Samstag, 04. Februar 2012

Zug der Erinnerung hält in Vaihingen


Peter Heyckendorf wirbt für den Zug der Erinnerungen. Foto: Elsässer
Peter Heyckendorf wirbt für den Zug der Erinnerungen. Foto: Elsässer

Vaihingen (elf) – Er heißt „Zug der Erinnerung“ und beinhaltet eine Ausstellung, die das Deportationsschicksal zehntausender Kinder während der NS-Zeit dokumentiert. Auf seinem Weg durch ganz Deutschland macht er am 22. November auch im Bahnhof Vaihingen für zwei Stunden Station. Für den (außerplanmäßigen) Halt hat sich ein Unterstützerkreis aus Vaihingen eingesetzt, der erst in der vergangenen Woche die Zusage für den Stopp bekommen hat.
„Das ist für uns ein toller Erfolg“, sagt Peter Heyckendorf vom regionalen Unterstützerkreis Zug der Erinnerung (Rukzugde), zumal von Vaihingen aus keine Deportationen erfolgt seien. „Der Tod von 1700 verschleppten Häftlingen im KZ Viahingen ist Grund genug für das Engagement.“ Auch vor Heyckendorfs Familie machte die Grausamkeit des NS-Regimes nicht Halt. Sein Großvater gehörte der kommunistische Widerstandsgruppe Bästlein-Jacob-Abshagen an und flüchtete, seine Großmutter wurde ohne Urteil auf Anweisung der Gestapo im KZ Neuengamme erdrosselt. „Das hat mich motiviert, mich um den Halt des Zuges in Vaihingen zu bemühen“, so Heyckendorf. Zum regionalen Unterstützerkreis gehören außerdem Bernd Freckmann, Brigitta Isermeyer und Peter Schimke.
Der Zug der Erinnerung startet am 8. November zur Fahrt durch Deutschland. Er wird von einer Dampflok gezogen, besteht aus mehreren Ausstellungswaggons und verkehrt auf der Strecke der früheren Deportationen der Reichsbahn. Er steuert die Heimatstädte der über 12000 Kinder an, die zwischen 1940 und 1944 in die Vernichtungslager verschleppt wurden. Haltestationen nach Frankfurt/Main sind Bahnhöfe in Darmstadt, Mannheim, Karlsruhe, Ettlingen, Vaihingen und Stuttgart. Danach geht es weiter durch ganz Deutschland. Nach insgesamt 3000 Kilometern wird in Auschwitz Endstation sein.
In den drei Ausstellungswaggons wird die Geschichte der Deportation von Kindern anhand von Fotos sowie Filmsequenzen gezeigt: die Zustellung der Deportationsbescheide, das Verlassen der Wohnungen, der Weg zu den Sammellagern und von dort zu den Zügen. Auch das Leiden der Menschen während der Transporte ohne Nahrung und Wasser in den engen Waggons wird erzählt. Ausgewählte Texte von Überlebenden sollen den letzten Weg der Kinder verdeutlichen. In einem der Wagenteile gibt es per Computer und Handbibliothek die Möglichkeit zur Spurensuche über unaufgeklärte Schicksale. Der Zug wird von zwei ständigen Pädagogen betreut, die durch die Ausstellung führen
„Da die Anzahl der Gruppenführungen durch den kurzen Aufenthalt in Vaihingen sehr begrenzt ist, sind in Stuttgart weitere Besichtigungsmöglichkeiten gegeben“, sagt Peter Heyckendorf. In Vaihingen wird der Zug der Erinnerungen am Donnerstag (22. November) von 8 bis 10 Uhr Stopp machen. Der regionale Unterstützerkreis organisiert vor Ort die Durchgänge durch den Zug sowie – je nach Interesse – in Absprache mit der Stuttgarter Betreuung die weiteren Führungen dort. Als Hauptzielgruppe dienen Jugendliche. So sollen in erster Linie Schulen aus Vaihingen und Umgebung angesprochen werden. Am gleichen Abend wird in der KZ-Gedenkstätte in Vaihingen eventuell eine inhaltlich begleitende Veranstaltung stattfinden.
Neben der Erinnerung an die Deportationen möchte der regionale Unterstützerkreis mit dem Zughalt in Vaihingen auch vor einem neuen Rechtsradikalismus warnen.
Träger der Gesamtaktion ist der Verein „Zug der Erinnerung“. An diesen Verein hat der regionale Unterstützerkreis in Vaihingen 400 Euro für den Halt des Zuges zu überweisen. Für die Finanzierung dieses Haltes wurde ein Spendenkonto eingerichtet bei der Kreissparkasse Ludwigsburg, Bankleitzahl 60450050, Kontonummer 1000529638. Mit einer Spende ist es möglich, eine Streckenpatenschaft zu übernehmen.


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