Donnerstag, 24. Mai 2012

Kindergarten feiert Jubiläum


Aufführung in der Illinger Stromberghalle. Foto: Stahlfeld
Aufführung in der Illinger Stromberghalle. Foto: Stahlfeld

Illingen (eld) – Die Mädchen und Buben vom Illinger evangelischen Kindergarten „Kunterbunt“ haben am Samstag mit rund 350 Gästen in der Stromberghalle von Illingen ein riesiges Fest gefeiert. Die Feier zum 100-jährigen Geburtstag des Kindergartens war eine kunterbunte Spurensuche.
Gertrud Bauer-Juhasz kann sich zwar nicht an die Eröffnung des Kindergartens im Jahre 1908 erinnern. Aber mit ihren 98 Jahren war sie am Samstag das älteste ehemalige Kindergartenkind im Saal. Und die Illingerin wussten noch genau wie es war, als sie 1916 mit sechs Jahren in den Kindergarten kam.
„Wir hatten großen Respekt vor der Schwester mit ihrer großen Haube“, erzählte die Seniorin. Streng sei die Schwester Karoline gewesen. Aber die Mutter habe aufs Feld gemusst, sie und ihre beiden Schwestern deshalb in den Kindergarten. Gertrud Bauer-Juhasz: „Seitdem hat sich viel verändert.“
Den eindrucksvollen Beweis für diese Veränderungen lieferten die Kinder selbst. Gemeinsam mit ihren Erzieherinnen führten sie das Märchen Dornröschen auf. Es war eine prachtvolle Inszenierung voller liebevoller Details, die das Publikum in seinen Bann zog. Das Singspiel bildete den Auftakt zu einem umfangreichen Programm, in dem unter anderem die Posaunenchöre aus Illingen und Ötisheim aufspielten, verschiedene Kindergarten-Jahrgänge einzogen, Ehemalige erzählten und viel gesungen wurde.
„Der Kindergarten hat keine hundert Jahre geschlafen“, sagte Pfarrer Thomas Koser-Fischer in Anlehnung an das Märchen, als er die Gäste zum Kindergartenjubiläum und Gemeindefest begrüßte. Vielmehr seien die Vorbereitungen „wie ein neues Erwachen gewesen“. Vieles sei in der Gemeinde wieder entdeckt worden.
„Kurz und knackig“ solle er sein Grußwort halten, erzählte Bürgermeister Harald Eiberger von den ihm auferlegten Vorgaben und überreichte mit einem Schmunzeln deshalb rote Würste. Er dankte für die Arbeit im Kindergarten, der zu den beliebtesten in Illingen gehöre. In der Anfangszeit, so wusste der Schultes zu berichten, gab es nur eine Puppe im Kindergarten. Mit der durfte das jeweilige Geburtstagskind spielen. Und Kinder gab es damals genug, wie Schuldekan Manfred Lipp in seinem Grußwort feststellte: „Vor 100 Jahren waren es 80 Kinder, heute noch ein Viertel.“ Für die Landwirte sei es wichtig gewesen, dass die Kinder während der Erntezeit versorgt waren. Der Nachwuchs sollte spielen, basteln, singen und ein Stück weit hineinfinden in die christliche Kultur.
„Erziehung ist Beispiel und Liebe“, zitierte Wolfgang Schwaab, Leiter des Enzkreis-Jugendamtes, den Schweizer Pädagogen Johann Heinrich Pestalozzi. Ein Blick in die Akten des Jahres 1931 zeigte ihm, dass dieser für ihn zeitlose pädagogische Ansatz auch in Illingen in die Tat umgesetzt wurde. Von einer Leiterin und 76 Kinder war in den Akten die Rede. Und es habe ein feiner Ton im ganzen Betrieb geherrscht.
Flexible Öffnungszeiten und die Betreuung unter Zweijähriger gehörten, so Schwaab, zu den heutigen Anforderungen, denen sich ein Kindergarten zu stellen habe. Der Amtsleiter: „Weil sich die gesellschaftlichen Verhältnisse so entwickelt haben, dass beide Elternteile berufstätig sein müssen, um am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können.“ Die Anforderung an die Zukunft bestehe darin, allen Erfordernissen gerecht zu werden: Flexibilität und dem Bedürfnis der Kinder nach Schutz und Geborgenheit.
Unterstützung kam von der Sparkasse Pforzheim-Calw. Illingens Filialdirektor Berthold Heiling überreichte einen Scheck über 2000 Euro zur Finanzierung der Festschrift.


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