Peter Schäfer und Armin Zeeb in der Kür
Hochdorf (elf) – In Grenzen hielt sich gestern Abend der Andrang bei der ersten Vorstellungsrunde zur Eberdinger Bürgermeisterwahl. Die Halle in Hochdorf war gerade mal zur Hälfte besetzt. Peter Schäfer (Amtsinhaber) und sein Herausforderer Armin Zeeb (Kreisrat und Vaihinger Stadtrat) stellen sich vor.
Jeder Bewerber hatte 20 Minuten Zeit für seinen Vortrag und musste direkt im Anschluss zehn Minuten lang auf die Fragen aus dem Publikum antworten. Nachdem sich beide Bewerber getrennt voneinander vorstellen konnten, gab es eine gemeinsame Fragerunde.
Den Vortritt hatte Amtsinhaber Peter Schäfer, da er seine Bewerbung vor seinem Konkurrenten eingereicht hatte. Wie vor acht Jahren trete er als parteiloser und unabhängiger Kandidat an, meinte Schäfer.. Der verheiratete Vater dreier Söhne stellte seine Rede unter die Überschrift „Acht Jahre kontinuierliche Arbeit“ und fasste das unter seiner Führung Erreichte zusammen. Mit Augenmaß seien in allen Ortsteilen Wohngebiete ausgewiesen worden. Dadurch sei es gelungen, bauwillige Firmen am Ort zu halten und zuzugswillige Familien im harten Wettbewerb mit anderen Kommunen anzusiedeln. Schäfer erinnerte auch an das Gewerbegebiet Pulverdinger Weg: „Wirtschaftsförderung heißt das Gebot der Stunde.“
In den Kindergärten seien die Betreuungsangebote samt Ganztagesbetreuung im Kindergarten Arche Noah ausgebaut worden, sagte der 50-Jährige und hob im gleichen Atemzug die Anstrengungen der Gemeinde in Sachen Schulsanierung hervor. Ein weiterer Punkt seiner Bilanz waren die Vereine: Ausweichsportplatz für den TSV Hochdorf, Förderung des TSV Nussdorf in Sachen Sportfelder, neue Böden in den Hallen Hochdorf und Nussdorf, neue Sporthalle in Eberdingen. Der amtierende Bürgermeister erinnerte auch an die Fahrzeug- und Gerätebeschaffungen für die Freiwillige Feuerwehr und den An- und Umbau des Feuerwehrhauses in Nussdorf.
In Sachen Jugend stelle Schäfer heraus, dass die Gemeinde mit dem mobilen Aktionspool in die offene Jugendarbeit eingestiegen sei und auch die Jugendhausinitiative Nussdorf unterstütze. Außerdem hätte die Außenstelle der Sozialstation Eberdingen dort im alten Schulgebäude gehalten werden können. Weitere Teile seiner Bilanz waren der Erhalt öffentlicher Gebäude, die verbesserte Straßen- und Wegeinfrastruktur sowie die technische Infrastruktur.
„Projekte müssen auf sicherem Fundament stehen“
„Alle Projekte, die ich künftig dem Gemeinderat vorschlagen werde, müssen zukunftsweisend sein und auf solidem finanzwirtschaftlichem Fundament stehen“, sagte Schäfer. „So wie in den vergangenen acht Jahren auch.“ Er setze sich künftig für den Bau betreuter Wohnungen ebenso ein wie für einen wirksamen Hochwasserschutz Eberdingen, weitere flexible Betreuungsangebote in den Kindergärten, die Fortführung der Landessanierungsmaßnahmen in Eberdingen und Nussdorf sowie für die Aufnahme städtebaulicher Erneuerungsmaßnahmen in Hochdorf. Dort, wo es möglich sei, sehe er die Innenentwicklung vor der Außenentwicklung.
Außerdem stehe er für weitere Straßenbaumaßnahmen (Stuttgarter Straße/Hochdorfer Straße, Einfädelspur von Hochdorf auf die B10), weitere Feldwegsanierungen, die Sanierung öffentlicher Gebäude, für Verkehrssicherung und -lenkung, für einen Flächennutzungsplan, der Eberdingen keine Nachteile bringen dürfe, für ein attraktiveres Freibad durch Erwärmung des Wassers und für eine zeitnahe Vermarktung kommunaler Wohnbau- und Gewerbebaugrundstücke. Selbstverständlich sei für ihn auch die Unterstützung der Freiwilligen Feuerwehr, der Vereine und Organisationen sowie eine transparente Gemeinderats- und Verwaltungsarbeit.
„Eine Gemeinde ist nie fertig“, sagte Peter Schäfer. Ständig kämen neue Aufgaben hinzu. Daher benötige es eines Vorsitzenden des Gemeinderats, „der die unterschiedlichen Interessen bündeln und als Kapitän mannschaftsdienlich arbeiten kann“. Der finanzwirtschaftliche Spielraum sei gegeben, Ende des Jahres hätte die Gemeinde alle Schulden getilgt. Dass er in der Lage sei, die Herausforderung der Zukunft „im vertrauensvollen Miteinander“ stemmen zu können, habe er unter Beweis gestellt.
