Donnerstag, 24. Mai 2012

Kandidatenvorstellung in Nussdorf


180 Besucher kamen zur Kandidatenvorstellung in die Nussdorfer Gemeindehalle. Foto: Bögel
180 Besucher kamen zur Kandidatenvorstellung in die Nussdorfer Gemeindehalle. Foto: Bögel

Nussdorf (ub) – Bernd Hasenmaier, stellvertretender Bürgermeister und Gemeinderat, ist am Mittwochabend leicht verzweifelt. „Ich dachte immer, Nussdorf ist eine lebendige Gemeinde. Zieren Sie sich nicht“, fordert der Moderator die Bürger auf. Doch im Publikum reckt sich kein Arm mehr in die Höhe – und um 21.19 Uhr ist die Kandidatenvorstellung für die Eberdinger Bürgermeisterwahl am 2. Dezember zu Ende.
Einen Tag zuvor in der Hochdorfer Halle wurden die beiden Bewerber um den Schultesjob, Peter Schäfer (50), seit acht Jahren Bürgermeister der Dreiergemeinde, und Armin Zeeb (51), Stadt- und Kreisrat aus Vaihingen, noch mit Fragen der Bürger gelöchert. Erst zehn Minuten nach 22 Uhr war die offizielle Kandidatenkür zu Ende.
24 Stunden später in der Nussdorfer Gemeindehalle das krasse Gegenteil: Zwar kamen rund 180 Besucher, um die beiden Bewerber „live“ zu erleben, doch der persönliche Informationsbedarf der Bürger tendierte gegen Null. „Ich habe schon gedacht, dass wir an diesem Abend eine regere Diskussion bekommen“, so Hasenmaier, der den Vorstellungsabend in Nussdorf moderierte. Doch nach zwei Fragen und einem persönlichen Plädoyer war am Mittwochabend die Luft draußen. Früher Feierabend für die Aspiranten auf den Bürgermeistersessel im Eberdinger Rathaus.
Das Prozedere bei den drei offiziellen Kandidatenvorstellungen ist in Hochdorf, Nussdorf und Eberdingen (gestern Abend) das Gleiche. Jeweils 20 Minuten haben die beiden Bewerber, um sich zu präsentieren.
Amtsinhaber Peter Schäfer, der zusammen mit seiner Familie die Besucher in der der Nussdorfer Halle mit Handschlag begrüßt, stellt sich auf zehn Manuskriptseiten als „kompetenter“ Bewerber vor. „Ich habe vor acht Jahren keine Wahlversprechen gegeben und halte mich auch heute daran.“ Das Erreichte wird dem Publikum an einer Leinwand mit Häkchen hinter der Aufzählung präsentiert. Stolz ist Schäfer, der sich als „mannschaftsdienlicher Kapitän“ bezeichnet, auf den Schuldenstand. „Wir haben den Banken als Schuldner adieu gesagt. Ende des Jahres haben wir alle Schulden getilgt.“ Neben den notwendigen finanziellen Mitteln gebe es aber auch ein großes bürgerschaftliches Engagement – „das ist der wahre Reichtum der Gemeinde“.
Nach dem Vortrag von Schäfer gibt es in Nussdorf am Mittwochabend drei Fragen: Radweg zum Hardtwäldle, die Pro-Kopf-Verschuldung und die Kosten des Umbaus für das Nussdorfer Feuerwehrhaus (230000 Euro).
Herausforderer Armin Zeeb erscheint in Nussdorf mit Gattin und einem Sohn. Zeeb, Sozialarbeiter und Schuldnerberater, spricht rund vier Minuten kürzer als der amtierende Schultes. Die Fotos, die der Vaihinger zur Illustration seines Auftritts zusammengestellt hat, zeigen ihn als Privatmann, als Wanderer (Zeeb ist ehrenamtlicher Bergführer), als Ansprechpartner des Ludwigsburger Landrats Rainer Haas. In seiner Rede unterstreicht er auch die „guten Kontakte“ zur Stadtverwaltung Vaihingen, zu Oberbürgermeister Maisch, zu Bürgermeister Nestle. In seiner Ansprache in Nussdorf baut er noch im Gegensatz zu Hochdorf das Keltenmuseum ein, fordert hier ein Café, um den Tourismus anzukurbeln. Das Thema Hochwasserschutz lässt Zeeb am Mittwochabend weg. „Ich möchte Ansprechpartner sein für alle Bürger, ob für Unternehmer oder Sozialhilfeempfänger, ob für Alleinerziehende oder Großfamilien.“
Eine Stunde lang haben dann die Bürger Zeit, die beiden Bewerber zusammen zu testen. Revierförster Wolfgang Steinacker erkundigt sich nach den Zielen für die 600 Hektar Gemeindewald. Zeeb formuliert eine naturnahe Bewirtschaftung, fordert Waldspielplätze. „Der Wald ist für die Zukunft der Bürger da.“ Schäfer stellt die Erholungsfunktion des Forstes heraus – „er ist nicht nur die grüne Sparkasse“. Ein Wald müsse unheimlich facettenreich sein – und das sei in Eberdingen erreicht.
Gerhard Grefe aus Hochdorf will vom Kandidaten Zeeb den Zeitaufwand für das Bürgermeisteramt erfahren und erkundigt sich nach der Parteizugehörigkeit. Zeeb, der für die Grünen im Stadtrat und Kreistag sitzt: „Als Bürgermeister muss man unabhängig sein.“ Und es sei klar, dass es mit einer 40-Stunden-Woche als Bürgermeister nicht getan sei. „Aber ich habe Zeit.“
Dann auf dem Podium allgemeines Schulterzucken. Moderator Hasenmaier animiert die Bürger mehrmals zu Fragen. Kein Bedarf. „Dann machen wir eben Schluss.“


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