Vaihingen (ub) – Bei der Stadtverwaltung Vaihingen herrscht noch immer Skepsis. „Wir sind eben ein gebranntes Kind“, sagt Wirtschaftsförderer Thorsten Leupold. Gemeint ist der Rückzieher eines Recyclingunternehmens, das größere Investitionen im Gewerbegebiet „perfekter Standort“ angekündigt hatte und kurz vor Baubeginn das Projekt absagte. Auch das Logistikzentrum (die VKZ berichtete) ist noch nicht in trockenen Tüchern.
„Vermutlich haben wir in der kommenden Woche den Notartermin. Aber der Tag steht noch nicht fest“, so Leupold. Und so lange hütet sich die Verwaltung im Vaihinger Rathaus mit offiziellen Stellungnahmen.
Klar ist mittlerweile aber, dass das dänische Unternehmen DSV im Auftrag der Karlsruher Drogeriekette dm auf acht Hektar ein Logistikzentrum plant. In diesem Volumenzentrum sollen Waren gelagert und weiter zu den dm-Filialen in der Region Stuttgart transportiert werden. 200 Lastwagen pro Tag dürften das Gewerbegebiet zwischen Kleinglattbach und Illingen ansteuern. Momentan ist das Logistikzentrum der Drogeriekette in Schwieberdingen untergebracht – allerdings sind die Räumlichkeiten für das Unternehmen, das auf einen strikten Expansionskurs setzt, auf die Dauer zu klein. Denn auch in der Region Stuttgart soll das Filialnetz von dm (ein Standort ist bereits Vaihingen) ausgebaut werden.
Die Drogeriemarktkette erzielte im Geschäftsjahr 2006/2007 bundesweit einen Umsatz von 3017 Millionen Euro; das ist eine Steigerung um 11,9 Prozent. Deutschlandweit gibt es mit 936 dm-Märkten 67 mehr als zu Beginn des zurückliegenden Geschäftsjahres. Europaweit zählt der Karlsruher Konzern 1849 Filialen. Im laufenden Geschäftsjahr, so hieß es bei der Jahrespressekonferenz, sind mehr als 100 Neueröffnungen in Deutschland und 140 im Ausland geplant.
In Weilerswist bei Köln entsteht bis Ende 2009 für rund 135 Millionen Euro eines der modernsten Logistikzentren Europas. „Für eine zuverlässige Belieferung unserer bis zur Fertigstellung bundesweit mehr als 1000 dm-Märkte ist die Entscheidung für ein Logistikzentrum ein Meilenstein“, sagt Michael Kolodziej, der für das Ressort Logistik verantwortliche Geschäftsführer. Der erste Spatenstich soll noch in diesem Jahr erfolgen.
Ein Hausnummer kleiner ist das Projekt in Ensingen-Süd. Von hier soll nur die Region Stuttgart beliefert werden. Für das Gewerbegebiet „perfekter Standort“, das von den Kommunen Vaihingen und Illingen sowie dem Mannheimer Energieversorger MVV unterhalten wird, wäre das eine Initialzündung, wenn auch ein Logistikzentrum seither als „zweite Wahl“ bezeichnet wurde. Sollte es zum Vertragsabschluss kommen, dann rechnet man bei den Betreibern des interkommunalen Gewerbegebiets mit Einnahmen von rund fünf Millionen Euro. So könnte wenigstens ein Teil der Schulden aus der 14 Millionen Euro teuren Anfangsinvestition getilgt werden.
Bis jetzt konnte der „perfekte Standort“ noch nicht mit positiven Neuigkeiten überzeugen. Lediglich das Ensinger Unternehmen Burkhardt setzte mit der Halle einen Punkt. Kleinere Flächen haben ein Autolackierer und ein Sanitärbetrieb erworben.
Wie in der VKZ berichtet, sind aber die Abschlüsse mit zwei weiteren Unternehmen perfekt. Die Vaihinger Firma Ibek Gerüstbau hat eine Fläche von 5100 Quadratmetern erworben, die TLC Consulting aus Essen ein Grundstück von 3700 Quadratmetern. TLC will hier ein „Entertainment-Center“ bauen. Auf rund 600 Quadratmetern Fläche sind Geldspielautomaten und Billardtische vorgesehen. Dabei arbeiten die Essener mit einem deutschlandweiten Anbieter von Geldspielgeräten zusammen.
Ähnliche Projekte sind auch in anderen Städten vorgesehen. Entertainment-Center sollen auch in Horb am Neckar und in Balingen entstehen. In Landau will TLC auf einem 8500 Quadratmeter großen Grundstück eine Diskothek, ein Bowlingcenter, ein Gastronomiebetrieb und eine Spielstätte bauen. Wirtschaftsförderer Leupold: „Bei dem Projekt in Vaihingen ist klar definiert, dass keine alkoholischen Getränke ausgeschenkt werden.“
