Donnerstag, 24. Mai 2012

Das World Wide Web des Oliver Gassner


Oliver Gassner sitzt vor seinem PC. Hobby oder Arbeit? Das weiß der Vaihinger meist selbst nicht. Foto: Wirth
Oliver Gassner sitzt vor seinem PC. Hobby oder Arbeit? Das weiß der Vaihinger meist selbst nicht. Foto: Wirth

Vaihingen (ev) – Oliver Gassner hat einen ganzen Bauchladen voller Jobs. Heute nennt er sich hauptsächlich Kommunikationsberater, ist nebenher aber noch Blogger, Autor, Journalist und vieles mehr. Was genau der Freiberufler macht, hat er der Vaihinger Kreiszeitung erzählt.
Oliver Gassner sitzt an seinem Computer. Im Regal hinter ihm stapeln sich die Bücher, unter und neben dem Tisch der Papierkram. Oliver Gassner hackt in die Tasten. Ein Text für sein Blog (eine Art Online-Tagebuch) entsteht. Als er fertig ist, schwenkt er mit seinem Schreibtischstuhl nach rechts. Dort steht ein Laptop – jetzt bringt Gassner hier die Tasten zum Glühen.
Gassner verbringt viel Zeit vor den Monitoren im Arbeitszimmer, das sich im zweiten Stock seiner Wohnung in der Vaihinger Altstadt befindet. Kein Wunder, denn Gassner verdient einerseits mit dem Computer sein Geld, anderseits ist das Internet seine liebste Freizeitbeschäftigung.
Das erste Mal kam Oliver Gassner bei einem Aufenthalt in den USA mit dem Internet in Berührung. Das war 1988. Zurück in Deutschland ließ ihn das Thema nicht mehr los. Er arbeitete in einem Rechenzentrum, sammelte erste Erfahrungen im Journalismus und war an einer Literaturzeitung beteiligt. Die Inhalte dieser Zeitung stellte er damals online, legte auch eine Sammlung von Links an, für die er 1997 von IBM und der Wochenzeitung Die Zeit mit dem „Silbernen Pegasus“ ausgezeichnet wurde. Inzwischen sind es mehr als 3000 Links mit dem Schwerpunkt deutschsprachige Literatur.
Obwohl er bereits erste Erfahrungen gesammelt hatte und auch die ersten Erfolge sichtbar waren, wurde Oliver Gassner erst einmal Lehrer. Acht Jahre lang unterrichtete er, unter anderem am Friedrich-Abel-Gymnasium und am Stromberg-Gymnasium. „Obwohl ich die Zeit nicht missen will und über jede Erfahrung während meiner Lehrtätigkeit glücklich bin, wusste ich früh, dass dieser Beruf nichts für die Ewigkeit ist“, erzählt Gassner. Also verließ er die Schule und machte sich 2002 selbstständig. „Ich wusste, dass ich das machen muss, bevor ich 40 bin“, sagt Gassner, der heute 43 Jahre alt ist.
Aber was macht er seitdem genau? Viel. Gassner ist Autor, Dozent, Journalist und Blogger in einem. Sein neustes Projekt ist ein Buch mit dem Titel „Second Life – Das Buch zum zweiten Leben“. Gassner hat das Werk gemeinsam mit Olivia Adler geschrieben. „Sie hat das meiste gemacht. Ich habe das Konzept erstellt, ein paar Kapitel vorgeschrieben und hinterher beim Lektorat geholfen“, erklärt Gassner.
Second Life ist eine virtuelle Welt im Internet, in der Menschen spielen, Handel treiben und anderweitig kommunizieren können. Selbst Geld verdienen ist möglich und das nicht nur virtuell. Deshalb wird Second Life auch für Firmen immer interessanter. Natürlich steckt da auch Oliver Gassner mitten drin, allerdings spielt er weniger, sondern nutzt die zweite Welt hauptsächlich zur Kommunikation. Zum Beispiel gibt er gerade einen Kurs zum Thema Selbstorganisation. Kurse hält er aber nicht nur in der virtuellen Welt, sonder auch in der realen. Zum Beispiel bietet er Workshops für angehende Lehrer, Journalisten oder für Kinder an.
Allgemein hält Gassner sehr viele Vorträge. Zum Beispiel stand er bei den Medientagen in Stuttgart am vergangenen Dienstag am Rednerpult. Oft ist er auch bei Firmen als Berater zu Gast. „Elektronische Post stößt an ihre Grenzen. Zu viele E-Mails erreichen Personen, die sie gar nicht benötigen. Andere kommen genau dort nicht an, wo sie eigentlich hin sollten“, erklärt Gassner. Wie es besser gehen kann, weiß der Vaihinger und teilt sein Wissen mit den Firmen. Für den technischen Hintergrund holt er sich aber Experten. „Ich habe zwar unter anderem HTML-Kenntnisse, aber Profis können es besser und schneller.“ Der Vaihinger ist sozusagen der Puffer zwischen dem Kunden und dem Techniker.
Die Arbeit von Oliver Gassner kann man wie folgt zusammenfassen: Er probiert alles aus, erzählt anderen davon, macht das, was ihm Spaß macht und sucht jemanden, der ihn dafür bezahlt. Wichtige Stichwörter für Gassner sind generell Kommunikation und Social Media (Soziale Medien). Das ist ein Schlagwort, mit dem Webdienste und Plattformen zum gegenseitigen Austausch von Meinungen, Eindrücken und Erfahrungen beschrieben werden. Als Kommunikationsmittel werden Text, Bild, Audio oder Video verwendet.
„Networking, wie es neudeutsch heißt, ist mittlerweile äußerst wichtig“, erklärt Oliver Gassner. Deshalb betreibt er mehre Blogs und ist auch Mitglied bei Xing.
 Xing ist eine Community für Geschäftsleute, die dort Kontakte knüpfen können. Gassner hat ein lokales Forum eröffnet – für Vaihinger Geschäftsleute, die sich mittlerweile regelmäßig treffen.
Die Liste mit Gassners Projekten könnte noch endlos fortgesetzt werden. Bleibt die Frage, wie viele Stunden Oliver Gassner täglich arbeitet und wie er seine vielen Projekte koordiniert? „Das Problem ist, dass ich nicht unterscheiden kann, wann aus der Arbeit Hobby wird. Fakt jedenfalls ist, dass sobald Gassner sein Bett verlassen hat, auch der Computer nicht mehr schläft. „Und mein PDA (ein PDA ist ein kleiner tragbarer Computer) ist mein Gehirn“, gibt Gassner zu. Was ihm auch einfällt, er hackt es in das Gerät, das ihm dann jeden Tag sagt, was er zu tun hat.
Obwohl Gassner, wenn er keine Vorträge hält, die meiste Zeit alleine im Büro sitzt, fühlt er sich nicht einsam. „Ich habe ja auch meine Ganggespräche. Zum Beispiel im Chat und immer wieder komme ich ja raus“, sagt der zweifache Familienvater. „Ob ich jetzt telefoniere, E-Mails schreibe oder bei Second life bin – da gibt es doch keine große Unterschiede.“
Jetzt ist aber genug geredet. Das nächste Projekt wartet schon und die E-Mails sind heute auch noch nicht abgerufen worden.


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