Donnerstag, 24. Mai 2012

VKZ-Interview mit dem Lions-Präsidenten


Lions-Präsident Heffner. Foto Bögel
Lions-Präsident Heffner. Foto Bögel

Am Sonntag findet in der Vaihinger Stadtkirche ein großes Benefizkonzert statt. Veranstalter ist der Lions Club Vaihingen. VKZ-Redakteur Uwe Bögel sprach mit dem amtierenden Lions-Präsidenten Stefan Heffner (43) über die Organisation und die Ziele von Lions. Heffner ist Filialdirektor der Kreissparkasse Ludwigsburg in Vaihingen.
Was ist Überhaupt Lions?
Lions ist eine weltweite Hilfsorganisation mit 1,35 Millionen Mitgliedern in 197 Ländern, organisiert in 45000 Lions Clubs, davon in Deutschland 1362 mit rund 45000 Mitgliedern. Die deutsche Interpretation der Buchstaben lautet: „Leben ist ohne Nächstenliebe sinnlos“.

Seit wann gibt es den Lions Club in Vaihingen?
Im Jahr 2001 kam aus einer Initiative des benachbarten Clubs Bietigheim-Bissingen ein Kreis interessierter Menschen aus verschiedensten Berufsgruppen zusammen, um sich mit der Idee der Lions zu beschäftigen und auseinanderzusetzen. Schnell reifte die Identifikation mit der guten Sache und so wurde der offizielle Gründungstermin bereits einige Monate später wahr.

Verschiedenste Berufsgruppen heißt konkret?
In unserem Club haben wir ein breites Spektrum von Angestellten bis Unternehmern ebenso wie vom Künstler bis zum Controller. Die Vielfalt macht es aus, von dieser können wir lernen und auch andere profitieren.

 Was haben sich die Lions in Vaihingen für eine Aufgabe gestellt?
Gemäß unserer Satzung möchten wir hilfsbedürftigen und benachteiligten jungen Menschen, insbesondere Kindern und Jugendlichen in und um Vaihingen helfen. Neben diesem lokalen Zweck gibt es aber auch überregionale Projekte wie zum Beispiel Präventionsprogramme Kindergarten Plus/Faustlos, Klasse 2000, die auch in Vaihingen umgesetzt werden und das weltweite Großprojekt Sight First II.

Was wurde konkret unterstützt?
Schauen wir zunächst einmal auf Vaihingen, dort ist der weitaus größte Teil der rund 50000 Euro Spendengelder bisher hin geflossen und das soll auch zukünftig so sein. Begünstigt wurden die Wilhelm-Feil-Förderschule, das CJD Jugenddorf, die weiterführenden Vaihinger Schulen, die Diakonie, fünf Kindergärten, die Lebenshilfe und andere mehr. Überregional gingen Spenden zu Gunsten von Kinderberg und der Projekte der Brenz-Band sowie für die Flutopfer an der Elbe.

Können Sie etwas zu den Programmen von Lions sagen?
Hier ist einmal Klasse 2000 zu nennen. Das seit 1997 an Grundschulen bewährte Programm zur Gesundheitsförderung, Gewalt- und Suchtprävention startet immer in der 1. Klasse und begleitet die Kinder bis zum 4. Schuljahr. Wir fördern von Beginn an Schulklassen und haben aktuell acht weitere Klassen für dieses Programm angemeldet. Ziel ist es mit einem Großsponsor 25 Prozent aller Grundschüler in den Vorzug dieser Hilfsleistung kommen zu lassen.

Was gibt es noch?
Lions Quest zum Beispiel fördert das Selbstbewusstsein der jungen Menschen an weiterführenden Schulen. Und dann „Faustlos“ für Schulen und Kindergärten. Initialzündung war die Übergabe eines sogenannten Faustloskoffers an die Wilhelm-Feil-Schule. Mit den Unterrichtsmedien hierin soll der Umgang mit Emotionen wie Wut, Ärger und Freude gelernt werden. Das hat uns damals so überzeugt, dass wir aktiv auf die Kindergärten zugegangen sind. Inzwischen arbeiten fünf Kindergärten damit und für fünf weitere sind die Faustloskoffer inklusive Schulung der Erzieherinnen bereits bestellt. Die Nachfrage steigt, das freut uns und ist gut für die Kinder und damit gut für Vaihingen.

Was versteckt sich hinter dem Großprojekt Sight First II?
Dieses weltweite Lions-Projekt hat zum Ziel, die vermeidbare Blindheit zu bekämpfen. Wenn wir jetzt nicht handeln, wird die Zahl der Erblindungen weltweit auf bis zu 75 Millionen steigen. Ziel ist es, diese von aktuell 37 auf 20 Millionen bis 2020 zu senken. Es gibt drei Phänomene dafür: In Afrika gibt es einen Augenarzt für eine Million Menschen – das heißt Ausbildung von Ärzten; zweitens neue Augenkliniken, um die Behandlung durchzuführen und drittens die Operation selbst, Sie kostet in Afrika gerade mal 30 Euro. Das heißt wir benötigen Geld für den Bau der Klinik, für die Ausbildung der Ärzte als auch für die Operationen.

Kann so ein Projekt von Lions überhaupt gestemmt werden?
Nein, nicht allein. Wir arbeiten hier sehr eng mit der Christoffel Blindenmission und auch mit der UNO und WHO sowie dem BMZ Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Aber weltweit sollen bis 2008 rund 150 Millionen US-Dollar gesammelt werden, 112 Millionen sind bereits geschafft.

Sie haben einen Kuschellöwen bei sich.
Das ist Liroy. Er wirbt als Symbol gegen vermeidbare Blindheit. Beim Benefizkonzert am Sonntag kann er für 20 Euro erworben werden. Hierzu spendet der Lions Club Vaihingen weitere zehn Euro, so dass mit jedem Löwen einem Kind in Afrika das Augenlicht geschenkt werden kann. Somit bekommt auch das Kind beim Spielen mit dem geschenkten Liroy einen Bezug zur Nächstenliebe.

Gibt es international bekannte Lions-Mitglieder?
Natürlich gibt es diese. Hier möchte ich aber nur einen nennen, weil er prima zum Thema passt: Jimmy Carter, 39. Präsident der USA. Sein Zitat hat unseren Club überzeugt, auch mit dem Benefizkonzert am Sonntag hier zu unterstützen: „Die Welt ist voller Probleme, vermeidbare Blindheit darf keines sein.“

Haben sie noch einen persönlichen Wunsch für die Lions?
Ich würde mich riesig freuen, wenn viele Vaihinger uns mit dem Besuch in der Stadtkirche am 1. Advent unterstützen.


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