Donnerstag, 24. Mai 2012

Sauwetter: Nur wenige Marktbesucher


Gewürze gibt's seit 50 Jahren bei Gewürz-Mayer.
Gewürze gibt's seit 50 Jahren bei Gewürz-Mayer. Foto:Schmid

Vaihingen (phs) – Zum letzten Mal in diesem Jahr wurden gestern in der Vaihinger Kernstadt beim traditionellen Krämermarkt Gewürze und Vorhänge, Pullover und Pfannen, Gürtel und Pflegemittel feilgeboten. Das schlechte Wetter machte den Händlern aber wenig Freude. Kein Wunder, denn die Besucherzahlen hielten sich in Grenzen.

Auf dem Vaihinger Krämermarkt gibt es einige Urgesteine. Werner Alessandri gehört dazu. Seit 1987 kommt der Mannheimer regelmäßig mit seinem Verkaufswagen auf den Vaihinger Marktplatz. Er verkauft Vorhänge, Gardinen und alles, was dazu gehört. „Früher habe ich hier noch Reststoffe für einen Pfennig verkauft“, erinnert sich der Krämer, der mit seinem Verkaufsmobil in ganz Süddeutschland unterwegs ist. „Heute kann ich die Gardinenstoffe nicht mehr so günstig anbieten und Reste gibt’s in Zeiten der Fabrikfertigung auch nicht mehr.“

Gegen die Kälte, mit der die Aussteller und Marktbesucher gestern zu kämpfen hatten, hat Werner Alessandri ein Patentrezept: Hinterm Tresen steht bei dem Gardinenhändler immer ein Becher mit heißem Kaffee. „Das wärmt von innen“, sagt Alessandri und zwinkert.

Die Marktbesucher kaufen bei Werner Alessandri gerne ein. „Eine Elle auf die Schnelle für die Frau im schwarzen Anorak“, ruft der Händler einer Dame zu. Und wenig später sind knapp drei Meter Gardinenstoff verkauft. Zur Verkaufsförderung hat er sich noch etwas besonderes ausgedacht: Wer Vorhänge oder Gardinen bei Alessandri kauft, muss nichts mehr selbst machen. „Ich nehme die Adresse der Kunden auf, lasse die Stoffe in einer Näherei bearbeiten und verschicke sie dann mit der Post.“

Rund 200 Gewürze haben Barbara Mayer und ihr Mann am Stand gegenüber. „Vor allem Pfeffer, Paprika, Muskatnuss und Zimt sind gefragt“, sagt Gewürzhändlerin Mayer. Das sei schon immer so gewesen. Aber auch exotischere Gewürze sind im Kommen. „Chili wird in allen Schärfegraden gekauft, aber auch Ingwer wollen viele haben“, weiß die Gewürzfrau, deren Familie schon seit 50 Jahren beim Vaihinger Markt dabei ist.

Wer bei den Mayers mehr als nur ein paar Tütchen Gewürze kauft, kommt sogar in den Genuss, feilschen zu können. „Bei drei Tütchen lasse ich nicht mit mir handeln, von irgendetwas müssen wir ja auch leben.“ Manche Stammkunden kennt Barbara Mayer schon persönlich: „In Vaihingen gibt es ein paar ganz nette Kunden, die sind es schon gewohnt, dass wir immer mit dem gleichen Team da sind.“ Da lerne man sich im Gespräch eben etwas kennen.

Gegen die Kälte hatte die Gewürzfrau eine mit Tee gefüllte Thermoskanne im Gepäck. „Außerdem habe ich mich warm angezogen. Ich trage mehrere Schichten Kleider übereinander“, sagt die Gewürzhändlerin, die mit ihrem Mann auch noch einen Gewürzladen in der Stuttgarter Markthalle betreibt. Sogar eine kleine Heizung hatte das Team an Bord. Viel hat die aber gestern nicht gebracht. In unregelmäßigen Abständen ist auf dem Marktplatz die Stromversorgung ausgefallen. „Ich glaube da hängen zu viele Stände an der Leitung“, kommentierte Mayer.

Eine Thermoskanne mit Tee hat auch am Stand der Textilhändlerin Irene Maier nicht gefehlt. Mit ihrem Mann ist sie schon seit 34 Jahren beim Vaihinger Markt dabei und gehört somit auch zu den Urgesteinen. Kleider für Damen hat Irene Maier im Angebot: „Wir produzieren manche Teile sogar noch selbst in unserer Schneiderei in Winterlingen“, sagt sie. Das Geschäft auf dem Vaihinger Markt habe freilich nachgelassen, lukrativ sei der Stand am Marktplatzbrunnen aber noch immer. Gefragt seien vor allem Pullover, warme Hosen und Röcke.

Nach zehn Stunden Marktbetrieb war der Zauber in der Vaihinger Kernstadt um 18 Uhr wieder vorbei. „Unseren elf Meter langen Verkaufswagen kann man auf sieben Meter zusammen schieben und dann die Klappen schließen“, erklärt Irene Maier. Wenn die Klappen geschlossen und die Waren verstaut sind, hat sich der Maier-Verkaufsstand zum Fahrzeug verwandelt. Das nächste Mal kommen die Händler erst wieder im neuen Jahr (12. März) auf den Marktplatz.


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