Vaihingen (elf) – Am Volkstrauertag wird den Opfern von Krieg und Gewalt gedacht und um die Toten der beiden Weltkriege getrauert. „Wir gedenken der Opfer von Unrecht, Hass und Fanatismus“, sagte der Vaihinger Oberbürgermeister Gerd Maisch bei der Feierstunde zum Volkstrauertag auf dem Vaihinger Friedhof.
Nicht nur in Vaihingen und den Stadtteilen, sondern auch in Eberdingen, Illingen, Oberriexingen und Sersheim wurden den Kriegstoten und Opfern von Gewaltherrschaft gedacht. Die Feierstunde auf dem Vaihinger Friedhof begleiteten der Musikverein, der Männergesangverein und Schüler der Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule.
OB Maisch begann seine Rede mit einem Zitat von Berthold Brecht: „Der Mensch ist erst wirklich tot, wenn niemand mehr an ihn denkt.“ Gerade deswegen sei das Gedenken an die Toten wichtig. Immer wieder sei zu vernehmen, dass ein Schlussstrich unter die Schrecken der zwei Weltkriege und die ständige Vergangenheitsbewältigung gezogen werden müsse. „Ich sage ein klares Nein zu einem solchen Schlussstrich“, bekannte Maisch, denn er wäre ein Verdrängen des Grauens, das die deutsche und europäische Geschichte im 20. Jahrhundert geprägt habe. Der Blick in die Vergangenheit sei nötig, „um unsere Verantwortung für das Geschehene und daraus Verantwortung für das Geschehene zu erkennen“.
Der Volkstrauertag sei Auftrag für alle. Frieden und Verständigung sei in vielen Regionen der Welt noch nicht erreicht. „Wir sehen uns einer Vielzahl neuer Bedrohungen gegenüber“, sagte der Oberbürgermeister. Dazu zähle der internationale Terrorismus, die organisierte Kriminalität und die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen.
Der Verwaltungschef erinnerte an die Arbeit des Volksbunds deutscher Kriegsgräberfürsorge, der sich nicht nur große Verdienste um die Gefallenen der beiden Weltkriege erworben habe. Der Volksbund sei auch ein Zeichen der Hoffnung und der Völkerverständigung. „Wer – wie der Volksbund – die Gräber der Gefallenen aller Nationalitäten und Religionen pflegt und betreut, Schulprojekte initiiert und kulturelle Begegnungen über Grenzen hinweg fördert, der dient der Versöhnung und dem Frieden“, sagte OB Maisch. Die Bilder der Tausenden von Jugendlichen aus aller Welt, die Gräber pflegen, vergessene Grabstätten wieder herrichten und über Gräber hinweg häufig genug Freundschaften schließen, seien eine Ermutigung für eine Zukunft in Frieden und Freiheit.
Umfassende Friedensarbeit sei der ethische Auftrag der Ermordeten und Getöteten. Diesen Auftrag zu erneuern sei der Sinn des Volkstrauertags. „So lange Menschen immer noch glauben, politische, wirtschaftliche, ethnische oder religiöse Konflikte mit Waffengewalt lösen zu können, so lange muss die Arbeit für den Frieden weitergehen“, sagte Gerd Maisch. Die Schändung des jüdischen Friedhofs in Freudental mache betroffen und zeige, dass Antisemitismus ein bedrängendes Thema bleibe. Diese Taten müssen Mahnung sein, alles zu tun, es gar nicht so weit kommen zu lassen. Gerade jungen Menschen wünsche er, dass sie in ihrem Leben nicht erleiden müssen, weswegen die Menschen am Volkstrauertag zusammenkommen.
