Donnerstag, 24. Mai 2012

Südafrikaner freuen sich auf ein Fußballfest




Gudi Pechel stammt aus Eberdingen, lebt aber seit 1984 in Südafrika. Bis gestern Mittag war sie zu Gast in ihrer alten Heimat.	Foto: Küppers
Gudi Pechel stammt aus Eberdingen, lebt aber seit 1984 in Südafrika. Bis gestern Mittag war sie zu Gast in ihrer alten Heimat. Foto: Küppers

Eberdingen/Kapstadt (rkü). In Südafrika werden kurz vor der Fußball-Weltmeisterschaft die 200-Rand-Scheine eingezogen, weil tonnenweise Falschgeld aus Nigeria eingeschmuggelt wurde. Und die Kreditkarte sollte man als Besucher niemals aus der Hand geben. Dennoch: Die Vorfreude auf das Großereignis überwiegt alles.

Gudi Pechel lebt seit 1984 in der südafrikanischen Metropole Kapstadt – die Liebe hat sie damals dorthin gelockt. Sie stammt aus Eberdingen, war jetzt ein paar Wochen zu Besuch in ihrer alten Heimat. Gestern ist sie wieder nach Südafrika geflogen. „Da freuen wir uns auf die Weltmeisterschaft und auf die Besucher“, sagt Pechel. Gemeinsam mit ihrer Familie betreibt sie ein Gästehaus in Kapstadt. „Zweieinhalb Kilometer vom Stadion entfernt, also direkt dabei“, erklärt sie.

Die Pläne zum Stadionbau wurden in Kapstadt mit großer Skepsis verfolgt. „Aber seitdem es fertig ist, sieht es gar nicht so riesig aus“, sagt die Eberdingerin. „Rund ums Stadion ist auch die Infrastruktur neu aufgebaut worden.“ Allerdings sei das Stadion grundsätzlich am verkehrten Platz erstellt worden. Nämlich nicht im Bezirk der Schwarzen, die traditionell als Fußballfans gelten, sondern bei den Weißen. „Die Buren spielen lieber Rugby und die Engländer lieber Cricket“, sagt Pechel. „Und sie wollen nach der WM das Stadion auch nicht für ihre Sportarten nutzen.“

Nicht nur in diesem Punkt sei die Bevölkerung mit der mächtigen Fußballorganisation Fifa nicht ganz einig. Auch in Bezug auf die Übertragungsrechte. Public Viewing soll es auch in Kapstadt geben, aber was ist bei schlechtem Wetter? „Bei uns in Südafrika ist gerade Winter“, gibt Pechel zu bedenken. „Normalerweise könnte man die Spiele dann in den Kneipen im Fernsehen verfolgen. Aber die sollen eine Lizenzgebühr von 40 000 Rand bezahlen.“ Das sind 4000 Euro. Eine Halbe Bier kostet normalerweise gerade mal 15 bis 20 Rand, also zwei Euro. „Da muss ein Wirt schon viel verkaufen, damit sich die Gebühr rechnet“, sagt Pechel. „Ich bin gespannt, wie die Fifa das in den schwarzen Stadtteilen regelt.“ Dort in den Townships gibt es die Shebeen, die halblegalen Kneipen. „Da trägt bestimmt keiner den Fernseher raus, auch wenn der Wirt keine Lizenz vorweisen kann.“Abgesehen von gewissen „dunklen Ecken, die es aber auch in Städten wie London oder New York gibt“, gebe es keinen Grund für Touristen, um ihre Sicherheit zu fürchten. Sie müssten lediglich beachten, im Auto nichts liegenzulassen, was für arme Einwohner einen Anreiz bieten könnten.

Sportlich gesehen rechnen sich die Südafrikaner für ihre Nationalmannschaft keine großen Chancen aus. Sie nennen das Team zwar liebevoll „Bafana, Bafana“ („Jungs, Jungs“), wissen aber ganz genau, dass sie nur wegen ihrer Rolle als Gastgeber für die Endrunde qualifiziert sind. „Ich glaube, für die Spiele mit Südafrika gibt es sogar noch Karten“, sagt Pechel mit einem Augenzwinkern. „Die Leute wollen doch nicht im Stadion sehen, wie ihre eigene Mannschaft verliert. Aber sie nutzen jeden Anlass, um eine große Party zu feiern.“ Sie selbst hat mit Fußball nicht viel am Hut. „Vielleicht gehe ich aber mal zum Public Viewing. Nur das Spiel Südafrika gegen Deutschland wird es leider nicht geben.“ Nicht, weil sie an den Qualitäten der deutschen Elf zweifelt, sondern weil die Gastgeber kaum die Vorrunde überstehen dürften.




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