Rayer: Haben Jugendliche gezündelt?
Horrheim (elf) – Bei dem Brand in Horrheim, der am Donnerstagabend eine leer stehende Werkshalle der Firma Rayer in der Sankt-Leonhard-Straße völlig zerstörte, schließt die Kriminalpolizei Brandstiftung nicht aus. Da Einsturzgefahr besteht, konnte die Brandursache bislang noch nicht geklärt werden. Bei dem Großfeuer entstand ein Schaden von rund einer halben Million Euro.
Am Tag danach war Ursachenforschung angesagt. Fünf Beamte der Vaihinger Kriminalpolizei, die Führung der Freiwilligen Feuerwehr Vaihingen sowie ein Mitarbeiter der EnBW standen am Freitag auf dem Hof vor den Überresten des ehemaligen Firmengebäudes, in dem Anfang des Jahres die Produktion eingestellt wurde und sammelten die Fakten. Nach Informationen der Polizei befanden sich in der leeren Halle lediglich noch leere hölzerne Rollen, die für die Aufnahme von aufgerolltem Blech verwendet wurden. Wie von der EnBW zu erfahren war, war das Gebäude noch nicht vom Stromnetz getrennt. Somit musste auch ein möglicher technischer Defekt in Betracht gezogen werden. Wahrscheinlicher ist es allerdings, dass zündelnde Jugendliche für den Großbrand verantwortlich waren. Nach Mitteilungen der Polizei war das Fabrikgebäude in der letzten Zeit teilweise von Jugendlichen als Treffpunkt genutzt worden. Unmittelbar vor der Entdeckung des Feuers, das am Donnerstag um 20.12 Uhr gemeldet wurde, beobachtete ein Zeuge drei dunkel gekleidete Personen, die aus Richtung des Fabrikgebäudes kamen. Unter der Telefonnummer (07042) 9410 sucht die Kriminalpolizei Vaihingen weitere Zeugen, die sachdienliche Hinweise geben können.
Gemeldet wurde der Brand von einem aufmerksamen Anwohner. Der hatte gegen 20 Uhr bemerkt, dass aus dem Dach zwischen dem Bürokomplex und einer Lagerhalle Flammen schlugen. Unter der Leitung von Kreisbrandmeister Arnd Marquardt und dem Vaihinger Stadtbrandmeister Thomas Fais bot die Freiwillige Feuerwehr Vaihingen das komplette Programm auf: 14 Fahrzeuge mit insgesamt 80 Wehrleuten aus Vaihingen, Horrheim, Gündelbach, Ensingen und Kleinglattbach und dazu noch die Atemschutztrupps aus Roßwag und Aurich waren nötig, um dem Feuer Herr zu werden. Von der Werksfeuerwehr der Firma Robert Bosch GmbH Schwieberdingen war ein Fahrzeug mit Teleskopmast im Einsatz, mit dem die Einsatzkräfte von oben löschen konnten.
„Mit viel Wasser und einem massiven Angriff von drei Seiten“ habe die Feuerwehr gegen die Flammen gekämpft, fasste der Vaihinger Abteilungskommandant Thomas Korz am Freitagmorgen zusammen. Bis vier Uhr morgens habe der Einsatz gedauert, ehe auf Brandwache umgestellt worden sei. Doch auch im Laufe des Freitags musste die Horrheimer Wehr immer wieder kleinere Brandherde löschen. Kein leichtes Unterfangen: Da die Werkshalle aus einer Stahlkonstruktion besteht, herrschte erhebliche Einsturzgefahr. Wie sehr das Feuer wütete, war an einigen verbogenen Stahlträgern zu sehen.
Neben einem Hubschrauber zur Fertigung von Übersichtsaufnahmen waren vorsorglich auch acht Einsatzfahrzeuge und 24 Helfer des Deutschen Roten Kreuzes, Ortsgruppen Vaihingen und Münchingen, vor Ort. Es wurde niemand verletzt, außerdem bestand auch keine Gefahr für die Anwohner, versicherte Thomas Korz. Dennoch hatten auch die Frauen und Männer des DRK alle Hände voll zu tun, denn sie versorgten die Feuerwehrleute mit Kaffee sowie mit Erbsensuppe und Würsten.
Unterdessen wurde – unter anderem von Bürgermeister Wilfried Nestle, der ebenso am Freitag zur Brandruine kam wie Oberbürgermeister Gerd Maisch – die Frage aufgeworfen, wie das einsturzgefährdete Gebäude vor unbefugtem Zutritt abgesichert werden könnte. Zur Klärung dieser Frage wurden Vertreter der Sparkasse Pforzheim Calw sowie die Verwalter des insolventen Unternehmens Rayer hinzugezogen. Nach Absprache mit Stadt, Polizei und Feuerwehr sorgte der städtische Bauhof für die Absperrung. Außerdem wurde eine Überwachungsfirma beauftragt, die das Gebäude personell absichern sollte.
