist übrigens seit mehreren Jahren Freudental, die bevölkerungsmäßig kleinste Gemeinde des Landkreises (2461).
Bei der ersten Lesung des Etats im Verwaltungsausschuss wurde unter anderem gelobt, dass das Zahlenwerk ausgeglichen ist, dass Sondertilgungen vorgesehen sind und die Kreisumlage um zwei Punkte gesenkt werden soll (CDU-Fraktionschef Manfred Hollenbach). Insgesamt bezeichnete der Murrer Bürgermeister das 653 Seiten starke Werk aber als „Chaos“. Man blicke kaum durch. Hollenbachs Vorschlag: Mal auf Landkreistagsebene eine Initiative starten.
Von der SPD kam unter anderem der Antrag, für die Schulsozialarbeit an den Berufsschulen zwei weitere Stellen einzurichten. Der Allgemeine Soziale Dienst (ASD) soll vier weitere Mitarbeiter erhalten. Die Grünen wollen zum Beispiel über die Planungen hinaus den Tagesmütterverein mit 150000 Euro unterstützen. Sie haben zudem einen weiteren Vorstoß in Sachen Wirtschaftsförderer für den Landkreis unternommen, was von der CDU als realitätsfremd bewertet wurde. „Unternehmen anzuwerben ist in den Gemeinden Chefsache“, meinte Manfred List, ehemaliger Oberbürgermeister der Stadt Bietigheim-Bissingen. Man brauche keine weitere Instanz zwischen der Region und den Kommunen. Landrat Dr. Rainer Haas hat indessen durchaus Sympathie für den Wirtschaftsförderer, ist doch der Landkreis Ludwigsburg der einzige Kreis in der Region, der diese Position nicht besetzt hat.
