Donnerstag, 24. Mai 2012

VKZ-Telefonaktion mit Ärzten


Prof. Siegfried Walker. Foto: Arning
Prof. Siegfried Walker. Foto: Arning

Vaihingen (sr) – Überpünktlich, sieben Minuten vor dem offiziellen Start um 17 Uhr, klingelte es bei der Telefonaktion der VKZ am Mittwoch zum ersten Mal. Drei Mediziner des Vaihinger Krankenhauses sperrten ihre Ohren für Fragen und Kummer der Anrufer zu den Organen Leber und Bauchspeicheldrüse auf. Beliebtes Thema: Das Viertele und seine Auswirkungen.
Darf ich Alkohol trinken, wenn ich regelmäßig Medikamente einnehme? Kann es sein, dass sich mein Partner aufgrund seiner Zuckerkrankheit verändert hat? Im VKZ-Gebäude saßen Prof. Dr. Siegfried Walker, Chefarzt der Inneren Abteilung im Vaihinger Krankenhaus und Ärztlicher Direktor der Bietigheimer Klinik sowie Dr. Christoph Bach und Dr. Ulrich Sapper, beide Oberärzte im Vaihinger Krankenhaus, an der Strippe bereit. Aufhänger der Telefonaktion waren Aktionstage zur Leber und Bauchspeicheldrüse, welche die Gastro-Liga im November initiiert. 30000 Neuerkrankungen der Bauchspeicheldrüse werden jährlich erkannt, an einer Lebererkrankung leiden bundesweit rund 3,5 Millionen Patienten. Grund genug, auf Frühsymptome und Risikofaktoren hinzuweisen und die Menschen für die Gesunderhaltung zu sensibilisieren.
Hier einige Auszüge der Gespräche: In Sachen Bauchspeicheldrüse, auch Pankreas genannt, meldete sich eine Leserin bei Dr. Bach. Ihr Partner leide schon lange Zeit an Diabetes mellitus, der Zuckerkrankheit. Ursache der Krankheit ist in der Regel eine Fehlfunktion der Bauchspeicheldrüse. Sie produziert unter anderem Hormone, die den Blutzuckerspiegel konstant halten. „Das Typische einer solchen chronischen Erkrankung“, erläuterte Bach, „ist, dass die Angehörigen häufig mehr leiden als die Erkrankten.“ Gerade die Zuckerkrankheit betreffe den ganzen Körper und kann bei den Kranken zu psychischen Veränderungen führen. „Es kann zu Stimmungslabilität kommen. Die Patienten können beispielsweise aggressiv reagieren, ein starkes Schmerzempfinden oder eine Depression entwickeln“, so Bach. Daher „müssen die Familien mit in den Therapieplan aufgenommen werden“. Hausärzte sollten in dieser Hinsicht eine besondere Sensibilität entwickeln. Die psychischen Störungen mancher Patienten haben ihre Ursache in der krankheitsbedingten schlechteren Durchblutung des Körpers und somit auch des Gehirns. Gegebenenfalls kann der Hausarzt eine stationäre Beobachtung empfehlen.
Doch das Pankreas schüttet nicht nur Hormone, sondern auch wichtige Verdauungsenzyme aus. Eine jüngere Frau erkundigte sich bei Prof. Dr. Walker, wie eine Bauchspeicheldrüsenerkrankung zu erkennen sei. Beschwerden im Oberbauch hatten die Anruferin geplagt. Walker erläuterte unter anderem die Methoden der Diagnosefindung. Hierzu gehöre die Magenspiegelung, Blutuntersuchungen und eine Ultraschalluntersuchung. Walker: „Sie müssen zum Hausarzt gehen und das abklären.“
Auf die Frage, wie denn die Bauchspeicheldrüse am besten geschützt werden könne, hatte der Mediziner einige Tipps: „Nicht viel Alkohol trinken. Alkohol kann die Ursache für eine akute oder chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung sein.“ Der Zuckerkrankheit könne häufig durch ein normales Gewicht ein Schnippchen geschlagen werden. Beim Pankreaskarzinom, also dem Bauchspeicheldrüsenkrebs, führte Walker Alkoholkonsum und das Rauchen als Risikofaktoren an. Die Kollegen Bach und Sapper mahnten: „Rauchen schädigt die Bauchspeicheldrüse sicher genauso sehr wie es die Lunge schädigt.“
Auch in Sachen Alkoholkonsum ist es nicht etwa so, dass „nur“ die Leber in Mitleidenschaft gezogen wird, betonte Walker. „Alkohol schädigt viele Organe, vor allem die Leber, Pankreas, Gehirn und das Herz.“ Zwischen Leber und Milz passt eben nicht immer noch ein Pils und besonders bei Patienten mit einer kontinuierlichen Medikation ist Vorsicht geboten. Ob und wie viel Alkohol denn überhaupt erlaubt ist, wenn Arzneimittel eingenommen werden müssen, wollten mehrere Anrufer wissen. Oberarzt Bach: „Das ist nicht einfach zu beantworten.“ Er rät in jedem Fall dazu, bei täglicher Medikamenteneinnahme – „auch homöopathischer und nicht rezeptpflichtiger Medikamente“ – sollten regelmäßig Leberwerte untersucht werden. Ratsam sei auch eine Ultraschalluntersuchung der Leber. „Wenn die Leber in Ordnung ist, kann man in Maßen ab und zu, zum Beispiel am Wochenende, mal ein Viertele trinken.“
 Prof. Dr. Walker konkretisierte die Mengenangabe noch für gesunde Viertelesschlotzer, die keine Medikamente einnehmen müssen. „Eine beliebte Frage“, schickt Walker voraus: „Ein ansonsten gesunder Mann darf als tägliche Maximalmenge 30 bis 40 Gramm Alkohol zu sich nehmen.“ Aufgepasst: „Ansonsten gesunde Frauen dürfen nur die Hälfte konsumieren.“ Für Männer gelte demnach eine akzeptable Höchstgrenze von täglich etwas mehr als einem Viertele Wein. Zu bedenken gibt Walker, dass es für die Organe keinerlei Rolle spiele, ob jemand aufgrund einer Alkoholabhängigkeit oder „nur“ aus Gewohnheit trinkt: „Für die Schädigung spielt die Menge die entscheidende Rolle.“
Auf ein eher unbekanntes, aber dennoch öfter zu beobachtendes, Phänomen wies der Chefarzt abschließend noch hin. Es handelt sich dabei um das Meulengracht-Syndrom. Walker: „Eine harmlose Enzymschwäche, die nicht behandelt werden muss und auch nicht behandelt werden kann.“ Bei ihr zeigen sich im Blutbild erhöhte Bilirubinwerte, die Leberwerte sind aber normal. Das Weiße der Augäpfel kann bei diesen Menschen manchmal gelb gefärbt sein, ein so genannter Skleren-Ikterus. Diese Gelbfärbung kann aber auch durchaus auf eine Schädigung der Leber hinweisen.
 Zu einer althergebrachten Therapie greifen die Ärzte bei der so genannten Hämochromatose. Es handelt sich dabei um eine Eisenstoffwechselstörung, bei der der Körper mit „Eisen überladen wird“, so Walker, was unter anderem die Leber in Mitleidenschaft zieht. Hier greifen moderne Mediziner zu einer uralten, aber wirksamen Therapie: dem Aderlass.


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