Donnerstag, 24. Mai 2012

Illinger Wirtschaftsforum


Redner Rezzo Schlauch. Foto: Rücker
Redner Rezzo Schlauch. Foto: Rücker

Illingen (sr) – Mit dem Referenten Rezzo Schlauch hatten die Verantwortlichen des  Illinger Wirtschaftsforums ein Energiebündel ans Rednerpult gestellt. Zum Thema globaler Wettbewerb und europäische Kooperation sprach der Grünen-Politiker und anschließend Prof. Dr. Norbert Höptner. Der Tenor der Vorträge: Deutschland muss bei Innovationen, Forschung und Bildung investieren und das europäische Netzwerk muss engmaschiger werden, um auf dem Weltmarkt bestehen zu können.
Die Resonanz auf rund 300 verschickte Einladungen für das Illinger Wirtschaftsforum war mit 80 Rückmeldungen etwas mager ausgefallen. Daher lauschten die Zuhörer nicht in der Stromberghalle, sondern im Musiksaal der benachbarten Schule den Vorträgen. Auf die hypothetische Frage, warum so ein Wirtschaftsforum überhaupt stattfinde, wusste Bürgermeister Harald Eiberger die Antwort: „Es ist wichtig, dass man sich trifft.“ Der Gedankenaustausch zwischen Gewerbetreibenden, Politikern, Experten und Vereinsvertretern stehe für die Veranstalter, dem Bund der Selbstständigen und der Gemeinde Illingen, im Vordergrund. Zwei Redner waren angereist: Rezzo Schlauch, unter anderem ehemaliger Vorsitzender der Bündnis90/Grünen-Fraktion im Bundestag. Und Prof. Dr. Norbert Höptner, Direktor des Steinbeis-Europa-Zentrums, Europabeauftragter des Wirtschaftsministeriums Baden-Württemberg und Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Nordschwarzwald (WFG).
Am Mikrofon startete mit Rezzo Schlauch eine gewisse Urgewalt. Mit ganzem Körpereinsatz führte Schlauch durch seinen Vortrag mit dem Titel „Sind wir für den globalen Wettbewerb gerüstet?“. Die 20 Minuten veranschlagte Redezeit überzog der 60-Jährige locker um 100 Prozent. Durch geschickte Intonation der Worte, weit ausholenden Gesten und Klopfen ans Rednerpult hielt Schlauch sein Publikum bei der Stange.
 „Ich bin in der privilegierten Situation, dass ich weit weg von der Politik bin“, so Schlauch. Er arbeitet heute wieder in seinem Anwaltsberuf im Bereich der Wirtschaft. Auf den ersten Blick, meinte Schlauch, sei Deutschland gut für den globalen Wettbewerb gerüstet. Aber: „Im Leben ist es meistens komplizierter.“ Dann folgt ein Rückblick auf sein Wirken in der Rot-Grünen-Koalition. Stolz ist er auf die wohl schmerzhaften, aber wirksamen Reformen, die damals auf den Weg gebracht wurden. Der wichtigste Baustein dieser Regierungszeit sei die Arbeitsmarktreform gewesen. Schlauch: „Diese Reformen haben gewirkt.“ Deutschland sei nach wie vor Exportweltmeister und besitze immer noch eine der höchsten Produktivitäten weltweit. „Auf den ersten Blick haben wir die Herausforderung der Globalisierung zwar nicht beantwortet, sind sie aber angegangen“, verkündete der Rechtswissenschaftler.
Doch die eigene Mentalität stehe den Deutschen manchmal im Weg: „Nur jeder Fünfte sieht eine Chance in der Globalisierung.“ Defizite erkannte Schlauch in den Bereichen Bildung, Innovation und Forschung, diese „sind beileibe nicht gut für die Globalisierung gerüstet“. Die Fördergelder für die Exzellenzinitiative beispielsweise, die Hochschulen und Wissenschaft stärken sollen, seien viel zu gering, ein „Nasenwasser“. Erst, wenn Deutschland in diesen Bereich aufhole, könne man in Anbetracht des harten weltweiten Wettkampfs besser schlafen.
Prof. Dr. Norbert Höptner trug mit weniger Gesten, aber nicht minder eindringlich sein Thema „Innovation durch europäische Kooperation – Regionale Wirtschaftsförderung im Lichte der Lissabon-Strategie“ vor. „Europas Reichtum liegt im Wissen und Können seiner Menschen“, betonte der Diplomingenieur, Fachrichtung Nachrichtentechnik. Man müsse „europaweit denken und die besten Köpfe zusammenbringen“. In seinen Tätigkeiten bei der WFG und beim Steinbeis-Europa-Zentrum fungiere Höptner als eine Art Steigbügel für Unternehmer, das den Einstieg in ein europaweites Netzwerk erleichtert. „Die Idee müssen Sie haben“, ermutigte Höptner die Gewerbetreibenden unter den Zuhörern, „wir helfen.“ Es komme auf das Knüpfen funktionierender Netzwerke zwischen regionalen und europäischen Firmen und Institutionen an.
Bei der anschließenden Diskussion zeigte das Publikum reges Interesse an bildungspolitischen Themen.


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