Oberriexingen (sf). Die geplante Biogasanlage auf Oberriexinger Gemarkung ist dieser Tage ein großes Gesprächsthema unter der Oberriexinger Bürgerschaft. In Mühlacker kennt man das: Bevor die Biogasanlage dort unlängst in Betrieb genommen wurde, gab es viele Bedenken. Heute haben sich diese aber weitestgehend zerstreut. Oberriexinger Bürger haben sich informiert. Eine Biogasanlage, so das eindeutige Resümee der Betreiber der Anlage in Mühlacker, hat eigentlich fast nur Vorteile. Seit rund zweieinhalb Jahren ist sie am Start und speist seither große Mengen an Biogas ins Netz der Stadtwerke Mühlacker. Ein Drittel der gesamten Stadt kann damit versorgt werden. Dies sorgt natürlich für ein gewisses Maß an Unabhängigkeit vom Gasmarkt. Zugleich gibt die Anlage langfristig Sicherheit - vor dem Hintergrund der potenziell weniger werdenden natürlichen, Energie liefernden Rohstoffe. Vergessen sind inzwischen also die kritischen Äußerungen und Diskussionen, als die Stadtwerke Mühlacker öffentlich machten, eine Biogasanlage im Gebiet Waldäcker bauen zu wollen. Viele der damaligen Abläufe im Meinungsbildungsprozess wiederholen sich aktuell einige Kilometer weiter die Enz hinab. Auch in Oberriexingen soll eine Biogasanlage errichtet werden. Die Meinungen in der Bevölkerung sind, so ist aus dem dortigen Umfeld zu hören, offenbar nicht durchweg positiv, sondern teilweise noch mit Skepsis versehen. Eine Gruppe Oberriexinger Bürger ließ sich am Freitagnachmittag bei der Besichtigung der Mühlacker Biogasanlage jedenfalls überzeugen, dass grundsätzliche Bedenken etwa hinsichtlich einer drohenden Geruchsbelästigung eigentlich hinfällig sind. Organisiert wurde die Fahrt zur Mühlacker Anlage von der Betreibergemeinschaft Biogas-Energie Oberriexingen GmbH&Co KG, der unter anderem Oberriexinger Landwirte angehören. Ziel war es, dass sich die Bürgerschaft – unter dem Aspekt, mit offenen Karten spielen zu wollen – nicht nur in Bild und Ton, sondern auch hautnah und vor Ort von den Auswirkungen einer Biogasanlage überzeugen kann - eben insbesondere auch hinsichtlich der Frage: Wie sieht es denn tatsächlich mit der vielfach befürchteten Geruchsbelästigung aus? Davon ist in Mühlacker jedenfalls kaum etwas zu spüren. Selbst die direkten Nachbarn sind inzwischen davon überzeugt, hieß es. Hatten sich diese anfangs noch minutengenau notieren wollen, in welchen Zeitfenstern welcher Grad der Geruchsbelästigung erreicht worden ist, hat sich dieses Unterfangen offenbar längst erledigt. Die Mühlacker Anlage hat im Betrieb also offenkundig auch die kritischen Stimmen überzeugt. Dies war zugleich auch die zentrale Botschaft, die die Oberriexinger Gruppe am Freitagnachmittag mit nach Hause genommen hat. Eine wichtige Erkenntnis, zumal die auf Oberriexinger Gemarkung geplante, rund sieben Millionen Euro teure Biogasanlage sogar noch etwas kleiner ausfallen soll als das Pendant in Mühlacker. Die Oberriexinger Biogasanlage soll aus einer Vorgrube zur Einbringung der Rohstoffe, einem Hauptgärer, zwei Nachgärern, sowie einem Gülleendlager bestehen. Zudem ist die Errichtung von Fahrsilos geplant. Rein topographisch bedingt sollen Gärbehälter und Endlager nach der Bauausführung nicht zu sehen sein. Auch die Immissionen werden sich aus Sicht der Gemeinde– die Verwaltung stützt sich bei ihrer Einschätzung auf die bautechnische Ausführungsplanung – maximal in den üblichen Grenzen eines land- und forstwirtschaftlichen Betriebs halten. Die Betreiber der Oberriexinger Anlage gehen sogar davon aus, dass das derzeitig vorhandene Geruchspotenzial landwirtschaftlicher Betriebe abgesenkt werden kann, weil die dort jeweils anfallende Gülle in den luftdicht abgeschlossenen Verarbeitungsprozess der Biogasanlage übernommen werden kann. Die Vorteile, die die Anlage darüber hinaus auch für die Stadt mit sich bringt, wurden zuletzt ausführlich in den Sitzungen des Gemeinderats vorgestellt. So wird beispielsweise – nach einer gewissen Anlaufphase – damit gerechnet, dass die Stadtkasse von zusätzlichen Gewerbesteuereinnahmen profitieren wird. Im Zuge der Anlage soll zudem ein Häckselplatz installiert werden, der von den Betreibern der Biogasanlage beaufsichtigt wird. Verkehrsbeeinträchtigungen im Ortskern sind ebenfalls nicht zu befürchten: Die Anlieferung soll hauptsächlich aus nördlicher Richtung, also aus Richtung der Umgehungsstraße Sersheim-Sachsenheim erfolgen.
