Illingen (rkü) – Seine wechselvolle Geschichte und die vielfältigen Charaktere der jungen Besucher haben dem Illinger Kindergarten neben der Cyriakuskirche den Namen „Villa Kunterbunt“ eingebracht. Am Wochenende wird das 100-jährige Bestehen dieser Einrichtung mit einem bunten Jubiläumsfest gefeiert.
Auch wenn der Kindergarten heute in der Trägerschaft der evangelischen Kirchengemeinde Illingen steht, war das nach der Gründung jahrzehntelang nicht so. Im Jahr 1896 beschloss der bürgerliche Gemeinderat, einen Fonds zur Gründung einer Kleinkinderschule einzurichten. Jährlich zahlte die Gemeinde 100 Mark ein, außerdem flossen weitere Spenden in den Fonds – auch von der evangelischen Kirchengemeinde. Erst 1907 war genügend Geld beisammen, um ein Gebäude neben der Kirche entsprechend herrichten zu können. Am 1. November 1908 wurde die Kleinkinderschule eröffnet, als Lehrerinnen wirkten in der Anfangszeit Kinderschwestern des evangelischen Mutterhauses Großheppach in Illingen. Schon bald beantragten der evangelische Pfarrer und der Dekan, dass die evangelische Kirche über den inneren Betrieb der Schule wachen solle, auch wenn sie als Einrichtung der bürgerlichen Gemeinde von dieser finanziert werde.
Im Jahr 1912 kam Karoline Lehmann nach Illingen, wo sie insgesamt 35 Jahre als Kindergartenleiterin wirkte. Alte Illinger erinnern sich noch an die Zeiten mit Schwester Karoline, die mit den Kindern gern zum Sandkasten oder ins Wiesental lief und dort sang. Auch las sie aus ihrem Geschichtenbuch vor. Wenn das Buch zu Ende war, fing sie vorne wieder an – die Kinder kannten die Geschichten nach einiger Zeit beinahe auswendig. Während des zweiten Weltkriegs wurde Schwester Karoline entlassen, den Kindergarten führte fortan die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt.
Als diese Zeit überstanden war, stieg die evangelische Kirchengemeinde ein. Schon im Sommer 1945 übernahm sie den Kindergarten, wobei sie von der bürgerlichen Gemeinde unterstützt wurde. Später entstanden in Illingen weitere Kindergärten, damit konnte auch die Gruppengröße wesentlich reduziert werden. In der Anfangszeit wurden bis zu 90 Besucher in der recht beengten Kleinkinderschule untergebracht. Ein Erweiterungsbau verdoppelte später den verfügbaren Platz. Dennoch hatte in manchen Jahren die Aufnahmegrenze für Kinder auf vier, zeitweise sogar fünf Jahre hochgesetzt werden müssen, damit alle Kinder vor der Schule wenigstens für kurze Zeit einen Kindergarten hatten besuchen können. Heute hat sich die Lage entschärft. Es werden nur noch maximal 25 Kinder aufgenommen, um den gestiegenen Ansprüchen an die Arbeit in modernen Kindergärten zu genügen.
Zum Jubiläum beteiligt sich der Kindergarten am Gemeindefest der evangelischen Kirchengemeinde, das am Samstag (8. November) ab 14 Uhr in der Stromberghalle stattfindet. Das Motto „Kunterbunte Spurensuche“ gilt gleichermaßen für die umfangreiche Festschrift zum Jubiläum wie auch für das Festprogramm. Ein Höhepunkt soll der Einzug der Jahrgänge früherer Kindergartenbesucher sein. Den Abschluss bildet gegen 18 Uhr der Laternenlauf von der Halle zum Seniorenzentrum St. Clara. Am Sonntag wird nach einem Festgottesdienst ein Tag der offenen Tür im Kindergarten veranstaltet.
