Donnerstag, 24. Mai 2012

Radikalkur an der Enz


Neuer Blick auf die Enz. Foto: Rücker
Neuer Blick auf die Enz. Foto: Rücker

Vaihingen (sr) – Was in Vaihingen am Enzufer zunächst als Verkehrssicherungsschnitt begann, hat sich mittlerweile zu einer Radikalkur ausgeweitet. „Es bestand in der Bevölkerung der Wunsch, den Fluss sichtbar zu machen“, erläutert Jochen Boger, Amtsleiter für Technische Dienste und Feuerwehrwesen der Stadt Vaihingen.
„Ich seh’ ja nur noch Laternenpfosten“, erregt sich eine Vaihingerin beim aktuellen Anblick des Enzufers an der Enzgasse vom Pulverturm bis zur Vaihinger Mühle. Der Wunsch mancher Vaihinger, den Fluss wieder ins Blickfeld und Bewusstsein zu rücken, stößt anderen bitter auf. „Mir gefällt’s gar nicht“, sagt ein Anwohner, „ich finde, die wilde Vegetation gehört zum Flusslauf dazu. Jetzt ist es extrem kahl, das kann man ja gleich betonieren.“ Jochen Boger ist die Doppelwertigkeit des Radikalschnittes bewusst. Der Amtsleiter für Technische Dienste und Feuerwehrwesen: „Es ist ganz klar eine ambivalente Geschichte. Die Sicht auf die Enz geht mit weniger Raum für die Vögel einher.“ Ende Oktober wurde mit einem Verkehrssicherungsschnitt an den größeren Gehölzen – Weiden und Eschen – begonnen. Lampen und Schilder sollten wieder freigelegt und die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer gewährleistet werden. Boger: „Dabei hat sich gezeigt, dass aufgrund von Morschungen und Höhlungen ein kräftigerer Schnitt nötig war.“ Dadurch sei man immer weiter in den Bestand vorgedrungen und habe sich teilweise in gesundes Holz hineinarbeiten müssen, so der Gartenbauingenieur weiter. Während bei den Trauerweiden der überhängende Habitus so gut wie möglich erhalten bleiben sollte, habe der asymmetrische Schnitt an den kleineren Gehölzen zwischen den Weiden optisch unschön gewirkt. Besonders bei den sogenannten Wildlingen von Esche, Ahorn und Haselnuss stieß der einseitige Schnitt auf wenig Gegenliebe bei der Bevölkerung, berichtet der neue Amtsleiter. Richtung Mühle sei zwischen den großen Trauerweiden sowieso schon der Durchblick möglich gewesen, sagt Boger, das werde nun in Richtung Enzbrücke in der Auricher Straße fortgeführt. „Für die Vögel ist das ein Einschnitt“, räumt Boger ein, „aber die können ja an andere Uferabschnitte ausweichen.“ In Zukunft werde angestrebt, „dass die Wildlinge in der Form nicht mehr so stark aufkommen“, so Boger.


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