Donnerstag, 24. Mai 2012

Visitations-Tournee vor dem Abschluss


Der ideale Pfarrer gesucht. Foto: Arning
Der ideale Pfarrer gesucht. Foto: Arning

Vaihingen (aa) – Die „Tournee“ des Prälaten durch den evangelischen Kirchenbezirk Vaihingen steht vor dem Abschluss. Am Donnerstag stand im Rahmen der Visitation das Thema „Kirche in unserer Gesellschaft“ auf dem Plan – mit Bürgermeistern, Unternehmern, Behördenvertretern, Vereinsvorsitzenden, Landwirten, Schulleitern, Polizisten, Politikern…
Die Visitation hat im Kirchenbezirk einen extrem hohen Stellenwert. Dekan Hartmut Leins spricht fast schon von einem Langstreckenlauf, der zu absolvieren gewesen sei. „Aber wir kommen allmählich ans Ziel“, freut er sich. Der Bericht liegt inzwischen gedruckt auf 197 Seiten vor (die VKZ hat berichtet). In den nächsten Tagen wird sich Prälat Ulrich Mack noch mit der Bezirkssynode austauschen. Sein Eindruck vom Kirchenbezirk Vaihingen? „Ich bin im Großen und Ganzen zufrieden“, sagt er, „ich habe sehr viel erfahren.“ Die Visitation will er ohnehin nicht als Controlling verstanden wissen, eher als ein Hingehen und fragen: „Wie geht es dir?“
Treffpunkt Jugenddorf-Aula. Die Gäste werden an Sechser-Tischen platziert und sollen sich nicht nur berieseln lassen. „Wie erleben Sie die evangelische Kirche im Bezirk? Was erwarten Sie von ihr?“ Diese Fragen werden in den bunt gemischten Gruppen erörtert und protokolliert.
„Kirchenarbeit von
enormer Vielfalt“
Vaihingens Oberbürgermeister Gerd Maisch darf seine Gedanken am Mikrofon erläutern. Er will die gemeinsame Kinder- und Jugendarbeit weiterentwickeln, sieht die Familien- und Seniorenarbeit als ungeheuer spannend für die künftigen Jahre und würde sich freuen, wenn sich die Kirche auch bei Themen wie Flächennutzungsplan oder Einzelhandelsversorgung einbringen würde. Maisch lobt die Arbeit im Kirchenbezirk (vor allem in der Kinderbetreuung):„Sie ist von einer enormen Vielfalt.“
Für Schlaglichter aus dem Kirchenbezirk ist unter anderem Michael Marek von der Diakonischen Bezirksstelle zuständig. „Wort und Tat sollen zueinander finden“, meint er und führt einen Film über die Bezirksstelle vor. Marek ist besonders auf rund 100 Ehrenamtliche stolz, die sich in verschiedenen Angeboten vom Tafelladen bis zu den Selbsthilfegruppen einbringen.
„Kirche macht Schule“ heißt der Beitrag des Sachsenheimer Lichtenstern-Gymnasiums. Seit dem Schuljahr 2002/03 betreibt das Gymnasium zwei Schulzweige unter einem Dach: Das zweizügige Gymnasium ab Klasse 5 für Jungen und Mädchen als Ganztagesschule (verpflichtend an drei Tagen, der vierte Nachmittag kann hinzu gewählt werden) und das Internat für Mädchen ab Klasse 11. Schulleiter Reinhard Gronbach ist stolz auf das Profilfach Ökonomie/Diakonie, berichtet begeistert von Neigungsgruppen (zum Beispiel bei der Konstruktion eines eigenen Fahrrads „Lightstar“). Dass er nebenbei auch noch Werbung für die Internatschule macht, ist in diesem Rahmen durchaus legitim.
Von Schuldekan Manfred Lipp ist zu erfahren, dass es im Kirchenbezirk zwei private und 22 öffentliche Schulen gibt, dass 21 Mitarbeiter für den Religionsunterricht von 3841 Schülern sorgen. Lipp verschweigt nicht, dass 112 Schüler aus dem Reli-Unterricht ausgetreten sind, auf der anderen Seite aber auch 781 nicht-evangelische Schüler den Religionsunterricht besuchen.
Wie der ideale Pfarrer aussehen sollte („Pfarrer de Luxe“), beschreibt Thomas Moser, Seelsorger in Vaihingen: Scharfe Augen und ein guter Riecher seien nötig, man müsse sich Namen merken können, ein starkes Rückgrat, ein dickes Fell und ein offenes Herz haben. Man brauche Hände zum Segnen und um Gaben weiterzugeben. 24 solcher Exemplare gibt es übrigens im Vaihinger Kirchenbezirk.
Dass Kirche und Kabarett sich nicht ausschließen müssen, stellen die Damen vom Erzieherinnen-Kabarett unter Beweis. Sie singen, dass jede Woche ein neues Projekt komme, „und ich werf’s in der Regel weg“. „Und jetzt schon mit vier Jahren, da fängt die Schule an“, kritisieren sie und fragen: „Sag’, wo gehn die Gelder hin?“ Leitbild, Statistik, Ganztagesbetreuung, Orientierungsplan – „alles koi Problem. Das alles und noch viel mehr, würd’ ich machen…“. Doch dann der Zwischenruf des Jungen auf der Bühne: „Aber nur, wenn ihr mich nicht vergesst. Schließlich bin ich ja der Mittelpunkt.“
Der Prälat, für den der Abend samt schwäbisch-pommerschen Büfett (Kooperation zwischen der CJD-Küche und dem Hotel Asgard auf Usedom) initiiert wird, zeigt sich nach drei Stunden durchaus beeindruckt, nennt Beziehungen, Freiheit und Barmherzigkeit als wichtige Stichworte im Zusammenspiel von Kirche und Gesellschaft, freut sich über eine lebendige Ökumene. Und die abschließend Bitte von Dekan Leins an alle: „Bleiben wir miteinander im Gespräch.“ Auch nach der Visitation.


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