Donnerstag, 24. Mai 2012

„Gut möglich, dass ich die Klasse halten werde“




Marcel Rainer hat ein Jahr lang im Trikot der TSF Ditzingen Landesliga-Erfahrung gesammelt. Jetzt steigt seine Mannschaft ab, aber der Spieler aus Hochdorf will in der Klasse bleiben.	Foto: Breier
Marcel Rainer hat ein Jahr lang im Trikot der TSF Ditzingen Landesliga-Erfahrung gesammelt. Jetzt steigt seine Mannschaft ab, aber der Spieler aus Hochdorf will in der Klasse bleiben. Foto: Breier

Hochdorf/Ditzingen (sv). Es war ein großer Schritt für Marcel Rainer. Von seinem Heimatverein TSV Hochdorf aus der Kreisliga B ging es für ihn hinauf zu Verbandsliga-Absteiger TSF Ditzingen. Auch wenn seine Elf in die Bezirksliga durchgereicht wurde – für Rainer war es eine erfolgreiche Saison.

„Wenn man es im Großen und Ganzen betrachtet, war die Zeit bei den TSF Ditzingen für mich persönlich ein sehr gutes Jahr.“ Auf den ersten Blick ist es verwunderlich, dass dieser Satz ausgerechnet von einem Ditzinger Fußballer stammt. Immerhin ist die Elf des scheidenden Trainers Marco Buttice als Verbandsliga-Absteiger auch in der Landesliga mehr als Baden gegangen. Mit nur acht Zählern aus 28 Begegnungen stehen die TSF weit abgeschlagen auf dem letzten Platz der Landesligastaffel 1.

Wer sich jedoch länger mit Marcel Rainer unterhält, von dem der obige Ausspruch stammt, beginnt zu verstehen, warum die Saison 2009/10 für den Hochdorfer keine verlorene war. „Jetzt kann ich sagen, dass ich viel mehr Erfahrung als zuvor habe. Vor allem beim taktischen Verhalten, bei der Spielerfahrung und im Zweikampf habe ich dazu gelernt“, erläutert Rainer. Dazu, sagt er mit einem Schmunzeln, sei er in Ditzingen zum Linksverteidiger geworden. „Zuvor war ich eher eine Offensivkraft. Ich habe mich aber an die Position herangekämpft und darf heute sagen, dass ich mehrere Positionen spielen kann.“

Dass er gleich in seiner ersten Landesligasaison teilweise deutliche Niederlagen einstecken musste, wurmt den 21-Jährigen dennoch: „Es ist schon sehr schade, dass wir mit so großem Abstand abgestiegen sind.“ Der Grund hierfür ist schnell gefunden. Finanzielle Engpässe bei den TSF hatten bereits im Dezember 2008 dafür gesorgt, dass die Mannschaft sich bereiterklärte, ein halbes Jahr ohne Sold zu spielen – damals noch in der Verbandsliga. Als zu Beginn dieser Runde ohne Geld, dafür mit Ach und Krach die Teilnahme an der Landesliga gesichert werden konnte, hatten die etablierten Spieler den Verein bereits verlassen. Rainer: „Als ich in Ditzingen zugesagt hatte, war noch nicht klar, wie es dort weitergehen würde. Natürlich war es dann doof, dass die ganze Mannschaft ausgewechselt wurde und somit kaum Zeit hatte, sich zu finden.“

Die Quittung dafür gab’s des Öfteren auf dem grünen Rasen. Wegen Kleinigkeiten, sagt der Hochdorfer rückblickend, seien oft Spiele verloren gegangen. „Fehler werden in dieser Klasse bitterböse bestraft“, resümiert Rainer und sagt: „Manchmal stand in der Zeitung, dass Ditzingen 0:6 verloren und die Abwehr trotzdem gut gespielt hat.“ Über Kantersiege der Ditzinger Kontrahenten durften die Medien tatsächlich oft berichten: Ein 8:0 der SF Schwäbisch Hall über die Ditzinger war da nur die Spitze des Eisbergs. Sogar gegen Tabellennachbar SV Unterweissach gab es im November eine 0:5-Schlappe – und das im heimischen Trumpfstadion.

Vor allem diese Niederlage hat Rainer ganz bitter in Erinnerung. „Das war der Spieltag nach unserem 2:1-Erfolg bei der TSG Bretzfeld-Rappach. Da haben wir trotz zweier Gelb-Roter Karten gewonnen und ich habe gedacht, ab jetzt geht wirklich was“, lässt er die Geschehnisse Revue passieren. Trotz der Motivation eine Heimpleite gegen den Tabellenvorletzten – das warf einen dunklen Schatten der Vorahnung auf die Rückrunde, in der es bislang keinen TSF-Sieg zu bejubeln gab.

Als Sprungbrett oder günstige Gelegenheit taugte die Ditzinger Landesligamannschaft für manche Spieler dennoch. „Viele Jungs, die früher in der zweiten Mannschaft gekickt haben, haben sicherlich profitiert – auch wenn man bei manchen gemerkt hat, dass es bei ihnen für diese Liga schlichtweg nicht reicht. Andere sind trotzdem in jedem Spiel über ihre Leistungsgrenze hinausgegangen. Davor ziehe ich meinen Hut“, so Rainers Einschätzung.
Auch für ihn war das Landesligajahr bei den TSF Ditzingen eine Möglichkeit zum Schaulaufen bei anderen hochkarätigen Vereinen. Diese Gelegenheit hat der Hochdorfer auch genutzt. „Ich werde den Verein auf jeden Fall verlassen. Es ist gut möglich, dass ich die Klasse halten werde. Aus persönlichen Gründen möchte ich aber noch nicht konkret sagen, wo ich nächste Saison spielen werde.“

Seinem derzeitigen Verein, der die Klasse definitiv nicht halten wird, wünscht Rainer dennoch alles Gute für die neue Saison. „Ich hoffe, dass die Mannschaft nicht ein zweites Mal auseinanderfällt und wünsche den TSF, dass sie auch dank der Jugendarbeit im Mittelfeld der Bezirksliga Fuß fassen können.“ Welche Spieler ab August im Trumpfstadion auflaufen werden, ist momentan aber vollkommen offen.




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