Damit sich das Publikum ein Bild von ihm machen konnte, projizierte Kandidat Armin Zeeb während seines Vortrages Bilder aus seinem politischen und privaten Leben der letzten zwei Jahre an die Wand. Zeeb, verheiratet, drei Söhne, sich den Wählern ausführlich vor. Er sei bereits seit seinem 15. Lebensjahr ehrenamtlich aktiv. Nach dem Studium der Sozialarbeit habe er gemeinsam mit seiner Frau das großelterliche Bauernhaus umgebaut und daneben den Sitz für den Verein Zentrum am Turm geschaffen. 1990 folgte der Kauf und der Umbau eines alten Bauernhauses in Reinsberg in Sachsen zu einem Ferienhaus. „Auch wir wollten einen Beitrag zum Aufbau Ost leisten und persönliche Kontakte knüpfen“, sagte Zeeb.
Nach seinem Studium habe er eine dreijährige Ausbildung zum Schuldnerberater abgeschlossen. Bei der Stadt Ludwigsburg sei er acht Jahre lang Bezirks-Sozialarbeiter gewesen und dort für die Berechnung und Bewilligung von Sozialhilfe und Pflegegelder für etwa 15000 Einwohner zuständig gewesen. „Zusammengefasst sehe ich mich aufgrund meiner beruflichen Ausbildung sehr gut in der Lage, eine Verwaltung zu führen“, so Zeeb. Derzeit leite er eine Wohngruppe von Strafentlassenen, um sie zu befähigen, wieder geordnet ihr Leben zu meistern.
Zeeb sucht neue Herausforderungen
Seinen ersten Kontakt mit dem Kreistag habe er 1985 gehabt, seit 2004 sei er Stadtrat in Vaihingen und Kreisrat in Ludwigsburg. „Durch diese Einblicke und Kenntnisse bin ich mir sicher, die Fähigkeiten zur Führung einer Gemeinde und deren Verwaltung zu haben“, sagte Zeeb. Der 51-Jährige machte deutlich, dass er seine verbands-, vereins- und kommunalpolitische Erfahrungen in seine Arbeit einfließen lassen wolle. Mit dem Beruf des Bürgermeisters suche er eine neue Herausforderung.
Nachdem er seine Kontakte im kommunalpolitischen Bereich aufgezählt hatte, widmete er sich den Belangen der Gemeinde Eberdingen. Es gelte, mittel- und langfristige Finanzplanungen aufzustellen, städteplanerische Visionen gegen den Rückgang der Bevölkerung zu entwickeln und gemeinsam mit den Bürgern Ideen umzusetzen, die mehr Lebensqualität beinhalten. Für eine stabile Gewerbe- und Einkommenssteuersituation benötige es Strategien wie die Nutzung brach liegender Gewerbeflächen und den Ausbau der Touristikangebote. Statt weiterer Bauplätze auf dem offenen Feld plädierte Zeeb für die Sanierung alter Bausubstanz innerhalb der Ortschaften.
In Sachen Verkehr forderte er den Ausbau der Kreisstraße zwischen Riet und Eberdingen, eine Einfädelspur von Hochdorf auf die B10, besser abgestimmte Busse vor allem nach Vaihingen. Beim Thema Lebensqualität betonte Armin Zeeb, für eine familienfreundlichere und altersgerechte Gemeinde zu stehen. In jedem Ort der Gemeinde müsste ein Angebot für betreutes Wohnen bereitgestellt werden. Überall würden Betreuungsmöglichkeiten für Kinder unter zwei Jahren fehlen. Hier seien Erweiterungen ebenso notwendig wie im Krippen- und Hortbereich. Gleichzeitig könnte über eine Befreiung oder eine Reduzierung der Kindergartengebühren nachgedacht werden. Auch die Jugendarbeit außerhalb der Vereine dürfe nicht vernachlässigt werden. Vor allem in Hochdorf sei eine offene Jugendarbeit nötig. Ihm sei es wichtig, „dass jeder Ort seinen eigenen Charakter behält“. Dennoch werde er gerne dafür arbeiten, dass die Gesamtgemeinde zusammenwächst. Beim Hochwasserschutz könne es nicht sein, dass ein paar Quertreiber talabwärts die wichtige Durchführung unsäglich hinausziehen. Er selbst wolle für alle Gesellschaftsschichten ansprechbar sein: „Ich werde mich für Ihre Anliegen, egal auf welcher Ebene, stark machen“, sagte Armin Zeeb.
Über die Fragen des Publikums an die beiden Kandidaten berichten wir in unserer morgigen Ausgabe.
