Ludwigsburg (sr) – Filzpüppchen, Olivenöl, Ledergürtel und Kürbissuppe: Fünf Tage lang feilscht beim elften Spätlingsmarkt im Ludwigsburger Landratsamt Kulinarisches mit Kunsthandwerk und Spezialitäten um die Gunst der Besucher. Durch das Kreishaus weht ein multikultureller Wind, Partner und Freunde aus Ungarn, Frankreich, Italien und Sachsen sowie Erzeuger des Landkreises Ludwigsburg bieten ihre Waren an.
Es riecht nach deftiger Wurst und Lavendel. Flötentöne wabern durch die Gänge des Kreishauses und würzen das Kauderwelsch, mit dem sich Besucher und Standbesitzer verständigen. „Pflaume, Aprikose, Mandel, Apfel und Nuss“, erwidert Flötenmacher Bán György auf die Frage nach dem Holz, aus dem seine Instrumente sind, in nahezu perfektem Deutsch. An den Ständen seiner ungarischen Kollegen aus dem Komitat Pest lachen selbst gemachte Püppchen, eine Glasmalerin bietet ihre Künste feil. Paprikagewürz lockt neben dem hölzernen Miniatur-Katapult, das zum Spielen einlädt. Irgendwo in den Gängen des Landratsamtes schweben sächsische Laute durch die Luft. Hier verkaufen die Männer vom Schnitzverein Glauchau echte erzgebirgische Holzkunst. Wenige Schritte weiter schmeichelt bunter Filz dem Auge. Birgit Bass aus Sachsenheim präsentiert Zwerge und Tierisches aus Fasern. Schildkröten und Gürtel mit Blumen aus Filz haben bei diesem Spätlingsmarkt ihre Premiere, verrät sie.
Zwischen den Ständen huscht eine Mitarbeiterin des Landratsamtes hindurch. Voll des Lobes ist sie für den bunten Markt, das einzige Problem sei in den fünf Tagen bis zum Samstag ihre Figur. Denn kulinarische Köstlichkeiten locken an allen Ecken und Enden des geräumigen Treppenhauses: Kürbissuppe, Marmelade, Wurst und Honig, nicht zu vergessen Käse, Schnaps, Wein, Kuchen und, und, und. Wer dann zu viel gekostet hat und seinen Magen auf Vordermann bringen möchte, dem verspricht am Stand des Calendula Kräutergartens ein Elixier mit dem Namen „Aufräumer“ Abhilfe. Kräuterchefin Christel Berweiler: „Wir haben 300 verschiedene Tinkturen im Angebot.“ Neu ist in diesem Jahr das Kräuterelixier Karde, das bei der Borreliose Anwendung findet. Methusalem heißt eine andere Mischung, die von den Kräutergärtnern auf Kundenwunsch hin kreiert wurde. Berweiler: „Es steigert die geistige Leistungsfähigkeit.“
Wer von unten nach oben das Kreishaus durchstöbert, der landet auf der letzten Ebene bei den Franzosen. Die Marktleute des Departements Vaucluse verkaufen Köstlichkeiten und Kunsthandwerk aus der Provence. Brigitte und Robert Gleize sind zum neunten Mal beim Spätlingsmarkt und „kommen mit großer Freude“. Zwischen den Produkten aus den eigenen Oliven, der Konfitüre und den Tischdecken stehend sagt die Landwirtin aus Frankreich: „Die Schwaben haben etwas Besonderes: Sie sind Feinschmecker.“
Und weil das so ist, wird auf dem Nachhauseweg im Erdgeschoss bei Erzeugern der Region noch Obst und Gemüse mitgenommen. Ein Rezept der Kürbissuppe vom Bioland Schwalbenhof inklusive. „Das ist nicht geheim“, lacht Biobauer Joachim Leopold, der die Suppe ab 11 Uhr anbietet. Wobei, so viel sei verraten, der Ingwer bringt den Pep in die herbstliche Mahlzeit. Wer mehr wissen möchte, muss schon selber ins Kreishaus kommen:
Öffnungszeiten des Spätlingsmarktes im Landratsamt Ludwigsburg in der Hindenburgstraße sind: Dienstag, Mittwoch und Freitag von 9 bis 18 Uhr, Donnerstag von 9 bis 20 Uhr, Samstag von 9 bis 14 Uhr. Sonderaktionen beispielsweise am Dienstag: Pralinenherstellung am Stand der Konditorei Lutz, am Mittwochnachmittag: Brot backen und Apfelsaft pressen für Kinder, heute Vormittag: Prämierung heimischer Obstbrände.
