Donnerstag, 24. Mai 2012

Polizeieinsatz in Schwieberdingen


Waldhof-Fans hinter dem Absperrgitter. Foto: Bögel
Waldhof-Fans hinter dem Absperrgitter. Foto: Bögel

Schwieberdingen – Ein Spitzenspiel ist es nicht gerade, wenn der Vorletzte der Tabelle in der Fußball-Oberliga gegen den Zweitplatzierten kickt. Doch im Internet kursierte die Mär eines Top-Zuschlags: Statt der sechs Euro sollten sieben Euro Eintrittsgeld verlangt werden. Und viele Fans zogen die „Konsequenz“ und verfolgten die Partie zwischen dem TSV Schwieberdingen und Waldhof Mannheim von der Straße aus. Ein kritische Situation.
Am Samstagnachmittag hieß es Großeinsatz für die Polizisten im Landkreis Ludwigsburg. Zum Spiel Schwieberdingen gegen Waldhof wurden 400 Fans aus Mannheim angekündigt – darunter 100 gewaltbereite Anhänger des Traditionsclubs. Bereits im Sommer erstellte das Polizeirevier Vaihingen, in dessen Zuständigkeit Schwieberdingen liegt, ein Konzept, um mögliche Ausschreitungen im Keim zu ersticken (die VKZ berichtete).
Am Samstag kam es nun zum realen Einsatz: 80 Beamte, darunter auch die Alarmhundertschaft, der Polizeidirektion Ludwigsburg bezogen rund um das alte Stadion in Schwieberdingen Posten. Sechs sogenannte szenekundige Beamte – mit dabei auch Werner Schwab aus Horrheim – nahmen direkten Kontakt zu den Fans auf.
Die Taktik war klar: Die Fans aus Mannheim wurden komplett in den Lüssenweg geschleust, wo ein separater Eingang ins Stadion eingerichtet war. Der besonders gesicherte Bereich war mit Absperrgittern zum restlichen Gelände abgeteilt. Das Problem: Viele Fans boykottierten den Eintritt und versammelten sich auf der Markgröninger Straße, um von hier aus lautstark und kostenlos das Spiel zu verfolgen.
Gerd Esenwein, Chef des Polizeireviers Vaihingen und Einsatzleiter in Schwieberdingen: „Es ist klar, bei den oft alkoholisierten Anhängern dürfen wir die Hemmschwelle nicht so hoch ansetzen. Wenn wir da mit dem Schlagstock rumfuchteln, heizt das die Menge nur noch an.“
Gewarnt waren die Ordnungshüter allemal. Denn die „Ultras“ aus Mannheim und Ulm bestimmen das „Strafgeschehen“ in der Fußball-Oberliga eindeutig. 59 Strafverfahren gegen Fans aus den einschlägigen Clubs wurden in der Saison 2006/2007 eingeleitet, davon acht wegen Körperverletzung, sieben wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte, 26 wegen Sachbeschädigung, eines wegen Verwendung von Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen, eines wegen Volksverhetzung. Sieben Menschen wurden bei Ausschreitungen verletzt, davon zwei Polizeibeamte. Erst in der letzten Wochen traten die Hooligans aus Mannheim wieder unangenehm in Erscheinung: Bei der Bundesliga-Partie Wolfsburg gegen Nürnberg lieferten sie sich abseits des Stadion eine Schlägerei mit den Franken.
Die szenekundigen Polizeibeamten, die von Mannheim nach Schwieberdingen kamen, meldeten allerdings im Vorfeld der Begegnung, dass das Gewaltpotenzial in der Oberliga nicht mehr so hoch sei wie in den Vorjahren. Esenwein: „Wir hoffen, dass es in Schwieberdingen dabei bleibt.“
Am Abend konnte der Erste Polizeihauptkommissar dann Entwarnung geben: „Es gab keinerlei Ausschreitungen während des Spiels. Die Waldhof-Fans haben sich aber schon gut unterhalten.“
Präsent waren die Polizeikräfte auch an den Tankstellen im Industriegebiet von Schwieberdingen: Hier haben sich die Blau-Weißen mit alkoholischem Nachschub versorgt. Esenwein: „Wir haben im Vorfeld mit den Tankstellenpächtern gesprochen und ihnen empfohlen, an diesem Nachmittag nicht gerade die jüngsten Mitarbeiter hinter die Kasse zu stellen.“
Vier Tage vor dem Fußballspiel, das von der Polizei als Risikospiel gewertet wurde, trainierte die Alarmhundertschaft der Polizei noch einmal das Vorgehen gegen gewaltbereite Fans. Am Samstag mussten die Uniformierten nicht eingreifen. Für die Fans gab es aber auch nichts zu feiern oder zu beklagen, denn die Begegnung endete 0:0.


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